Stimmt es, dass …?
„Die Deutsche Reichsbahn wünscht eine gute Reise, auch wenn es das Deutsche Reich schon lange nicht mehr gibt.“
Stimmt es, dass die Bahn der DDR Deutsche Reichsbahn hieß?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Die Staatsbahn der DDR fuhr bis Ende 1993 unter dem Namen Deutsche Reichsbahn, vor allem weil ihr die Alliierten den Eisenbahnbetrieb in ganz Berlin unter diesem Namen übertragen hatten.
Das Wort Reichsbahn klingt nach Weimarer Republik und nach der Zeit vor 1945.
Umso überraschender ist es für viele, dass die Züge in der DDR noch jahrzehntelang unter diesem Namen fuhren.
Dieser Mythos-Check erklärt, warum die DDR an einem Namen aus der Vergangenheit festhielt.

Die Fakten in Zahlen
1993
Ende
der Deutschen Reichsbahn am 31. Dezember
224.000
Beschäftigte
zählte die Reichsbahn im Jahr 1990
14.164 km
Streckennetz
der Reichsbahn im Jahr 1979
Am 1. Januar 1994 wurden die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn zur Deutschen Bahn AG vereinigt.
Ein Name aus der Weimarer Zeit
Die Deutsche Reichsbahn war ursprünglich das staatliche Eisenbahnunternehmen des Deutschen Reiches.
Zum 1. April 1920 gingen die früheren Länderbahnen in den Besitz des Reiches über, zunächst unter dem Namen Deutsche Reichseisenbahnen.
Ab 1921 firmierten sie als Deutsche Reichsbahn.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß die Eisenbahn in der amerikanischen, britischen und sowjetischen Besatzungszone zunächst weiterhin so.
In der französischen Zone wurden die Bahnen dagegen zur Betriebsvereinigung der Südwestdeutschen Eisenbahnen zusammengefasst.

Zwei Staaten, zwei Bahnen
Im Jahr 1949 entstanden die Bundesrepublik am 23. Mai und die DDR am 7. Oktober.
Im Westen ging aus den westdeutschen Teilen der Reichsbahn die Deutsche Bundesbahn hervor.
Im Osten behielt die Staatsbahn dagegen ihren alten Namen Deutsche Reichsbahn, abgekürzt DR.
So fuhren über Jahrzehnte zwei deutsche Staatsbahnen mit ganz unterschiedlichen Namen nebeneinander her.
Zeitweise war die Reichsbahn sogar der größte Arbeitgeber der DDR.
Gut zu wissen
Um West-Berlin im Eisenbahnverkehr umfahren zu können, baute die Reichsbahn von 1951 bis 1956 den Berliner Außenring. Dabei wurden auch vorhandene Strecken wie der Güteraußenring einbezogen.
Wegen der unterschiedlichen Rechtsauffassungen kam es bis zur Wiedervereinigung 1990 immer wieder zu Streit zwischen östlichen, westlichen und alliierten Behörden. Nach Auffassung der DDR gehörten die Bahnflächen in West-Berlin zu ihrem Hoheitsgebiet, was die westliche Seite bestritt.
Der Schlüssel liegt in Berlin
Der wichtigste Grund für den alten Namen war formaljuristischer Natur.
Die Alliierten hatten der Sowjetischen Militäradministration das gesamte Eisenbahnwesen innerhalb der Grenzen der Stadt Berlin zugewiesen, und zwar ausdrücklich unbeschadet der Sektoreneinteilung.
Damit betrieb die sowjetisch kontrollierte Deutsche Reichsbahn die Eisenbahn nicht nur in ihrer Zone, sondern in der ganzen Viersektorenstadt Berlin.
Die Westalliierten hatten ihr diese Rechte aber ausdrücklich nur unter ihrem bisherigen Namen gewährt.
In der DDR fürchtete man deshalb, eine umbenannte Staatsbahn könnte die Betriebsrechte in West-Berlin verlieren.
Ein Streit um Liegenschaften
Die Sorge hatte einen konkreten Hintergrund.
Nach dem ersten Berliner S-Bahn-Streik im Sommer 1949 entzogen die Westalliierten der Reichsbahn die Kontrolle über ihre nicht unmittelbar zum Betrieb gehörenden Anlagen in West-Berlin.
Diese Liegenschaften kamen unter eine eigene Verwaltung des ehemaligen Reichsbahnvermögens, die dem West-Berliner Finanzsenator unterstand.
Die Betriebsrechte für den Eisenbahn- und S-Bahn-Verkehr in Berlin behielt die Reichsbahn dagegen, auch nach dem Mauerbau 1961.
Für die DDR war es zudem propagandistisch wichtig, die Bahnanlagen in West-Berlin weiter als eigenes Territorium darstellen zu können.
Frankreich war dagegen
Ganz ohne Widerspruch blieb der Name nicht.
Frankreich wehrte sich erfolglos gegen den Wortteil „Reichs“, weil Bezeichnungen, die an das Reich erinnerten, aus dem Wortschatz verschwinden sollten.
Auch Vermögenswerte der Reichsbahn im Ausland spielten im Streit um den Namen eine Rolle.
Die DDR erhoffte sich Zugriff auf solches Reichsbahnvermögen, von dem die Bundesbahn einen großen Teil übernommen hatte.
In den späten 1950er Jahren wurde eine Diskussion über den Namen von offizieller Seite unterbunden.
Die offizielle Begründung
Wenn Eisenbahner oder Bürger in der DDR nach dem Namen fragten, bekamen sie meist eine ganz praktische Antwort.
Als Grund wurden vor allem die hohen Kosten einer Umbenennung genannt.
Neue Schilder, neue Drucksachen und geänderte Verträge hätten viel Geld gekostet.
Auch an der Uniform blieb ein Detail erhalten, das die Reichsbahner von anderen DDR-Diensten unterschied.
An ihren Dienstmützen saßen weiterhin schwarz-rot-goldene Kokarden.
Eine Bahn im Wiederaufbau
Der Start nach dem Krieg war für die Reichsbahn im Osten besonders schwer.
Von 1945 bis 1947 ließ die Sowjetunion auf dem Gebiet der späteren DDR rund 5000 Kilometer Gleise abbauen und das Material abtransportieren.
Die Zeit der Reparationstransporte dauerte bis zum Jahreswechsel 1954/55.
Im Jahr 1979 war das Streckennetz 14.164 Kilometer lang, und nur 1621 Kilometer davon waren elektrifiziert.
Die Fahrpreise blieben dafür erstaunlich stabil, denn vier Jahrzehnte lang kostete die zweite Klasse 8 Pfennig pro Kilometer.
Nach der Wende noch vier Jahre
Mit der Wiedervereinigung verschwand der Name nicht sofort.
Die Deutsche Reichsbahn ging mit dem Einigungsvertrag als Sondervermögen in das Eigentum des Bundes über.
Sie bestand noch bis zum 31. Dezember 1993 weiter und hatte im Jahr 1990 rund 224.000 Beschäftigte.
Am 1. Januar 1994 wurde sie mit der Deutschen Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG vereinigt.
Damit endete die Geschichte des Namens Deutsche Reichsbahn nach mehr als sieben Jahrzehnten.
Zwei Reichsbahnen in einem Namen
Wer heute von der Deutschen Reichsbahn spricht, muss deshalb dazusagen, welche Zeit gemeint ist.
Die Reichsbahn bis 1945 war das staatliche Eisenbahnunternehmen des Deutschen Reiches.
Die Reichsbahn der Jahre 1945 bis 1993 war die Staatsbahn in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR.
Dazu kam ihre besondere Rolle in West-Berlin, wo sie mit Zustimmung der Westalliierten die Anlagen der Eisenbahn betrieb.
Den Betrieb der S-Bahn in West-Berlin gab sie erst im Januar 1984 ab, danach fuhr dort die BVG im Auftrag des Senats.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Die Staatsbahn der DDR hieß bis zu ihrem Ende Deutsche Reichsbahn.
Der Hauptgrund war, dass ihr die Alliierten den Eisenbahnbetrieb in ganz Berlin unter diesem Namen übertragen hatten.
Offiziell verwies man in der DDR dagegen vor allem auf die hohen Kosten einer Umbenennung.
So überlebte ein Name aus der Zeit vor 1945 bis zur Bahnreform im Jahr 1994.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
