Stimmt es, dass …?
„Der Zug hält sein Tempo heute fast von allein, die Verantwortung trägt trotzdem der Mensch vorne im Führerstand.“
Stimmt es, dass Züge einen Tempomat haben?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt im Prinzip. Viele moderne Züge haben eine Automatische Fahr- und Bremssteuerung, kurz AFB, die eine vorgewählte Geschwindigkeit hält und dafür sogar selbst bremst, während der Triebfahrzeugführer die Verantwortung behält.
Im Auto hält ein Tempomat auf Knopfdruck die gewünschte Geschwindigkeit.
Da liegt die Frage nahe, ob auch ein Zug über so eine Automatik verfügt oder ob jede Fahrt von Hand geregelt wird.
Die Antwort ist spannender, als der Name vermuten lässt.

Die Fakten in Zahlen
AFB
Abkürzung
Automatische Fahr- und Bremssteuerung
1965
E 03
erste deutsche Loks mit automatischer Geschwindigkeitsregelung
160 km/h
Grenze
darüber ist eine kontinuierliche Zugbeeinflussung nötig
Im Englischen heißen solche Systeme Speed Set.
Der Tempomat heißt bei der Bahn AFB
Bei der Eisenbahn heißt das Gegenstück zum Tempomat Automatische Fahr- und Bremssteuerung, abgekürzt AFB.
Sie kommt in Triebfahrzeugen zum Einsatz und unterstützt den Triebfahrzeugführer bei seiner Arbeit.
Die AFB beschleunigt oder bremst den Zug auf eine vorgewählte Geschwindigkeit und hält diese dann.
Im Englischen werden solche Systeme als Speed Set bezeichnet.
Das Wort Tempomat ist übrigens eigentlich ein Markenname der Daimler AG für die Geschwindigkeitsregelanlage im Auto.

So funktioniert die AFB
Der Triebfahrzeugführer gibt die gewünschte Geschwindigkeit mit einem eigenen Stellhebel vor, dem sogenannten Vsoll-Steller.
Die AFB stellt dann die nötigen Zug- und Bremskräfte selbstständig ein.
Wie kräftig der Zug dabei beschleunigt, lässt sich über den Zugkraftsteller beeinflussen.
Bremsungen erfolgen dagegen immer mit festen Verzögerungswerten.
Der Zug hält so das eingestellte Tempo, ohne dass der Mensch jede Änderung selbst ausgleichen muss.
Gut zu wissen
Damit ein Zug mit ortsfesten Signalen innerhalb von 1000 Metern bis zum Stillstand bremsen kann, ist die Höchstgeschwindigkeit selbst mit guter Bremsausrüstung auf 160 km/h begrenzt. Darüber braucht es eine kontinuierliche Anzeige im Führerstand.
Die Geschwindigkeitsregelanlage im Auto ist unter mehreren Namen bekannt. Tempomat ist ein Markenname der Daimler AG, Porsche nannte seine Variante Tempostat.
Mehr als ein Tempomat
Im Auto regelt die Geschwindigkeitsregelanlage die Drehzahl des Motors, damit das Fahrzeug die vorgegebene Geschwindigkeit möglichst einhält.
Die AFB im Zug geht einen Schritt weiter, denn sie bremst bei Bedarf auch selbst.
Dafür nutzt sie die Bremse des Triebfahrzeugs ebenso wie die durchgehende Zugbremse.
Bei der Rhätischen Bahn gibt es sogar Steuerungen, bei denen nur die Geschwindigkeit vorgegeben und die Kraft vollautomatisch geregelt wird.
Der Mensch hat das letzte Wort
Der Triebfahrzeugführer behält auch mit AFB immer die Kontrolle über den Zug.
Er kann jederzeit eingreifen, indem er die Zugkraft abschaltet oder mit dem Führerbremsventil selbst bremst.
Die AFB wird dann vorübergehend unwirksam und lässt sich auch vollständig abschalten.
Wie bei der Fahrt von Hand trägt der Mensch im Führerstand in jedem Fall die volle Verantwortung für die sichere Zugfahrt.
Die Baureihe 103 als Vorreiter
Die ersten Lokomotiven in Deutschland mit einer automatischen Geschwindigkeitsregelung waren die Maschinen der Baureihe 103.
Im Februar 1965 übergab Henschel in Kassel in einer Feierstunde eine der ersten Vorserienloks der damaligen E 03 an die Bundesbahn.
Ab 1965 setzte die Bundesbahn vier dieser Vorserienloks als Schnellfahrlokomotiven ein.
Seit 1968 hießen sie nach dem neuen Nummernschema 103 001 bis 004.
Später zogen Loks dieser Baureihe schwere Intercity-Züge mit bis zu 200 km/h.
Wo die AFB heute steckt
Die AFB findet sich vor allem in modernen Fahrzeugen.
Beispiele sind der Intercity-Express und die Lokomotiven der Baureihe 101.
Auch einige U-Bahn-Systeme nutzen eine AFB.
Für fahrerlose Bahnsysteme ist sie sogar eine Grundvoraussetzung.
Im Zusammenspiel mit der LZB
Bei hohen Geschwindigkeiten reicht der Blick auf Signale am Gleis nicht mehr aus.
Fahrten mit mehr als 160 km/h werden in Deutschland deshalb mit einer kontinuierlichen Zugbeeinflussung geführt, etwa mit der Linienzugbeeinflussung.
Im Zusammenspiel mit der LZB kann die AFB die Geschwindigkeit so regeln, dass der Zug die zulässige Höchstgeschwindigkeit nie überschreitet.
Nach einer Bremsung kann das System selbstständig wieder beschleunigen.
Fahrplanmäßige Halte erkennt es allerdings nicht, wenn diese nicht signalisiert sind.
Warum nicht immer Vollgas
Mit AFB und LZB fährt ein Zug stets an oder nahe der zulässigen Geschwindigkeit.
Damit ist er mitunter schneller unterwegs, als es für den Fahrplan nötig wäre.
Voll aufgedreht führt das auf vielen Strecken zu unnötig starken Beschleunigungen und Bremsungen ohne vorausschauendes Fahren.
Triebfahrzeugführer geben Zugkraft und Wunschgeschwindigkeit deshalb in der Regel nur dann ganz frei, wenn es sinnvoll ist, und sparen so Energie.
Noch weiter geht die automatische Zugsteuerung ATO, die Züge auf möglichst günstigen und energiesparenden Fahrkurven führen kann.
Das Fazit
Der Mythos stimmt im Prinzip.
Viele moderne Züge besitzen mit der Automatischen Fahr- und Bremssteuerung eine Art Tempomat.
Anders als im Auto regelt sie nicht nur den Antrieb, sondern bremst bei Bedarf auch selbst.
In Deutschland waren die Loks der Baureihe 103 aus den 1960er Jahren die ersten mit einer solchen Geschwindigkeitsregelung.
Die Verantwortung für die Fahrt bleibt aber immer beim Menschen im Führerstand.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
