Zahlen, bitte!
„Nächster Halt Finse auf 1222 Metern, der höchstgelegene Bahnhof Nordeuropas mitten auf der Hardangervidda.“
Wie lang ist die Bergenbahn in Norwegen?
→ Eine Strecke in Zahlen.
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Kurz gesagt
Die Bergenbahn verbindet Oslo mit Bergen und ist über Drammen heute rund 505 Kilometer lang. Die Fahrt dauert etwa sieben Stunden und führt über die Hochebene Hardangervidda.
Zwischen Norwegens Hauptstadt Oslo und der zweitgrößten Stadt Bergen liegt raues Hochgebirge.
Die Bergenbahn überquert es seit 1909 und gilt als eine der landschaftlich schönsten Bahnstrecken Nordeuropas.
Ihre Zahlen erzählen von Schnee, Tunneln und viel Handarbeit.

Die wichtigsten Zahlen
505 km
Oslo bis Bergen
über Drammen, über Roa rund 471 km
182
Tunnel
zusammen 73 Kilometer lang
1237 m
höchster Punkt
früher 1301 Meter
Die Fahrt von Oslo nach Bergen dauert im Personenverkehr etwa sieben Stunden.
Rund 505 Kilometer von Oslo nach Bergen
Die Bergenbahn verbindet Oslo mit Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens.
Führt der Weg über Drammen, ist die Strecke heute etwa 505 Kilometer lang.
Über Roa ist sie mit rund 471 Kilometern kürzer.
Die Personenzüge nehmen trotzdem die längere Route über Drammen, weil sie dort schneller fahren können.
Güterzüge fahren dagegen meist über Roa.
Als Bauprojekt war die Bahn zwischen Drammen und Bergen etwa 470 Kilometer lang, spätere Neutrassierungen haben den Weg verkürzt.

Sieben Stunden durchs Gebirge
Im Personenverkehr dauert die Fahrt von Oslo nach Bergen etwa sieben Stunden.
Auf der Strecke fahren Tagzüge und Nachtzüge.
Die Bahn ist größtenteils eingleisig.
Durchgehend hängt eine Oberleitung mit 15 Kilovolt und knapp 16,7 Hertz über den Gleisen.
Auf weiten Teilen tragen noch Masten aus Holz den Fahrdraht.
Betreiber der Infrastruktur ist die norwegische Gesellschaft Bane NOR.
Gut zu wissen
Die Bergenbahn ist von Oslo über Drammen bis Bergen rund 505 Kilometer lang, über Roa rund 471 Kilometer. Die Fahrt dauert etwa sieben Stunden.
Sie hat 182 Tunnel mit zusammen 73 Kilometern und etwa 300 Brücken. Ihr höchster Punkt liegt bei 1237 Metern, der Bahnhof Finse auf 1222 Metern.
100 Kilometer über der Baumgrenze
Die Bergenbahn überquert die Hardangervidda, die größte Hochebene Europas.
Auf etwa 100 Kilometern verläuft sie dabei oberhalb der Baumgrenze.
Sie zählt damit zu den höchstgelegenen Hauptbahnen Europas.
Neben den Gleisen führt der Rallarvegen entlang, der alte Versorgungsweg aus der Bauzeit.
Heute ist er eine beliebte Strecke für Radtouren.
Im Bahnhof Myrdal zweigt die bekannte Flåmsbana hinunter zum Aurlandsfjord ab.
Höchster Punkt auf 1237 Metern
Am ursprünglichen Scheitelpunkt erreichte die Strecke 1301 Meter über dem Meer.
Seit 1993 fahren die Züge dort durch den Finsetunnel und damit etwas tiefer.
Der höchste Punkt liegt seitdem bei 1237 Metern.
Der Bahnhof Finse liegt auf 1222,2 Metern und ist der höchstgelegene Bahnhof Nordeuropas.
Von Finse sind es mit der Bahn etwa 300 Kilometer bis Oslo und etwa 170 Kilometer bis Bergen.
Außer den Beschäftigten der Tourismusbetriebe wohnt in Finse niemand dauerhaft.
182 Tunnel mit 73 Kilometern
Damit die Bahn auch im Winter fahren kann, brauchte sie viele Tunnel und Schutzbauten.
Insgesamt entstanden 182 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 73 Kilometern.
Dazu kommen etwa 300 Brücken.
Der längste Tunnel ist der 1993 gebaute Finsetunnel mit rund 10,3 Kilometern.
Kurz vor Bergen führt der 7670 Meter lange Ulrikentunnel durch den Hausberg Ulriken.
Zusätzlich schützen Lawinenschutzbauten und Einhausungen die Gleise vor Schnee.
Gebaut mit Muskelkraft
Die Trasse durch das Hochland war nur mit großem Aufwand zu bauen.
Tunnel und Einschnitte mussten durch massives Gneisgestein gegraben und gesprengt werden.
Für den Tunnel bei Gravhals brauchten die Arbeiter sechs Jahre, meist in Handarbeit.
An die Bahnarbeiter erinnert heute in Finse das Rallarmuseum.
Leser der Fachzeitschrift Teknisk Ukeblad wählten den Bau zum fünftgrößten technischen Meisterwerk Norwegens im 20. Jahrhundert.
Schon zur Eröffnung galt die Bahn als Glanzstück der Ingenieure.
Eröffnet im Jahr 1909
Erste Vorschläge für eine Bahn von Oslo nach Bergen kamen um 1870 auf.
Schon seit 1883 fuhr zwischen Bergen und Voss eine Schmalspurbahn, die Vossebane.
Erst 1894 fällte das norwegische Parlament eine Entscheidung über den Bau.
Am 11. August 1904 war die Vossebane auf Normalspur umgebaut und damit der erste Abschnitt der Bergenbahn.
Die gesamte Strecke wurde am 27. November 1909 für den Personenverkehr freigegeben.
König Haakon nannte sie bei der Eröffnung das ingenieurtechnische Meisterwerk Norwegens seiner Generation.
Kürzer durch neue Tunnel
Seit der Eröffnung wurde die Strecke mehrfach neu trassiert.
Kurvenreiche Abschnitte wurden begradigt und lawinengefährdete Stellen umgangen.
Zwischen Arna und Bergen entstand ab 1956 ein neuer, 11,89 Kilometer langer Abschnitt.
Er verkürzte die Strecke dort von 32,64 Kilometern auf etwa ein Drittel.
Eröffnet wurde dieser Abschnitt am 1. August 1964.
Ein Teil der alten Strecke dient heute als Museumsbahn Gamle Vossebane.
Von Dampf zu Strom
Bis 1957 zogen Dampflokomotiven die Züge über das Gebirge.
Danach kamen für einige Jahre Diesellokomotiven zum Einsatz.
Die Elektrifizierung der Strecke war im Jahr 1964 abgeschlossen.
Als nächster Schritt soll die Bahn das europäische Signalsystem ERTMS bekommen.
Ursprünglich war das für 2023 geplant, nach Verzögerungen wurde 2025 angestrebt.
Ganz Norwegen soll bis 2032 auf das neue System umgerüstet sein.
Schnee, Feuer und Unfälle
Die Lage im Hochgebirge macht den Betrieb anspruchsvoll.
Am 28. Februar 1944 stießen bei Breifoss ein Nachtzug und ein Güterzug frontal zusammen, weil die Bremsen des Güterzugs im Gefälle versagten.
Dabei starben 25 Norweger und eine unbekannte Zahl deutscher Soldaten.
Im Jahr 2011 brannte im Bahnhof Hallingskeid eine Schneeschutz-Galerie, in der ein Personenzug liegengeblieben war.
Alle 257 Reisenden konnten unverletzt in Sicherheit gebracht werden.
Bis zur Eröffnung des Finsetunnels im Jahr 1993 gab es in Finse sogar eine eigene Station für die Schneeräumung.
Kulisse für Film und Roman
Die Landschaft an der Bergenbahn zieht auch Filmteams an.
Im März 1979 wurden in Finse Teile von Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück gedreht.
Auch der Kriminalroman Der Norwegische Gast von Anne Holt spielt in Finse.
Neben dem Bahnhof stehen ein Hotel und eine der größten Hütten des norwegischen Wandervereins DNT.
Ganz in der Nähe liegt der Gletscher Hardangerjøkulen.
So ist die Strecke nicht nur eine Verkehrsverbindung, sondern auch ein Stück norwegischer Kultur.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
