Stimmt es, dass …?
„Bitte einsteigen nach Dresden, die planmäßige Reisezeit beträgt drei Stunden und 40 Minuten.“
Stimmt es, dass Deutschlands erste Fernbahn von Leipzig nach Dresden fuhr?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Die Strecke von Leipzig nach Dresden wurde am 7. April 1839 durchgehend eröffnet und gilt als erste deutsche Ferneisenbahn, gebaut von einer privaten Aktiengesellschaft Leipziger Bürger.
Wenn es um die Anfänge der Eisenbahn in Deutschland geht, denken die meisten an den Adler zwischen Nürnberg und Fürth.
Diese Bahn verband aber nur zwei Nachbarstädte, eine echte Fernreise ermöglichte erst eine andere Strecke.
Dieser Mythos-Check zeigt, warum die Leipzig-Dresdner Eisenbahn als erste deutsche Fernbahn gilt und was sie so besonders machte.

Die Fakten in Zahlen
07.04.1839
Eröffnung
der gesamten Strecke Leipzig–Dresden
3 h 40 min
Reisezeit
dauerte die Fahrt damals
1,5 Mio. Taler
Startkapital
in anderthalb Tagen gezeichnet
Die Abschnitte der Strecke, die von 1837 bis 1839 nach und nach eröffnet wurden, ergeben zusammen rund 116 Kilometer.
Eine Idee aus Leipzig
Die Idee einer Eisenbahn von Leipzig nach Strehla an der Elbe hatte schon vor 1830 der Leipziger Kramermeister Carl Gottlieb Tenner geäußert.
Neuen Auftrieb bekam sie 1833, als der Ökonom Friedrich List in Leipzig seine Pläne für ein deutsches Eisenbahnsystem veröffentlichte.
In diesem System war Leipzig als zentraler Knotenpunkt vorgesehen.
Noch im selben Jahr gründete sich ein Eisenbahn-Comité, das am 20. November 1833 eine Petition an den ersten sächsischen Landtag richtete.
Am 6. Mai 1835 genehmigte die Regierung den Bau per Dekret.

Aktien in anderthalb Tagen
Am 22. Mai 1835 gründeten zwölf Leipziger Bürger die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie als private Aktiengesellschaft.
Die Aktien kosteten 100 Taler pro Stück und waren innerhalb von anderthalb Tagen vollständig gezeichnet.
So standen zunächst 1,5 Millionen Taler zur Verfügung.
Das reichte allerdings nicht, und 1837 musste das Kapital auf 4,5 Millionen und später auf 6,5 Millionen Taler erhöht werden.
Der Bau war also ein Projekt privater Geldgeber und nicht des Staates.
Gut zu wissen
Friedrich List lebte von 1825 bis 1833 im Exil in den Vereinigten Staaten und wurde dort auch zum Eisenbahnpionier. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts.
Zwischen Leipzig und Althen fuhren die ersten Züge schon im April 1837, also fast zwei Jahre vor der Gesamteröffnung. Der letzte Abschnitt von Riesa nach Oberau war mit 28,45 Kilometern zugleich der längste.
Englischer Rat für die Trasse
Im Oktober 1835 prüften die englischen Ingenieure Sir James Walker und Hawkshaw die geplanten Streckenvarianten.
Sie empfahlen eine nördliche Trasse über Strehla, die günstiger veranschlagt war als eine Route über Meißen.
Der Rat der Stadt Strehla lehnte den Bau jedoch ab.
Deshalb führt die Strecke im sieben Kilometer weiter südlich gelegenen Riesa über die Elbe.
Die Bauleitung für das gesamte Projekt lag beim sächsischen Oberwasserbaudirektor Kunz.
Spatenstich in Machern
Am 1. März 1836 fand der erste Spatenstich bei Machern statt.
Dort entstand der Macherner Durchstich, der als besondere Ingenieurleistung galt.
Er war nötig, weil die damaligen Lokomotiven eine solche Steigung nicht bewältigen konnten.
Am 24. April 1837 ging mit Leipzig–Althen der erste, 10,6 Kilometer lange Abschnitt in Betrieb.
Danach folgten Stück für Stück weitere Abschnitte über Wurzen, Dahlen und Oschatz bis Riesa.
Die große Eröffnung 1839
Mit der Fertigstellung der Elbbrücke in Riesa wurde am 7. April 1839 die gesamte Strecke zwischen Leipzig und Dresden eröffnet.
Am selben Tag fuhr der erste Zug über die Elbbrücke.
Die Reise dauerte damals drei Stunden und 40 Minuten.
Zu diesem Anlass wurde eine Münze mit einer der englischen Lokomotiven herausgegeben, die in den ersten Jahren auf der Strecke fuhren.
Rechnet man die einzelnen Abschnitte zusammen, war die Strecke rund 116 Kilometer lang.
Der erste Tunnel einer Fernbahn
Zur Strecke gehörte auch der Oberauer Tunnel, den Freiberger Bergleute zwischen 1837 und 1839 bohrten.
Nach einem Tunnel der Tollwitz-Dürrenberger Eisenbahn war er der zweite Eisenbahntunnel Deutschlands.
Zugleich war er der erste Tunnel einer Vollbahn auf dem europäischen Festland.
Obwohl die Strecke auch im Tunnel zweigleisig war, konnte ihn wegen des zu geringen Gleisabstands jeweils nur ein Zug passieren.
Von Juli 1933 bis Juli 1934 wurde der Tunnel abgetragen und in einen Einschnitt verwandelt, heute erinnert ein Obelisk an ihn.
Zweigleisig und links gefahren
Das zweite Gleis wurde direkt nach der Eröffnung der Gesamtstrecke verlegt.
Ab dem 1. Oktober 1840 war die ganze Strecke zweigleisig befahrbar.
Das war möglich, weil der Unterbau mit allen Kunstbauten von Anfang an darauf ausgelegt war.
Nach englischem Vorbild wurde die Strecke bis 1884 im Linksbetrieb befahren.
Die Züge nutzten also in Fahrtrichtung das linke der beiden Gleise.
Vom Privatunternehmen zur Staatsbahn
Am 29. März 1876 beschlossen die Aktionäre den Verkauf ihrer Bahn an den sächsischen Staat.
Am 1. Juli 1876 gingen Betrieb und Verwaltung an die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen über.
Seit 1878 erinnert das Eisenbahndenkmal in Leipzig an den Weg der Bahn von der Privatinitiative bis zur Verstaatlichung.
Am 4. Dezember 1915 wurde der sächsische Teil des Leipziger Hauptbahnhofs eröffnet, in dem auch die Dresdner Strecke endete.
Zum 1. April 1920 ging die Strecke mit den sächsischen Staatseisenbahnen in der neuen Reichsbahn auf.
Die Strecke heute
Heute ist die Bahnstrecke Leipzig–Dresden eine zweigleisige elektrifizierte Hauptbahn über Wurzen, Oschatz und Riesa.
Mit dem Winterfahrplan 1969/1970 begann der elektrische Betrieb zwischen Dresden und Riesa.
Seit 1993 wird die Strecke als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 9 ausgebaut.
Nach Angaben des Bundes waren bis Ende 2019 von geschätzten 1,56 Milliarden Euro Gesamtkosten 1,317 Milliarden Euro investiert.
Die Fertigstellung des Ausbaus ist für das Jahr 2030 vorgesehen.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Die Strecke von Leipzig nach Dresden wurde 1839 als erste deutsche Ferneisenbahn eröffnet.
Gebaut hat sie eine private Aktiengesellschaft Leipziger Bürger, angeregt auch durch Friedrich Lists Pläne für ein deutsches Eisenbahnnetz.
Mit dem Oberauer Tunnel besaß sie zudem den ersten Tunnel einer Vollbahn auf dem europäischen Festland.
Nürnberg–Fürth war früher, doch die erste echte Fernbahn verband Leipzig und Dresden.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
