Zahlen, bitte!
„In dieser Kurve liegt die äußere Schiene höher, damit Ihr Kaffee nicht über den Tisch rutscht.“
Wie stark sind Gleise in Kurven überhöht?
→ Ein Gleis in Zahlen.
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Kurz gesagt
In Deutschland darf die äußere Schiene in Kurven um höchstens 180 Millimeter höher liegen als die innere. In der Praxis sind es auf Schotter maximal 160 und auf fester Fahrbahn 170 Millimeter.
Wer im Zug durch eine Kurve fährt, spürt meist kaum etwas.
Das liegt an einem Trick, den man von außen nur selten bemerkt.
Die äußere Schiene liegt in Kurven höher als die innere, und dafür gibt es genaue Zahlen.

Die wichtigsten Zahlen
180 mm
gesetzliches Maximum
nach der EBO
160 mm
auf Schotter
übliche Obergrenze
20 mm
Mindestwert
wenn überhaupt überhöht
An Bahnsteigen sind höchstens 110 Millimeter üblich, in Weichen 120 Millimeter.
Was Überhöhung bedeutet
Bei der Eisenbahn gibt die Überhöhung an, wie viel höher die äußere Schiene in einer Kurve liegt als die innere.
Man misst sie in Millimetern.
Das Gleis ist dadurch leicht zur Kurveninnenseite geneigt, ähnlich wie eine Radrennbahn.
So wird ein Teil der Fliehkraft ausgeglichen, die den Zug nach außen drückt.

Höchstens 180 Millimeter
In Deutschland begrenzt die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung die Überhöhung auf maximal 180 Millimeter.
Das gilt für Eisenbahnen mit Normalspur.
Mehr ist nicht erlaubt, weil ein Zug sonst im Stillstand nach innen kippen könnte.
Ein Nothalt muss an jeder Stelle der Strecke sicher möglich sein.
Gut zu wissen
Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung erlaubt in Deutschland eine Überhöhung von höchstens 180 Millimetern. In der Praxis gelten auf Schotter 160 und auf fester Fahrbahn 170 Millimeter als Obergrenze.
Der Regelwert ergibt sich aus 6,5 mal Geschwindigkeit zum Quadrat, geteilt durch den Radius. An Bahnsteigen sind höchstens 110 Millimeter üblich, in Weichen 120 Millimeter.
In der Praxis etwas weniger
Wegen Toleranzen beim Bau und bei der Instandhaltung bleiben die Bahnen unter diesem Wert.
Bei deutschen Infrastrukturbetreibern sind auf Schotteroberbau maximal 160 Millimeter zulässig.
Auf einer festen Fahrbahn aus Beton sind es 170 Millimeter.
Die feste Fahrbahn hält ihre Lage besser und erlaubt deshalb etwas mehr.
Mindestens 20 Millimeter
Wenn ein Gleis überhöht wird, sollen es mindestens 20 Millimeter sein.
Die Werte werden auf ein Vielfaches von fünf gerundet.
Kleinere Überhöhungen hätten kaum eine Wirkung.
Deshalb gibt es entweder gar keine oder eine deutliche Überhöhung.
Die Formel hinter der Kurve
Wie groß die Überhöhung sein soll, hängt von der Geschwindigkeit und vom Kurvenradius ab.
Der sogenannte Regelwert beträgt 6,5 mal die Geschwindigkeit zum Quadrat, geteilt durch den Radius.
Die Geschwindigkeit wird dabei in km/h und der Radius in Metern eingesetzt.
Das Ergebnis ist die Überhöhung in Millimetern.
Die ausgleichende Überhöhung
Es gibt auch einen Wert, bei dem die Fliehkraft für die Fahrgäste genau ausgeglichen wäre.
Man nennt ihn die ausgleichende Überhöhung.
Sie berechnet sich mit dem Faktor 11,8 statt 6,5.
In der Praxis bleibt man meist darunter, weil nicht alle Züge gleich schnell fahren.
Schnelle und langsame Züge
Auf vielen Strecken fahren schnelle Personenzüge und langsame Güterzüge durch dieselbe Kurve.
Für die schnellen Züge wäre eine hohe Überhöhung ideal.
Die langsamen Güterzüge würden dann aber stark auf die innere Schiene drücken.
Deshalb wählen die Planer einen Kompromiss zwischen beiden.
Der Überhöhungsfehlbetrag
Fährt ein Zug schneller, als es zur Überhöhung passt, fehlt ein Teil des Ausgleichs.
Diesen Rest nennt man Überhöhungsfehlbetrag.
Er ist nur bis zu bestimmten Grenzen erlaubt.
Sonst würden Fahrgäste zu stark zur Seite gedrückt und die Schienen zu stark belastet.
Bahnsteige und Weichen
An Bahnsteigen ist die Überhöhung auf 110 Millimeter begrenzt.
Sonst würden die Wagen zu schräg am Bahnsteig stehen.
Das erschwert das Ein- und Aussteigen.
In Weichen sind 120 Millimeter zulässig.
Neigetechnik als Ergänzung
Neigetechnikzüge neigen ihre Wagenkästen zusätzlich in die Kurve.
So können sie schneller fahren, ohne dass die Fahrgäste mehr Fliehkraft spüren.
Das Gleis selbst bleibt dabei gleich überhöht.
Neigetechnik ergänzt also die Überhöhung, sie ersetzt sie nicht.
Was man davon merkt
Wer an einer Strecke steht, sieht die Überhöhung in Kurven oft deutlich.
Ein stehender Zug in einer stark überhöhten Kurve wirkt leicht schief.
Im fahrenden Zug merkt man dagegen kaum etwas.
Genau das ist der Zweck der wenigen Zentimeter.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
