Stimmt es, dass …?
„Wegen Schneeverwehungen fährt vor unserem Zug heute ein Schneepflug, wir bitten um etwas Geduld.“
Stimmt es, dass die Bahn eigene Schneepflüge hat?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Die Deutsche Bahn verfügt über Schneepflüge der Bauarten Meiningen und Beilhack, die zentral im Werk Meiningen gewartet werden, und in schneereichen Ländern räumen Bahnen zusätzlich mit Schneeschleudern.
Wenn es kräftig schneit, rücken auf den Straßen die Räumfahrzeuge aus.
Doch wer räumt eigentlich die Gleise, wenn sich der Schnee auf der Strecke türmt?
Ob die Bahn dafür eigene Schneepflüge besitzt, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
1846/47
Badische Hauptbahn
Schneepflüge schon im strengen Winter
2
Bauarten
Meiningen und Beilhack bei der DB
1943
Henschel
letzte deutsche Dampfschneeschleudern
Das Werk Meiningen ist bei der Deutschen Bahn zentral für die Wartung aller Räumfahrzeuge zuständig.
Kleine Räumer an jedem Zug
Zahlreiche Lokomotiven, Triebwagen und Steuerwagen haben an den Drehgestellen kleine Schienenräumer.
Ihre Hauptaufgabe ist allerdings nicht der Schnee, sondern das Beseitigen kleinerer Fremdkörper im Gleisbereich.
In schneereichen Gegenden wie den Alpen oder Skandinavien sind diese Räumer oft zu kleinen Schneepflugscharen vergrößert.
Bei geringem Schneefall reicht es oft, die Gleise mit Spurfahrten normaler Fahrzeuge vom Schnee freizuhalten.
Für größere Einsätze halten die Eisenbahnverwaltungen eigene mobile Schneepflüge bereit.

Zwei Bauarten bei der Deutschen Bahn
Der Deutschen Bahn stehen Schneepflüge der Bauart Meiningen aus den Beständen der Deutschen Reichsbahn zur Verfügung.
Dazu kommen Schneepflüge der Bauart Beilhack, die von der Deutschen Bundesbahn stammen.
Die Reichsbahn-Schneepflüge wurden zuerst im Reichsbahnausbesserungswerk Halberstadt und dann im Werk Meiningen gebaut.
Die Bundesbahn-Geräte stellte die Firma Beilhack her, zunächst in Rosenheim und heute in Kiefersfelden.
So spiegelt der Fuhrpark bis heute die Geschichte der beiden deutschen Bahnen wider.
Gut zu wissen
Auch Straßenbahnen verwenden Schneepflüge, besonders auf eigenen Trassen, die Räumfahrzeuge von der Straße aus meist nicht erreichen. Bei leichtem Schnee genügen oft Spurfahrten mit normalen Fahrzeugen.
Moderne Schneeschleudern haben zusätzlich einen Vorschneidepropeller, der harten Schnee auflockert. Seitenschneeschleudern räumen die Randwälle, die beim Pflügen entstehen.
Das Werk in Meiningen
Eine besondere Rolle spielt das Werk Meiningen in Thüringen.
Es ist bei der Deutschen Bahn zentral für die Wartung aller Räumfahrzeuge zuständig.
Dort laufen also die Fäden zusammen, wenn Schneepflüge vor dem Winter fit gemacht werden.
Das Werk ist zugleich der frühere Bauort der Schneepflüge der Bauart Meiningen.
Schneepflüge seit den Anfängen
Schneepflüge gibt es bei der Eisenbahn fast so lange wie die Eisenbahn selbst.
Schon im strengen Winter 1846/47 waren sie zum Beispiel auf der Badischen Hauptbahn im Einsatz.
Vor dem Zweiten Weltkrieg baute die Deutsche Reichsbahn ausgemusterte Schlepptender und einige bayerische Elektrolokomotiven zu Klima-Schneepflügen um.
Benannt sind sie nach ihrem Erfinder, dem Österreicher Rudolf Klima.
Zwei solcher Pflüge sind heute im Deutschen Dampflokomotiv-Museum zu sehen, eine umgebaute Elektrolok gehört dem Bayerischen Eisenbahnmuseum.
Vom Einrichtungs- zum Zweirichtungsfahrzeug
Früher konnten Schneepflüge nur in eine Richtung räumen.
Um sie in der anderen Richtung einzusetzen, brauchte man eine Drehscheibe oder eine andere Möglichkeit zum Wenden.
Moderne Geräte sind dagegen Zweirichtungsfahrzeuge, deren Räumeinrichtung sich drehen lässt.
Das ist heute wichtig, weil es im Bahnbetrieb kaum noch Drehscheiben gibt.
Die Rhätische Bahn setzt vor regulären Zügen sogar Spurpflüge mit ferngesteuert absenkbaren Räumschilden ein, damit sie auch über Weichen fahren können.
Die Schneeschleuder
Wenn der Schnee zu hoch liegt, stößt ein Pflug an seine Grenzen.
Dann kommt die Schneeschleuder zum Einsatz, bei der ein Schleuderrad an einem längs zur Fahrtrichtung rotierenden Zylinder den Schnee zur Seite wirft.
Schienengebundene Prototypen entstanden bereits 1884 in Nordamerika und 1885 in Niederschlesien.
Die ersten Schneeschleudern bei der Eisenbahn wurden um 1890 nach dem Patent Leslie in den Vereinigten Staaten gebaut.
Sie arbeiteten mit etwa zehn schräg gestellten, auswechselbaren Schaufeln an einer rotierenden Trommel.
Dampf gegen Schneemassen
Bei einer Dampfschneeschleuder treibt Dampf das Rad an, einen eigenen Fahrantrieb hat sie meist nicht.
Sie wird deshalb von einer Lokomotive geschoben.
Eingesetzt wurden solche Maschinen etwa auf der norwegischen Bergenbahn, der Gotthardbahn, der Berninabahn und im Erzgebirge.
In Deutschland baute Henschel 1943 die letzten Dampfschneeschleudern, und eine Henschel-Schleuder aus dem Jahr 1942 steht heute im Eisenbahnmuseum Neustadt an der Weinstraße.
Die Rhätische Bahn hält ihre Dampfschneeschleuder Xrot d 9213 von der Berninabahn bis heute einsatzfähig.
Ein Veteran vom Gotthard
Eine besondere Geschichte hat die Schneeschleuder Xrot 100 der Gotthardbahn aus dem Jahr 1896.
Sie war lange im Verkehrshaus in Luzern ausgestellt.
Im Jahr 1975 wurde sie noch einmal für einen Räumeinsatz reaktiviert, weil die moderneren Schneeschleudern wegen Lawinenabgängen nicht vor Ort waren.
Im Jahr 2020 kam sie in den Bahnpark Brugg, wo sie wieder betriebsfähig aufgearbeitet wird.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Die Deutsche Bahn besitzt eigene Schneepflüge der Bauarten Meiningen und Beilhack.
Gewartet werden alle Räumfahrzeuge zentral im Werk Meiningen.
In schneereichen Ländern kommen zusätzlich schienengebundene Schneefräsen und Schneeschleudern zum Einsatz.
Die Idee ist so alt wie die Eisenbahn, denn schon im Winter 1846/47 räumten Pflüge die Badische Hauptbahn.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
