Tempolimit auf der Autobahn – für mehr Schiene? Pro und Contra

Bahn-Slam · Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, auf der Straße nebenan gibt es kein Tempolimit. Auf unserer Schiene schon. Reden wir darüber.“

Tempolimit auf der Autobahn – für mehr Schiene?

→ Ein Tempolimit ist ein Streit übers Auto. Aber vielleicht entscheidet es auch, wie voll die Züge werden.

Lesezeit: 8 Minuten · Verkehr & Klima

Worum es geht

Deutschland ist eines der letzten Länder ohne generelles Tempolimit auf Autobahnen. Das Umweltbundesamt rechnet vor: Tempo 120 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen würde rund 6,6 Millionen Tonnen CO₂ im Jahr sparen; Tempo 130 allein etwa 1,9 Millionen Tonnen. Doch der Effekt endet nicht beim Sprit: Wer langsamer fahren muss, für den wird die Bahn auf langen Strecken attraktiver. Das Öko-Institut hält einen Verlagerungseffekt von bis zu 50 Prozent obendrauf für möglich. Die Frage: Ist ein Tempolimit auch ein Bahn-Förderprogramm?

Auf der A3 überholt ein SUV mit 180, während im ICE daneben jemand bei 250 seinen Kaffee austrinkt.

Beide fahren in dieselbe Stadt.

Der eine darf so schnell, wie er sich traut; der andere fährt nach einem Fahrplan, der jede Sekunde kennt.

Ein Tempolimit klingt erst mal nach einem Streit übers Auto: Freiheit gegen Vorschrift, Gasfuß gegen Verbotsschild.

Aber dahinter steckt eine zweite Frage, die seltener gestellt wird.

Wenn das Auto auf der langen Strecke langsamer wird – steigen dann mehr Menschen in den Zug?

Autobahn 43 bei Dülmen
Freie Fahrt auf der Autobahn 43 – Deutschland ist eines der letzten Länder ohne generelles Tempolimit. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was ein Tempolimit fürs Klima bringt

Das Umweltbundesamt hat die Zahlen mehrfach berechnet.

Ein Tempolimit von 120 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen würde rund 6,6 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen und etwa 2,8 Milliarden Liter Kraftstoff.

Nur auf Autobahnen gerechnet: Tempo 130 spart etwa 1,9 Millionen Tonnen, Tempo 120 rund 2,6 Millionen.

Zum Einordnen: Der gesamte Verkehr in Deutschland stößt rund 150 Millionen Tonnen im Jahr aus.

Ein Tempolimit ist also kein großer Hebel – aber einer, der sofort wirkt und nichts kostet.

Der zweite Effekt: die Verlagerung

Die reine Spritrechnung ist nur die halbe Geschichte.

Wer auf der Autobahn nicht mehr 200 fahren darf, für den schrumpft der Zeitvorteil des Autos gegenüber der Bahn.

Auf der Strecke Hamburg–Frankfurt kann der ICE dann plötzlich die schnellere Wahl sein.

Das Öko-Institut, beauftragt von Agora Verkehrswende, hält es für möglich, dass die Verlagerung auf die Schiene den Klimaeffekt eines Tempolimits um bis zu 50 Prozent erhöht.

Aus einem Auto-Thema wird so ein Bahn-Thema: Volle Züge sind das eigentliche Ziel.

Warum die Zahlen streiten

Nicht alle rechnen gleich.

Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe kommen auf höhere Einsparungen, weil sie Verhaltensänderungen mit einrechnen.

Ein Gutachten im Auftrag der FDP-Fraktion hält dagegen: Realistisch seien statt der oft genannten 4,2 Millionen Tonnen höchstens rund 1,1 Millionen.

Der Unterschied liegt in den Annahmen: Wie viele halten sich ans Limit, wie viele steigen wirklich um?

Sicher ist nur die Richtung – strittig ist die Größe.

Pro und Contra: Tempolimit auf der Autobahn?

Dafür

+  Es wirkt sofort und kostet nichts: kein Neubau, keine neue Technik, nur ein Schild und ein Gesetz.

+  Es hilft der Bahn: Schrumpft der Tempovorteil des Autos, wird der Zug auf langen Strecken automatisch attraktiver – bis zu 50 Prozent mehr Klimaeffekt durch Verlagerung.

+  Es rettet Leben: Weniger Tempo bedeutet weniger schwere Unfälle und weniger Tote auf Autobahnen.

+  Es macht den Verkehr ruhiger und gleichmäßiger – weniger Staus durch Brems- und Beschleunigungswellen.

+  Fast alle anderen Länder haben längst eines; Deutschland ist die große Ausnahme.

Dagegen

  Der Klimaeffekt ist klein: Selbst optimistisch gerechnet spart ein Tempolimit nur wenige Prozent der Verkehrsemissionen.

  Die Bahn muss den Umstieg auch bewältigen können – nützt der Zeitvorteil nichts, wenn Züge ausfallen oder überfüllt sind.

  Freiheit und Gewohnheit: Für viele ist die freie Fahrt ein Stück Alltag, das sich nicht per Zahl aufwiegen lässt.

  Die Verlagerung ist unsicher: Ob wirklich Menschen umsteigen oder nur langsamer fahren, weiß niemand genau.

  Ein Tempolimit ersetzt keine Investitionen – neue Gleise und mehr Züge bringen dauerhaft mehr als ein Schild.

Für die eigene Reise

Auf langen Strecken ist die Bahn oft schon heute konkurrenzfähig – Tür zu Tür, mit Arbeiten und Kaffee statt Stau und Tanken. Der Sparpreis lohnt sich bei früher Buchung, die BahnCard 25 oder 50 bei mehreren Fahrten im Jahr. Wer den CO₂-Unterschied sehen will: Der CO₂-Rechner im DB Navigator zeigt für jede Verbindung, wie viel eine Bahnfahrt gegenüber Auto und Flug spart.

Unser Fazit

Ein Tempolimit ist kein großer Klimaretter – dafür sind die eingesparten Tonnen zu wenige.

Aber es ist billig, sofort wirksam und hat einen Nebeneffekt, der die Bahn stärker macht: Wer das Auto ausbremst, füllt die Züge.

Der Haken ist, dass genau diese Züge dann verlässlich fahren müssen – sonst verpufft der Umstieg.

Wer die Bahn stärken will, kann ein Tempolimit gut finden; wer auf freie Fahrt schwört, sieht ein Verbotsschild mit kleiner Wirkung.

Das Fazit ziehen Sie bitte selbst.

Weiterfahrt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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