Zahlen, bitte!
„Nächster Halt Heuchelhof, die Bahn hat gerade eine der steilsten Rampen des Netzes geschafft.“
Wie lang ist das Würzburger Straßenbahnnetz?
→ Ein Netz in Zahlen.
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Kurz gesagt
Das Würzburger Straßenbahnnetz ist 19,7 Kilometer lang und fast vollständig zweigleisig. Auf fünf Linien fahren jährlich knapp 20 Millionen Fahrgäste.
In Würzburg heißt die Straßenbahn umgangssprachlich Straba.
Sie wurde zweimal stillgelegt und ist trotzdem bis heute ein Rückgrat des Nahverkehrs.
Wie lang ihr Netz ist und wie steil es werden kann, zeigen die Zahlen.

Die wichtigsten Zahlen
19,7 km
Streckennetz
fast durchgehend zweigleisig
knapp 20 Mio.
Fahrgäste pro Jahr
auf fünf Linien
91 ‰
Steigung zum Heuchelhof
auf etwa 1600 Metern
Die erste Pferdebahn fuhr ab dem 9. April 1892.
19,7 Kilometer Strecke
Das Streckennetz der Würzburger Straßenbahn ist 19,7 Kilometer lang.
Es ist mit 750 Volt Gleichspannung elektrifiziert.
Bis auf eine Häuserschleife im Stadtteil Grombühl ist es komplett zweigleisig ausgebaut.
Betrieben wird es von der Würzburger Straßenbahn GmbH, einer Tochter der städtischen Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft.

Fünf Linien und die Straba
Auf dem Netz fahren zwei Hauptlinien an allen Tagen und drei Nebenlinien von Montag bis Samstag.
Zusammen befördern sie jährlich knapp 20 Millionen Fahrgäste.
An Schultagen gibt es morgens zusätzlich Schnellfahrten, die einige Haltestellen auslassen.
Im Volksmund heißt die Bahn Straba, gesprochen mit kurzem a in der betonten ersten Silbe.
Gut zu wissen
Das Würzburger Straßenbahnnetz ist 19,7 Kilometer lang und mit 750 Volt elektrifiziert. Fünf Linien befördern jährlich knapp 20 Millionen Fahrgäste.
Die Pferdebahn startete im April 1892, elektrisch fährt die Straba seit 1899 und 1900. Die Steilstrecke zum Heuchelhof hat eine Neigung von 91 Promille.
Der lange Weg zur Pferdebahn
Schon 1875 gab es erste Pläne für eine Pferdebahn, doch die Stadt lehnte sie wegen enger Straßen und fehlenden Bedarfs ab.
Die meisten Menschen wohnten damals noch innerhalb der früheren Festungsanlagen und gingen zu Fuß.
1887 wurde erneut über eine Bahn beraten, diesmal mit Erfolg.
Am 3. August 1891 beauftragte die Stadt ein privates Unternehmen mit Bau und Betrieb.
Start im April 1892
Am 8. April 1892 wurde der erste, 2,2 Kilometer lange Abschnitt von der Sanderau über den Dom abgenommen.
Am Tag darauf durften die ersten Fahrgäste einsteigen.
Am 30. April 1892 ging die komplette Strecke bis zum Bahnhof in Betrieb.
Der damalige Bürgermeister war so begeistert, dass er gleich neue Strecken bis nach Heidingsfeld und Höchberg ankündigte.
Elektrisch ab 1899
Am 1. April 1899 ging in Würzburg ein Elektrizitätswerk in Betrieb.
Am 10. Juli 1899 wurde die Würzburger Straßenbahn AG gegründet, die die Anlagen der Pferdebahn übernahm.
Den Betrieb führte die Nürnberger Firma Schuckert & Cie, die 75 Prozent der Aktien besaß.
In den Jahren 1899 und 1900 wurde die Straßenbahn auf elektrischen Betrieb umgestellt.
Vier Jahre ohne Straßenbahn
Nach dem Ersten Weltkrieg fehlte Kohle für die Stromerzeugung, und der Betrieb musste eingeschränkt werden.
1920 wurde der Vertrag mit dem Betreiber aufgelöst, und Würzburg hatte einige Jahre gar keinen öffentlichen Nahverkehr.
Am 5. Juni 1924 wurde eine neue Gesellschaft gegründet, an der die Stadt 60 Prozent hielt.
Am 18. September 1924 fuhr die Linie 1 wieder vom Hauptbahnhof über den Dom in die Sanderau.
Zweimal stillgelegt und doch geblieben
Insgesamt wurde die Würzburger Straßenbahn zweimal stillgelegt.
In den 1960er Jahren gab es zudem einen Streit darüber, ob Busse sie ersetzen sollten.
Heute gilt ihr Bestand als gesichert.
Schon 1957 bekam sie am Bahnhofsplatz eine Wendeschleife um den Kiliansbrunnen, und 1972 und 1973 wurde die Strecke nach Grombühl zweigleisig ausgebaut.
Die Steilstrecke zum Heuchelhof
Bereits in den 1960er Jahren wurde eine Strecke zum neuen Großwohngebiet Heuchelhof geplant und die Trasse freigehalten.
Am 29. November 1989 ging sie nach dreijähriger Bauzeit auf komplett eigenem Bahnkörper in Betrieb.
Die Rampe zwischen Heidingsfeld und Heuchelhof hat auf etwa 1600 Metern eine Längsneigung von 91 Promille.
1997 wurde die Linie 5 vom Heuchelhof bis nach Rottenbauer verlängert.
Früh auf niedrigem Boden
Für die Steilstrecke brauchte Würzburg neue Wagen mit Antrieb auf allen Achsen.
Der knapp 33 Meter lange Typ GT-E erhielt dazu einen niederflurigen Mittelteil, der besonders älteren und behinderten Fahrgästen den Einstieg erleichtert.
1992 folgte eine Ausschreibung für 20 komplett niederflurige Wagen, die 1996 als Typ GT-N geliefert wurden.
Jeder GT-N hat zwölf Radnabenmotoren, 82 Sitzplätze und 78 Stehplätze und fährt bis zu 70 km/h.
Eine Zwangspause
Am 3. November 2023 zog die Aufsichtsbehörde alle 20 Wagen vom Typ GT-N aus dem Verkehr.
Grund war ein Defekt an einem Bauteil des Fahrwerks.
Ab dem 6. November 2023 galt deshalb ein Ersatzkonzept.
Nach den Angaben sollten erst Mitte 2025 wieder alle GT-N im Einsatz sein.
Neue Wagen vom Typ GT-F
Am 9. Dezember 2019 unterschrieb die städtische Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH einen Vertrag über neue Straßenbahnen mit dem Hersteller HeiterBlick.
Die fünfteiligen Wagen sind 36 Meter lang und bieten 76 Sitzplätze und 147 Stehplätze.
Sie haben eine Klimaanlage, große Bildschirme und 20 USB-Ladebuchsen.
Der erste Wagen kam im Dezember 2024, nach einer Unterbrechung wegen der Insolvenz des Herstellers geht die Lieferung seit Mai 2026 weiter.
Mehr Takt und alte Pläne
Am 4. Mai 2023 beschloss der Stadtrat einen dichteren Takt für die Straßenbahn.
Danach sollen die Linien 3 und 5 zwischen Hauptbahnhof und Heuchelhof in der Hauptverkehrszeit zusammen einen Fünf-Minuten-Takt bilden.
Andere Ausbaupläne scheiterten, etwa eine Strecke nach Versbach in den 1970er Jahren.
Auch eine Strecke nach Höchberg kam in den 1990er Jahren nicht zustande, weil man einen vierspurigen Straßenausbau bevorzugte.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
