Zahlen, bitte!
„Nächster Halt Wassen, bitte gut festhalten, die Strecke dreht sich hier zweimal im Berg.“
Wie viele Kehrtunnel hat die Gotthard-Bergstrecke?
→ Eine Strecke in Zahlen.
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Kurz gesagt
Auf der Gotthard-Bergstrecke zwischen Erstfeld und Biasca liegen sieben Kehrtunnel. Drei davon helfen den Zügen auf der Nordrampe, vier auf der Südrampe den Berg hinauf und hinunter.
Seit 1882 fahren Züge über die Gotthardbahn von der Zentralschweiz ins Tessin.
Um die steilen Talstufen zu überwinden, drehen sich die Gleise mehrfach im Kreis, teils im Berg und teils unter freiem Himmel.
Wie viele Kehrtunnel es gibt und wo sie liegen, zeigen die Zahlen.

Die wichtigsten Zahlen
7
Kehrtunnel
3 im Norden, 4 im Süden
15.003 m
Gotthard-Scheiteltunnel
1882 längster Tunnel der Welt
28 ‰
größte Steigung
auf der Nordrampe ab Erstfeld
Die ganze Gotthardbahn von Immensee nach Chiasso ist 206 Kilometer lang.
Sieben Tunnel, die im Kreis führen
Auf der Bergstrecke zwischen Erstfeld und Biasca liegen sieben Kehrtunnel.
Auf der Nordrampe sind es der Pfaffensprung-, der Wattinger- und der Leggisteintunnel.
Auf der Südrampe folgen der Freggio- und der Prato-Kehrtunnel sowie der Pianotondo- und der Travi-Kehrtunnel.
In einem Kehrtunnel beschreibt das Gleis im Berg eine Schleife und kommt weiter oben oder unten wieder ans Licht.

Warum die Bahn im Kreis fährt
Die frühen Dampflokomotiven konnten nur begrenzte Steigungen bewältigen.
Deshalb verlängerten die Erbauer die Rampen künstlich mit Schleifen und Kehrtunneln.
So blieb die Steigung auf einem Maß, das die Züge schaffen konnten.
Auf der Nordrampe steigt die Strecke nach Erstfeld mit bis zu 28 Promille an.
Gut zu wissen
Die Doppelschleife bei Wassen stammt noch aus den ersten Planungen der Strecke. Die übrige Linienführung der Bergstrecke entwickelte der Ingenieur Wilhelm Konrad Hellwag mit seinem Team, und sie blieb bis zum Bau des Basistunnels unverändert.
In Piotta ist von der Bahn aus die 87,8 Prozent steile Standseilbahn Ritom zu sehen. Sie führt hinauf zum Ritom-Stausee, der den SBB gehört.
Der Pfaffensprung-Kehrtunnel
Oberhalb des Bahnhofs Gurtnellen, der auf 738 Metern liegt, folgt der erste Kehrtunnel der Nordrampe.
Der Pfaffensprung-Kehrtunnel ist 1476 Meter lang und liegt im Bergmassiv des Schijenstocks.
Mit ihm überwanden die Erbauer die steile Talstufe beim Pfaffensprung.
Schon vorher überquert die Bahn bei Amsteg die Intschireussbrücke, die mit 77 Metern die höchste Brücke der SBB ist.
Die Doppelschleife von Wassen
Berühmt ist die Doppelschleife bei Wassen mit dem Wattinger- und dem Leggistein-Kehrtunnel.
Dabei überqueren die Gleise dreimal das Seitental der Meienreuss.
Als Orientierungspunkt dient die Dorfkirche von Wassen, die erste Brücke liegt noch unterhalb der Kirche.
Die oberste Brücke liegt etwa 200 Meter höher, und dazwischen liegt auf der mittleren Ebene der Bahnhof Wassen auf 928 Metern.
Das Kirchlein von Wassen
Weil die Züge in den Schleifen die Richtung wechseln, erscheint die Kirche von Wassen auf der Fahrt aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Die Fahrt durch die Schleifen wurde sogar zum Stoff für ein Kabarettstück.
Der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger verarbeitete sie in seiner Nummer über das Kirchlein von Wassen.
Das Stück heißt auf Schweizerdeutsch s Chileli vo Wasse.
15 Kilometer durch den Scheitel
Zwischen Göschenen und Airolo führt die Strecke durch den 15.003 Meter langen Gotthard-Scheiteltunnel.
Von Göschenen steigt das Gleis im Tunnel mit sechs Promille bis zum höchsten Punkt auf 1151 Metern an.
Danach fällt es mit zwei Promille bis Airolo ab.
Bei der Eröffnung im Jahr 1882 war er der längste Tunnel der Welt, erst 1906 übertraf ihn der Simplontunnel.
Zwei Kehrtunnel in der Piottino-Schlucht
Auf der Südseite verengt sich das Tal hinter Rodi-Fiesso, das auf 942 Metern liegt, zur Piottino-Schlucht.
Die Talstufe mit rund 150 Metern Höhenunterschied überwindet die Bahn zuerst im Freggio-Kehrtunnel auf der nördlichen Talseite.
Nach einer weiteren Brücke über den Ticino folgt auf der anderen Seite der Prato-Kehrtunnel im Monte Piottino.
Danach erreicht die Strecke den Bahnhof Faido, der 200 Meter tiefer liegt als Rodi-Fiesso.
Die Biaschina-Schlaufen
Nach Lavorgo auf 615 Metern Höhe folgen zwei weitere Kehrtunnel an einer Talstufe.
Der Pianotondo-Kehrtunnel liegt dabei nicht nur über, sondern auch direkt neben dem folgenden Travi-Kehrtunnel im Massiv des Pizzo Erra.
Diese Formation ist als Biaschina-Schlaufen bekannt.
Danach erreicht die Bahn Giornico auf nur noch 391 Metern und schließlich Biasca auf 293 Metern.
206 Kilometer seit 1882
Die Gotthardbahn ist insgesamt 206 Kilometer lang und führt von Immensee nach Chiasso.
Im Mai 1882 wurde sie in Luzern und Mailand feierlich eingeweiht, ab Juni 1882 fuhren die Züge nach Fahrplan, damals noch auf einem Gleis.
Die Zufahrten von Luzern nach Immensee und von Thalwil und Zug nach Arth-Goldau kamen erst 1897 hinzu.
Die Strecke war bis 2016 die kürzeste Verbindung zwischen den Bahnnetzen im Nordwesten Europas und Italien.
Elektrisch seit 1920
Im Oktober 1920 fuhren die ersten Züge elektrisch zwischen Erstfeld und Ambrì-Piotta.
Ab dem 12. Dezember 1920 reichte der elektrische Betrieb bis Biasca.
Zuerst wurden die Reisezüge rein elektrisch gezogen, danach auch die Güterzüge.
Für die schweren Güterzüge über den Berg beschafften die SBB damals die berühmten Krokodil-Lokomotiven.
Die Bergstrecke heute
Seit Dezember 2016 fährt der Durchgangsverkehr durch den rund 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel mit Steigungen unter sieben Promille.
Seit dem Fahrplanwechsel 2020 fährt die Schweizerische Südostbahn stündlich den InterRegio Treno Gottardo über die Bergstrecke, durchgebunden nach Locarno und nach Basel oder Zürich.
Im ersten Betriebsjahr des Basistunnels bis Dezember 2017 zählte man auf den Rampen noch rund 1000 Fahrgäste am Tag, durch den Scheiteltunnel fuhren 600, weniger als 20 pro Zug.
Im Jahr 2014 wurde die Bergstrecke als Kandidatin für das UNESCO-Welterbe vorgeschlagen.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
