Zahlen, bitte!
„Nächster Halt Domplatz, bitte beachten Sie die Stufen der Domtreppe, die Straßenbahn wartet unten.“
Wie lang ist das Erfurter Straßenbahnnetz?
→ Ein Netz in Zahlen.
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Kurz gesagt
Das Netz der Erfurter Straßenbahn ist 45,2 Kilometer lang. Sechs Linien fahren darauf, und 2016 nutzten sie etwa 105.000 Fahrgäste pro Tag.
In der Thüringer Landeshauptstadt ist die Straßenbahn das Rückgrat des Nahverkehrs.
Die Verkehrsbetriebe nennen sie Stadtbahn, weil sie außerhalb der Altstadt meist auf eigenen Gleisen fährt.
Wie lang dieses Netz ist und wie es wuchs, zeigen die Zahlen.

Die wichtigsten Zahlen
45,2 km
Streckenlänge
Meterspur
6
Linien
im Zehn-Minuten-Takt
105.000
Fahrgäste pro Tag
Stand 2016
72 Prozent des Netzes verlaufen unabhängig vom Autoverkehr.
45,2 Kilometer Strecke
Das meterspurige Netz der Erfurter Straßenbahn ist 45,2 Kilometer lang.
Damit gehört es zu den mittelgroßen Straßenbahnbetrieben in Deutschland.
Betrieben wird es von den Erfurter Verkehrsbetrieben, einer Tochter der Stadtwerke.
Im Jahr 2016 fuhren an einem Tag etwa 105.000 Fahrgäste mit.

Warum sie Stadtbahn heißt
Außerhalb der Innenstadt fährt die Erfurter Straßenbahn meist auf Gleisen, die vom Autoverkehr getrennt sind.
Das betrifft 72 Prozent des gesamten Netzes.
1996 beschloss der Stadtrat, die Straßenbahn unter dem Titel Stadtbahn auszubauen.
Gemeint ist damit eine Straßenbahn, die weitgehend auf eigenen Trassen unterwegs ist.
Gut zu wissen
Das Erfurter Straßenbahnnetz ist 45,2 Kilometer lang und wird von sechs Linien befahren. 72 Prozent der Gleise liegen unabhängig vom Autoverkehr.
Die Straßenbahn begann am 13. Mai 1883 als Pferdebahn und fährt seit dem 1. Juni 1894 elektrisch. Das Stadtbahnprogramm mit fünf Neubaustrecken wurde 2007 abgeschlossen.
Sechs Linien im Zehn-Minuten-Takt
Am 5. Oktober 2007 ging die letzte Strecke des Stadtbahnprogramms in Betrieb.
Seitdem gilt ein neu geordnetes Netz mit sechs Linien, die in der Hauptverkehrszeit alle zehn Minuten fahren.
Weil sich mehrere Linien Abschnitte teilen, kommen die Bahnen dort noch häufiger.
Auch eine Buslinie ist in diesen Takt eingebunden und trägt deshalb die einstellige Nummer 9.
Eine Pferdebahn nach dem Fall der Mauern
Bis 1873 war Erfurt eine Festungsstadt, die von ihren alten Stadtmauern begrenzt wurde.
Als die Mauern fielen, wuchs die Stadt nach außen, und die Wege wurden länger.
Zu Pfingsten, am 13. Mai 1883, nahm deshalb eine Pferdestraßenbahn den Betrieb auf.
Auf ihren drei Linien fuhren die Wagen je nach Linie alle fünf bis alle 20 Minuten.
Für 310.000 Mark elektrisch
Bis 1893 war Erfurt von 55.000 auf 76.000 Einwohner gewachsen, und die Pferdebahn reichte nicht mehr aus.
Am 6. September 1893 kaufte die Berliner Union-Elektricitäts-Gesellschaft, die spätere AEG, die Bahn für 310.000 Mark.
Nach Probefahrten ab dem 28. Mai 1894 begann am 1. Juni 1894 der elektrische Regelbetrieb.
Damit fuhr Erfurt drei Jahre nach Halle elektrisch.
Schnellstraßenbahn in die Neubaugebiete
In den 1970er und 1980er Jahren entstanden die großen Wohngebiete Erfurt-Nord mit 50.000 und Erfurt-Südost mit 40.000 Einwohnern.
Für sie baute man schnelle Straßenbahnstrecken, die vom übrigen Verkehr getrennt waren.
1974 ging die Strecke ins Rieth in Betrieb, 1978 die zum Europaplatz und 1985 die zum Wiesenhügel.
Die Strecke zum Urbicher Kreuz entstand abschnittsweise von 1979 bis 1987.
Fünf neue Strecken
Nach 1990 wurden zuerst marode Gleise saniert und die Wagen modernisiert.
Von 1997 bis 2000 entstand eine neue Strecke vom Anger über die Leipziger Straße zum Ringelberg.
2000 und 2001 folgten ein Lückenschluss durch den Brühl und die Verlängerung zur Messe.
Von 2002 bis 2005 wurde die Bahn über den Flughafen bis nach Bindersleben verlängert, und 2007 kam die Verbindung zum Rieth hinzu.
Zehn Tage Schneechaos
Zu Weihnachten 2010 legte ein Wintereinbruch die Straßenbahn lahm.
Nach 40 Zentimetern Neuschnee ruhte der Betrieb von Heiligabend bis zum 27. Dezember komplett.
Erst am 3. Januar 2011 konnte wieder das gesamte Netz befahren werden.
Es war eine der längsten Betriebsunterbrechungen in Friedenszeiten.
Abschied von der Tatra-Bahn
Jahrzehntelang prägten Kurzgelenkwagen vom Typ KT4D des Prager Herstellers ČKD Tatra das Stadtbild.
Im Oktober 2014 wurde die Fahrdrahtspannung auf 750 Volt erhöht.
Weil die Tatra-Wagen dafür nicht ausgerüstet waren, endete damit ihr Linieneinsatz.
Einzelne Wagen gingen an ein Museum in Weimar oder wurden als Arbeitswagen nach Jena verkauft.
60 Combinos
Ab 1994 beschaffte Erfurt die ersten Niederflurbahnen vom Typ MGT6D.
Im Jahr 2000 kamen sieben Combinos von Siemens, bis 2005 folgten 41 weitere und 2011 und 2012 noch einmal zwölf.
Damit besitzen die Verkehrsbetriebe 60 Combinos, 36 fünfteilige und 24 dreiteilige.
Die fünfteiligen Wagen fassen 155 Personen, die dreiteiligen 105, und alle fahren bis zu 70 km/h schnell.
Tramlinks aus Spanien und Berlin
Im Oktober 2018 erhielt der Hersteller Stadler den Auftrag für 14 neue Straßenbahnen vom Typ Tramlink.
Gebaut wurden sie in der Nähe von Valencia und in Berlin-Pankow, zusammen kosteten sie 56 Millionen Euro.
Jede Bahn bietet Platz für 248 Fahrgäste, davon 102 auf Sitzplätzen.
Am 1. Juli 2021 fuhr der erste Tramlink mit Fahrgästen, und im Mai 2023 wurde die Option auf zehn weitere Fahrzeuge eingelöst.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
