Stimmt es, dass die Bahn eigene Schiffe auf dem Bodensee hatte?

Stimmt es, dass …?

„Umsteigen zum Schiff nach Romanshorn, die Fähre legt direkt am Hafenbahnhof ab.“

Stimmt es, dass die Bahn eigene Schiffe auf dem Bodensee hatte?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. Die Bodenseeschifffahrt gehörte ab 1854 und 1863 zu den Staatsbahnen von Württemberg, Bayern und Baden, ab 1920 zur Reichsbahn und ab 1952 zur Deutschen Bundesbahn, bis die Reederei 2002 an die Stadtwerke Konstanz verkauft wurde.

Wer am Bodensee Urlaub macht, fährt oft mit einem der weißen Ausflugsschiffe über den See.

Dass diese Schiffe jahrzehntelang zur Eisenbahn gehörten, überrascht viele Gäste.

Dieser Mythos-Check zeigt, wie die Bahn zur Reederei wurde und warum sogar ganze Güterwagen über den See fuhren.

MS Schwaben vor einer Nebelbank
Foto: Ameichle, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

1824

erstes Dampfschiff

auf dem Bodensee, die Wilhelm

1952

Bundesbahn

übernimmt die Bodenseeflotte

663.232

Güterwagen

fuhren von 1949 bis 1976 per Fähre über den See

Im Jahr 2009 beförderten die Bodensee-Schiffsbetriebe 2,2 Millionen Fahrgäste.

Das erste Dampfschiff

Die Dampfschifffahrt auf dem Bodensee begann in Württemberg.

Der amerikanische Konsul Edward Church gewann den württembergischen König Wilhelm I. für den Bau eines Dampfschiffs in Friedrichshafen.

Der König übernahm die Hälfte der Anteile an der neuen Friedrichshafener Dampfbootgesellschaft.

Am 1. Dezember 1824 ging das Schiff Wilhelm als erstes Dampfschiff des Bodensees in den Liniendienst.

Es beförderte Menschen und Güter zwischen Friedrichshafen und Rorschach oder Romanshorn am Schweizer Ufer.

Lindau Harbor Lake Constance MS Schwaben 01
Foto: Julian Herzog, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Die Staatsbahnen übernehmen

Als die Eisenbahn den See erreichte, wurden die Schiffe für sie immer wichtiger.

Am 8. November 1847 erreichte die württembergische Südbahn Friedrichshafen als erste deutsche Eisenbahn am Bodensee.

1854 ging die Friedrichshafener Dampfbootgesellschaft an die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen über.

Bayern und Baden folgten 1863 und übernahmen die Schifffahrt ebenfalls in ihre Staatsbahnen.

Ab 1860 entstand zudem die Ausflugsschifffahrt, und 1920 begann die Zeit der Motorschiffe.

Gut zu wissen

Die Bahnstrecken am deutschen Nordufer wurden erst von 1895 bis 1901 geschlossen, bis dahin erreichten sich die Bahnen oft nur über den See. Reisende in die Schweiz mussten bis zur Eröffnung der Strecke nach Bregenz im Jahr 1872 zur Weiterfahrt aufs Schiff umsteigen.

Auf den ersten Trajektkähnen lagen zwei Gleise nebeneinander. Beim Be- und Entladen musste man abschnittsweise vorgehen, sonst hätte der Kahn Schlagseite bekommen und die Wagen wären in den See gekippt.

Unter Reichsbahn und Bundesbahn

1920 wurde die Bodenseeschifffahrt der drei deutschen Länder der Deutschen Reichsbahn unterstellt.

Im Zweiten Weltkrieg musste der Schiffsverkehr 1944 eingestellt werden.

Nach Kriegsende beschlagnahmten französische Behörden 1945 die Flotte, und erst 1948 fuhren wieder alle Kurse.

1952 übernahm die Deutsche Bundesbahn die Flotte, nach 1994 die Deutsche Bahn AG.

Die Eisenbahn war damit über Jahrzehnte auch eine Reederei.

Güterwagen auf dem Wasser

Besonders erstaunlich sind die Bodensee-Trajekte, also Eisenbahnfähren für Güterwagen.

Lange war eine Verbindung der verschiedenen Bahnen rund um den See nur über das Wasser möglich.

Ohne Fähre mussten die Waren im Hafen aus dem Güterwagen aufs Schiff und am anderen Ufer wieder in einen Wagen umgeladen werden.

Am 22. Februar 1869 eröffneten die württembergische Staatsbahn und die Schweizerische Nordostbahn einen Trajektverkehr zwischen Friedrichshafen und Romanshorn.

Die erste Trajektfähre beförderte schon im ersten Betriebsjahr 12.200 Güterwagen.

Ein Kohlenfresser mit Schaufelrädern

Das erste Trajektschiff war ein Raddampfer, den der englische Ingenieur John Scott Russell entwickelt hatte.

Es trug in der Mitte zwei Gleise und konnte insgesamt 18 Güterwagen aufnehmen.

Schon bald galt es als Kohlenfresser, denn für eine Überfahrt verbrauchte es 600 bis 720 Kilogramm Kohle.

Bereits 1883 wurde es wieder außer Dienst gestellt.

Die bayerische Staatsbahn setzte ab 1874 das Trajektschiff II ein, das 73 Meter lang war und bis zu 16 Güterwagen tragen konnte.

Fähren bis 1976

1929 stellte die Reichsbahn das dieselgetriebene Trajektschiff Schussen in Dienst, das zehn Güterwagen und auch Autos befördern konnte.

Auf der Verbindung Lindau–Romanshorn wurden 1934 noch 34.000 Güterwagen übergesetzt.

1938 endete dieser Verkehr, weil der Bahnweg in die Schweiz inzwischen billiger und schneller war.

Auf Drängen der Schweiz fuhren ab dem 15. Mai 1949 wieder Trajekte zwischen Friedrichshafen und Romanshorn.

Bis zur endgültigen Einstellung am 29. Mai 1976 wurden noch 663.232 Güterwagen über den See transportiert.

Der Hafenbahnhof in Friedrichshafen

Für den Wechsel zwischen Schiene und Schiff entstanden eigene Anlagen am Ufer.

Schon am 1. Juni 1850 ging in Friedrichshafen eine Verbindungsstrecke vom Stadtbahnhof zum Hafenbahnhof in Betrieb.

Am 7. März 1933 wurde ein neuer Hafenbahnhof eröffnet.

In diesem Gebäude ist heute das Zeppelin Museum untergebracht.

Bis heute verbindet eine Fähre Friedrichshafen und Romanshorn ganzjährig im Stundentakt.

Abschied von der Bahn

Im Jahr 1996 wurden die Bodensee-Schiffsbetriebe als Tochtergesellschaft aus der Deutschen Bahn AG ausgegliedert.

Im Dezember 2002 kauften die Stadtwerke Konstanz die Reederei samt Hafen- und Grundstücksflächen.

Seit dem 15. Mai 2003 firmiert sie als Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH.

Im Jahr 2009 beförderte sie 2,2 Millionen Fahrgäste.

Bis heute erkennt die Reederei die internationale Ermäßigungskarte für Eisenbahnpersonal an, mit der Bahnbeschäftigte aus anderen Ländern ermäßigt fahren.

Oldtimer und Elektroschiff

Zur Flotte gehören heute 13 Motorschiffe und zwei Motorfähren.

Die Motorschiffe Baden, Karlsruhe und Schwaben stammen aus den Jahren 1935 und 1937, also aus der Zeit der Reichsbahn.

Die Schiffe Stuttgart und München wurden in den frühen 1960er Jahren gebaut, als die Flotte zur Bundesbahn gehörte.

Seit dem 19. September 2022 fährt der Katamaran Insel Mainau, der bei seiner Indienststellung als größtes deutsches Elektroschiff galt.

Vier Schiffe wurden 2014 als Kulturdenkmale eingestuft, darunter das ehemalige Arbeitsschiff Möve von 1877.

Das Fazit

Der Mythos stimmt.

Die Bodenseeschiffe gehörten ab 1854 und 1863 zu den Staatsbahnen von Württemberg, Bayern und Baden.

Ab 1920 unterstanden sie der Reichsbahn, ab 1952 der Bundesbahn und nach 1994 der Deutschen Bahn AG.

Dazu kamen Trajekte, auf denen bis 1976 ganze Güterwagen über den See fuhren.

Erst 2002 verkaufte die Bahn die Reederei an die Stadtwerke Konstanz.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Häufige Fragen

Hatte die Bahn wirklich eigene Schiffe?
Ja. Die Bodenseeflotte gehörte zu den Länderbahnen, ab 1920 zur Reichsbahn und ab 1952 zur Bundesbahn.
Was ist ein Trajekt?
Eine Eisenbahnfähre, auf der ganze Güterwagen über das Wasser gebracht werden.
Wann fuhr die letzte Eisenbahnfähre über den Bodensee?
Der Trajektverkehr zwischen Friedrichshafen und Romanshorn endete am 29. Mai 1976.
Wem gehören die Schiffe heute?
Seit Dezember 2002 den Stadtwerken Konstanz, die Reederei heißt Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH.
Welches war das erste Dampfschiff auf dem Bodensee?
Die württembergische Wilhelm, die am 1. Dezember 1824 in den Liniendienst ging.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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