Der Bahnhof Nordhorn, wo nach 45 Jahren wieder Personenzüge halten

Ortstermin

„Nächster Halt Nordhorn, nach 45 Jahren Pause wieder mit Fahrgästen.“

Der Bahnhof Nordhorn, wo nach 45 Jahren wieder Personenzüge halten

→ Ein Ortstermin in der Grafschaft Bentheim.

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Kurz gesagt

Nordhorn war bis 2019 nach Herten die zweitgrößte deutsche Stadt ohne Personenverkehr auf der Schiene. Seit dem 7. Juli 2019 fährt die Bentheimer Eisenbahn wieder stündlich Fahrgäste nach Bad Bentheim und Neuenhaus.

Nordhorn ist die Kreisstadt der Grafschaft Bentheim, liegt an der Vechte im äußersten Südwesten Niedersachsens und grenzt direkt an die Niederlande.

Die Stadt entstand auf einer Insel im Fluss, war lange eine Stadt der Flussschiffer und wurde später von der Textilindustrie geprägt.

Ihr Bahnhof hat eine besondere Geschichte, denn fast ein halbes Jahrhundert lang stiegen hier keine Fahrgäste mehr ein.

Bahnhof Nordhorn 15
Foto: Pimvantend, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine Kreisbahn für die Grafschaft

Im April 1895 wurde die Bentheimer Kreisbahn gegründet, um die Region an das Eisenbahnnetz im deutsch-niederländischen Grenzraum anzuschließen.

Die Konzession erteilte der König von Preußen am 16. Januar 1895, und schon am 14. März 1895 begannen die Bauarbeiten.

Im Dezember 1895 begann auf dem 17,58 Kilometer langen Abschnitt von Bentheim nach Nordhorn der Schienenverkehr, der Güterverkehr wurde zum 1. Januar 1896 aufgenommen.

Der erste Personenzug fuhr am 1. März 1896, und am 14. April 1896 wurde die Strecke bis Neuenhaus mit einer Eröffnungsfahrt offiziell eingeweiht.

Streckeneroeffnung neuenhaus coevorden nordhorn 1910
Foto: Unknown authorUnknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein Bürgermeister im Protest

Der Bürgermeister von Nordhorn blieb der Eröffnung aus Protest fern, denn er hatte sich für eine ganz andere Bahn eingesetzt.

Er befürwortete die sogenannte Querbahn, eine Linie von Bremen über Lingen und Nordhorn nach Amsterdam.

Vertreter aus Handel und Industrie erschienen dagegen zur Begrüßung, und tatsächlich senkte der Bahntransport die Kosten der Betriebe erheblich.

Schon im ersten Betriebsjahr beförderte die Kreisbahn 72.425 Personen, 28.218 Tonnen Güter und 30.324 Tiere.

Mittelbahnsteig Bahnhof Nordhorn May 2019
Foto: Knightriderfan, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Die Bentheimer Kreisbahn erreichte Nordhorn 1896, und ihre Verwaltung, der Betriebshof und die Werkstatt befinden sich bis heute in der Stadt. Planmäßige Personenzüge fuhren bis zum 25. Mai 1974.

Seit dem 7. Juli 2019 fährt die RB 56 wieder stündlich zwischen Bad Bentheim und Neuenhaus. Das umgebaute Bahnhofsgebäude in Nordhorn wurde am 25. November 2022 wiedereröffnet.

Bis über die Grenze

Anfangs fuhren täglich drei Zugpaare, und für die Strecke von Bentheim bis Neuenhaus brauchten sie bei höchstens 30 Kilometern pro Stunde 75 Minuten.

Ab dem 21. Juni 1908 gab es planmäßige Personenzüge zwischen Gronau und Neuenhaus, und bis 1911 wurde das Netz über Emlichheim bis in das niederländische Coevorden erweitert.

Wichtig war die Bahn vor allem für die Versorgung der Textilindustrie in Nordhorn und für den Abtransport von Torf und Agrarprodukten.

Ab den 1930er Jahren wurde zudem Rohöl aus den Ölfeldern der Region zu einem stabilen Standbein des Güterverkehrs.

BE RB 56 Nordhorn
Foto: Knightriderfan, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der letzte Personenzug 1974

Anfang der 1960er Jahre setzte man zunehmend auf den günstigeren Bus und reduzierte den Betrieb auf der Schiene Schritt für Schritt.

Wegen der vielen Schüler und Berufstätigen, die nach Nordhorn fuhren, blieb ein Teil des Personenverkehrs zunächst trotzdem auf der Schiene.

Im Sommer 1966 endete der Personenverkehr zwischen Gildehaus und Gronau, und am 25. Mai 1974 fuhren die letzten planmäßigen Personenzüge.

An ihre Stelle traten die Omnibuslinien des Unternehmens, während die Gleise weiter dem Güterverkehr dienten.

Bahnhof Nordhorn um 1900
Foto: Unknown authorUnknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

Die größte Stadt ohne Zug

Mit über 53.000 Einwohnern war Nordhorn bis 2019 nach Herten die zweitgrößte deutsche Stadt ohne Schienenpersonenverkehr.

Erste Überlegungen zur Reaktivierung gab es schon in den 1990er Jahren, und im März 2015 stimmte der zuständige Lenkungsausschuss in Niedersachsen zu.

Die nötigen Investitionen trug zu 75 Prozent das Land Niedersachsen.

Die Strecke wurde für 80 Kilometer pro Stunde ertüchtigt, Gleise und Signale wurden erneuert, und die Bahnübergänge erhielten Lichtzeichen und teilweise Schranken.

Nordhorn Kirche am Markt
Foto: Heribert Duling, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Neustart im Juli 2019

Nach einem Probebetrieb ab Mai 2019 fuhren am 7. Juli 2019 wieder planmäßige Personenzüge zwischen Bad Bentheim, Nordhorn und Neuenhaus.

Im Bahnhof Nordhorn entstand ein teilweise überdachter, 110 Meter langer Mittelbahnsteig, an dem die Züge aus beiden Richtungen halten.

Das umgestaltete Bahnhofsgebäude wurde am 25. November 2022 wiedereröffnet, und in der Stadt kam der neue Haltepunkt Nordhorn-Blanke hinzu.

Die Linie RB 56 fährt als Regiopa Express im Stundentakt mit Triebwagen vom Typ Lint 41, und die Werkstatt der Bentheimer Eisenbahn in Nordhorn wurde für rund fünf Millionen Euro erweitert.

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Foto: Michielverbeek, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine Stadt auf der Insel

Die Grafen von Bentheim bauten inmitten der Vechte auf einer Insel eine Burg, von der bis 1912 noch Teile erhalten waren.

Im Jahr 1379 erhielt Nordhorn Stadtrechte nach münsterschem Vorbild, als dritter Ort der Grafschaft nach Schüttorf und Neuenhaus.

Mit künstlich angelegten Wasserläufen, den Binnenvechten, ähnelte die Stadt einer holländischen Grachtenstadt und wurde deshalb auch Inselnordhorn genannt.

Seit dem späten 17. Jahrhundert war die Schifffahrt auf der Vechte der wichtigste Erwerbszweig, denn ab Nordhorn war der Fluss schiffbar.

Nordhorn Vechte unweit Marktplatz
Foto: Nordhörnchen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Textilstadt an der Vechte

Das Jahr 1839 gilt als Gründungsjahr der Nordhorner Textilindustrie, die bis weit in die 1970er Jahre boomte.

Um 1960 arbeiteten 12.000 Menschen in den Textilbetrieben, und allein das größte Unternehmen NINO beschäftigte 6000 Mitarbeiter.

An diese Zeit erinnert heute die Museumsfabrik in der Alten Weberei, eine Dauerausstellung des Stadtmuseums zur Textilproduktion.

Weil die Stadt im Zweiten Weltkrieg weitgehend von Schäden verschont blieb, prägt bis heute die norddeutsche Ziegelbauweise das Stadtbild.

Nordhorn Brücke Hauptstr Blick auf Vechte Kornmühlenarm
Foto: Nordhörnchen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ankommen in Nordhorn

Im Zentrum steht die Alte Kirche am Markt, die im Jahr 1445 eingeweiht wurde.

Die Vechte fließt durch den Vechtesee und die Stadt, und dazu kommen der Süd-Nord-Kanal, der Nordhorn-Almelo-Kanal und der Ems-Vechte-Kanal.

Vor den Toren der Stadt liegt das Kloster Frenswegen, das Augustiner-Chorherren 1394 gründeten und das 1809 aufgehoben wurde.

Am zweiten und dritten Adventswochenende findet im Tierpark Nordhorn nahe dem Vechtehof ein Weihnachtsmarkt statt.

Seitenflügel Kloster Frenswegen
Foto: Heribert Duling, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Seit wann fahren wieder Personenzüge nach Nordhorn?
Seit dem 7. Juli 2019, nach rund 45 Jahren ohne Personenverkehr auf der Schiene.
Wer betreibt die Züge?
Die Bentheimer Eisenbahn, die 1895 als Bentheimer Kreisbahn gegründet wurde und ihren Betriebshof in Nordhorn hat.
Wohin fährt die RB 56?
Von Neuenhaus über Nordhorn nach Bad Bentheim an der Strecke von Almelo nach Salzbergen.
Warum blieb der Bürgermeister 1896 der Eröffnung fern?
Er befürwortete eine Querbahn von Bremen über Lingen und Nordhorn nach Amsterdam und protestierte so gegen die Streckenführung.
Was war Inselnordhorn?
So wurde die Stadt genannt, als sie mit ihren künstlichen Binnenvechten einer holländischen Grachtenstadt ähnelte.

Weiterfahrt

→ Ortstermin: Reutlingen Hauptbahnhof – der Umsteigebahnhof am anderen Ende der RB 56

→ Ortstermin: Solingen Hauptbahnhof – die Universitätsstadt an der Ems

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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