Zahlen, bitte!
„Einsteigen bitte, der Dampfwagen nach Deutsch-Wagram fährt ab, Fahrstrecke 13 Kilometer.“
Wie lang war die erste Dampfeisenbahn Österreichs?
→ Eine Strecke in Zahlen.
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Kurz gesagt
Die erste Dampfeisenbahn Österreichs war 13 Kilometer lang und führte von Floridsdorf nach Deutsch-Wagram. Sie war der Anfang der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, die einmal rund 600 Kilometer lang werden sollte.
Am 23. November 1837 rollte zum ersten Mal ein Zug mit Dampflok und geladenen Gästen durch Österreich.
Die kurze Strecke nördlich von Wien war der Beginn der Kaiser Ferdinands-Nordbahn.
Wie lang sie war und wie groß die Pläne dahinter waren, zeigen die Zahlen.

Die wichtigsten Zahlen
13 km
erste Strecke
Floridsdorf–Deutsch-Wagram
rund 600 km
geplante Länge
von Wien bis Bochnia
218
zahlende Fahrgäste
im ersten Planzug 1838
Der 23. November 1837 gilt als Eröffnungsdatum der ersten Dampfeisenbahn in Österreich.
13 Kilometer zum Anfang
Die erste Dampfeisenbahn Österreichs fuhr auf einer 13 Kilometer langen Strecke zwischen Floridsdorf und Deutsch-Wagram.
Am 13. und 14. November 1837 gab es dort erste Versuchsfahrten.
Am 19. und 23. November folgten Probefahrten, und am letzten Tag durften auch geladene Gäste mitfahren.
Deshalb gilt der 23. November 1837 als Eröffnungsdatum der ersten Dampfeisenbahn in Österreich.

Geplant waren 600 Kilometer
Die kurze Strecke war nur der erste Teil eines viel größeren Plans.
Am 4. März 1836 erhielt der Bankier Salomon von Rothschild das Privileg für eine Dampfeisenbahn von Wien bis Bochnia in Galizien.
Mit ungefähr 600 Kilometern Länge wäre sie eine der längsten Lokomotivbahnen außerhalb Großbritanniens gewesen.
Auch Zweigbahnen nach Brünn, Olmütz und Troppau gehörten zu dem Privileg.
Gut zu wissen
Die Strecke nach Deutsch-Wagram führt schnurgerade durch das Marchfeld nordöstlich von Wien. Heute ist die Nordbahn Teil des europäischen Verkehrskorridors von der Ostsee zur Adria.
Nach dem Ersten Weltkrieg lebte die Gesellschaft in der Tschechoslowakei als Ferdinands-Nordbahn weiter. Ihre Bergbausparte wurde erst 1945 verstaatlicht.
Die Idee eines Geologen
Die Idee stammte von dem Wiener Geologen und Bergbauexperten Franz Xaver Riepl, der 1830 eine Bahn zu den Kohle- und Eisenvorkommen in Nordmähren plante.
Sie sollte bis zu den Salzminen von Wieliczka südlich von Krakau führen.
Riepl gewann Salomon von Rothschild als Geldgeber, der bereits Interessen an den Witkowitzer Eisenwerken hatte.
Um Erfahrungen im Eisenbahnbau zu sammeln, wurde Riepl zuvor eigens nach England geschickt.
Ein Nein vom Kaiser
Ein erster Antrag an Kaiser Franz I. wurde abgelehnt.
Kronprinz Ferdinand soll dazu bemerkt haben, nicht einmal der Wagen nach Kagran sei immer voll.
Nach dem Tod des Kaisers genehmigte der neue Kaiser Ferdinand I. einen zweiten Antrag, unterstützt von Fürst Metternich und Graf Kolowrat.
Rothschild schlug daraufhin den Namen Kaiser Ferdinands-Nordbahn vor.
27.490 Zeichner für 4000 Aktien
Für den Bau wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, deren erste Tranche 12.000 Aktien umfasste.
Rothschild behielt davon 8000 Stück, für die restlichen 4000 Aktien gab es 27.490 Zeichner.
Der Kurs stieg deshalb sofort über den Ausgabepreis von 1000 Gulden pro Aktie.
Im Oktober 1836 setzte Rothschild den Baubeginn mit 76 von 83 Stimmen gegen seine Konkurrenten durch.
10.000 Arbeiter und sechs Loks aus England
Im Jahr 1837 begann der Bau des 13 Kilometer langen Teilstücks mit etwa 10.000 Arbeitern unter der Aufsicht englischer Fachleute.
Im März 1837 trafen die ersten sechs Lokomotiven aus den Fabriken von George Stephenson in Newcastle und von Tayleur & Co. in Warrington ein.
Sie kamen zerlegt per Schiff nach Triest und von dort mit Fuhrwerken über den Semmering nach Wien.
Englische Fachleute schulten das österreichische Personal auf einer Probestrecke im Wiener Prater.
218 Fahrgäste im ersten Planzug
Am 6. Januar 1838 um 9.30 Uhr verließ der erste fahrplanmäßige Personenzug den Wiener Nordbahnhof.
Gezogen wurde er von der Lokomotive Moravia, an Bord waren 218 zahlende Fahrgäste.
Carl Grundmann wurde 1838 der erste österreichische Lokführer der Nordbahn.
Er gilt damit als erster deutschsprachiger Lokführer der Habsburgermonarchie überhaupt.
Schritt für Schritt nach Norden
Am 7. Juli 1839 ging der Abschnitt über Lundenburg bis Brünn in Betrieb.
Im Oktober 1841 folgte die Strecke bis Olmütz und am 15. August 1842 der Abschnitt bis Leipnik.
Am 1. Mai 1847 erreichte die Hauptstrecke schließlich Oderberg, das heutige Bohumín.
Den Bau der Strecke nach Brünn leitete Carl Ghega, der später mit der Semmeringbahn berühmt wurde.
Ein Umweg über Preußen
Die erste Bahnverbindung von Wien nach Krakau führte über mehr als 100 Kilometer Strecke auf preußischem Gebiet.
Eine Verbindung ganz auf habsburgischem Boden entstand erst am 1. März 1856.
Zwei Jahre später übernahm die Kaiser Ferdinands-Nordbahn die Strecke bis Krakau.
Bis nach Bochnia mit seinem Salzbergwerk baute die Gesellschaft ihre Strecke dagegen nie.
Ein gutes Geschäft
Bis zur Eröffnung der Strecke nach Brünn hatte Salomon Rothschild über acht Millionen Gulden in die Bahn gesteckt.
Schon 1841 machte die Gesellschaft Gewinne.
Der Kurs der Aktie stieg 1843 erstmals über 100, lag 1844 bei 129 und 1845 sogar bei 228.
Am 1. Juni 1888 übernahm die Nordbahn zusätzlich die Kremsierer Eisenbahn.
Verstaatlicht im Jahr 1906
Am 1. Januar 1906 gingen die Strecken der Gesellschaft in Staatseigentum über, ab 1907 betrieben die k.k. Staatsbahnen sie.
Die Bergbausparte mit Kohlegruben und Montanbahnen blieb noch bis 1945 ein eigenes Unternehmen.
Die Nordbahn ist heute eine zweigleisige, elektrische Hauptbahn, die vom Bahnhof Wien Praterstern Richtung Tschechien führt.
Vom alten Wiener Nordbahnhof ist unter anderem der historische Wasserturm erhalten, der unter Denkmalschutz steht.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
