Stimmt es, dass …?
„Elektrischer Triebwagen von Rimini nach San Marino Città, Fahrzeit rund 50 Minuten, bitte in den Kehrtunneln nicht wundern.“
Stimmt es, dass San Marino einmal eine Eisenbahn hatte?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Von 1932 bis 1944 fuhr eine elektrische Schmalspurbahn von Rimini hinauf in die Stadt San Marino, nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg wurde sie stillgelegt, doch seit 2012 fährt auf einem kurzen Stück wieder eine Museumsbahn.
Heute führt keine reguläre Bahnlinie mehr hinauf nach San Marino.
Einen Bahnhof sucht man in dem kleinen Staat auf den ersten Blick vergeblich.
Ob es in San Marino trotzdem einmal eine Eisenbahn gab, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
12.6.1932
Eröffnung
der Strecke von Rimini nach San Marino
31,5 km
Länge
mit 17 Tunneln und 639 Metern Höhenunterschied
26.6.1944
Bombardement
danach wurde der Betrieb nie wieder aufgenommen
Seit dem 21. Juli 2012 fährt auf einem rund 800 Meter langen Abschnitt wieder eine Museumsbahn.
Eine Bahn über die Grenze
Die Strecke von Rimini nach San Marino war eine grenzüberschreitende, elektrisch betriebene Schmalspurbahn.
Sie verband die Stadt Rimini an der italienischen Adriaküste mit der Stadt San Marino in der gleichnamigen Republik.
Nach vier Jahren Bauzeit wurde sie 1932 eingeweiht.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie zerstört.
Seit 2012 ist ein kurzer Abschnitt in San Marino als Touristenattraktion wieder in Betrieb.

Vom Plan zum Bau
Schon seit 1901 gab es Pläne, San Marino an die Bahnstrecke von Bologna nach Ancona anzuschließen.
Den Anstoß zum Bau gab aber erst ein Staatsbesuch des italienischen Diktators Benito Mussolini in San Marino.
Am 3. Dezember 1928 begannen die Bauarbeiten mit mehr als 3000 italienischen Arbeitern.
Am 12. Juni 1932 nahm die Bahn ihren Betrieb auf.
Den Betrieb führte eine italienische Bahngesellschaft, die Società Veneto-Emiliana di Ferrovie e Tranvie.
Gut zu wissen
Neben dem einzigen beschrankten Bahnübergang an der Via Flaminia gab es 90 weitere Übergänge. Sie waren unbeschrankt oder mit einem verschlossenen Tor gesichert, dessen Schlüssel nur der jeweilige Grundstückseigentümer hatte.
Ein restaurierter Personenbeiwagen der ersten und dritten Klasse steht heute als Denkmal auf dem Viadukt Fontevecchia bei Valdragone. Geprüft wird, ob die Museumsbahn um drei Kilometer bis Borgo Maggiore verlängert werden kann.
Mit dem Triebwagen auf den Berg
Täglich fuhren fünf bis sechs Zugpaare zwischen Rimini und San Marino.
Die Fahrt dauerte etwa 50 Minuten.
Eingesetzt wurden vier vierachsige Triebwagen mit den Nummern AB 01 bis AB 04 und fünf passende Beiwagen.
Für die Capitani Reggenti von San Marino gab es sogar einen eigenen Salonwagen.
Dazu kamen 18 Güterwagen.
Tunnel, Kehren und Viadukte
Die Strecke hatte eine Spurweite von 950 Millimetern und war 31,5 Kilometer lang.
Sie war vollständig mit 3000 Volt Gleichstrom elektrifiziert.
Vom Bahnhof in Rimini auf 4 Metern Höhe stieg sie bis San Marino Città auf 643 Meter an.
Auf dem letzten Abschnitt führte sie über drei Viadukte und durch 17 Tunnel, darunter zwei Kehrtunnel.
Zu ihrer Zeit galt sie als bedeutende Ingenieursleistung.
Von der Küste zum Monte Titano
In Rimini begann die Strecke im Bahnhof der Ferrovie Padane und lief zunächst parallel zur Hauptstrecke bis zur Haltestelle Rimini Marina.
Danach bog sie nach Südwesten ab und überquerte die Via Flaminia, wo der einzige beschrankte Bahnübergang der Strecke lag.
Hinter der Haltestelle Coriano-Cerasolo überquerte sie die Staatsgrenze und erreichte mit dem Bahnhof Dogana San Marino.
Über Serravalle, Domagnano-Montelupo und Valdragone ging es nach Borgo Maggiore unter der Felswand des Monte Titano.
Nach fünf weiteren Tunneln endete die Fahrt im Bahnhof San Marino Città.
Das Ende im Krieg
Am 26. Juni 1944 beschädigte ein Bombardement der Alliierten die Strecke schwer.
Besonders zwischen Domagnano und Valdragone waren die Schäden groß.
Der Betrieb wurde eingestellt und nie wieder aufgenommen.
Die Tunnel dienten danach als Notunterkünfte für Flüchtlinge aus Italien, und bei einer Typhusseuche im Herbst wurden sogar Kranke in Wagen der Bahn untergebracht.
In den 1950er Jahren wurden die Gleise abgebaut.
Was übrig blieb
Die Tunnel der Strecke sind bis heute erhalten.
Einige sind wegen Einsturzgefahr gesperrt, andere wurden zu Fuß- und Radwegen umgebaut.
Auch die meisten Viadukte und Bahnhöfe stehen noch.
Die Grenzbrücke über den Fluss Ausa wurde dagegen nach der Stilllegung abgerissen.
Ein weiteres Viadukt hinter Borgo Maggiore musste in den 1960er Jahren einer Straße weichen.
Die Museumsbahn
Am 21. Juli 2012 wurde ein rund 800 Meter langer Abschnitt an der Stadt San Marino als Museumsbahn eröffnet.
Davon verlaufen 500 Meter im Tunnel Montale.
Dort fährt der historische Triebwagen AB 03, den ein eigens gegründeter Verein 2011 und 2012 wieder betriebsfähig gemacht hat.
Der Triebwagen AB 01 wartet im Depot Galavotto auf eine künftige Aufarbeitung, AB 02 wurde 1995 im Tunnel Montale durch Brandstiftung zerstört.
Zur Jahresmitte 2026 wurde die Museumsbahn um 140 Meter bis zum ehemaligen Endbahnhof San Marino verlängert.
Im November 2022 wurde außerdem bekannt, dass Ingenieure der italienischen Staatsbahn die Strecke auf eine mögliche Wiederinbetriebnahme prüfen.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
San Marino hatte von 1932 bis 1944 eine eigene Bahnverbindung, eine elektrische Schmalspurbahn von Rimini hinauf in die Hauptstadt.
Nach einem Bombardement im Juni 1944 wurde der Betrieb eingestellt und in den 1950er Jahren wurden die Gleise abgebaut.
Tunnel, Viadukte und Bahnhöfe sind bis heute zu sehen.
Seit 2012 fährt auf einem kurzen Stück wieder ein historischer Triebwagen, seit 2026 bis zum alten Endbahnhof.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
