Stimmt es, dass …?
„Bitte langsam über das Wiegegleis rollen, die Waage misst jeden Radsatz einzeln.“
Stimmt es, dass Züge gewogen werden?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Eisenbahnfahrzeuge werden auf Gleiswaagen gewogen, entweder einzeln im Stand oder im Vorbeifahren mit etwa 10 km/h, denn die Achslasten und ihre Verteilung sind für die Sicherheit wichtig.
Bei einer Waage denkt man eher an Obst, Koffer oder Lastwagen als an einen Güterzug.
Doch auch für Eisenbahnwagen gibt es eigene Waagen, und manche wiegen sogar während der Fahrt.
Wie das funktioniert und warum es wichtig ist, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
10 km/h
etwa
Tempo beim Wiegen im Vorbeifahren
22,5 t
Achslast
für die meisten deutschen Hauptbahnen zugelassen
86 %
Streckenklasse D4
Anteil im Netz der DB InfraGO
Die höchste bekannte Achslast einer Bahn liegt mit 40 Tonnen bei der Fortescue Railways in Australien.
Eine Waage im Gleis
Eine Gleiswaage ist eine Bahnanlage zum Wiegen von Eisenbahnfahrzeugen.
Man unterscheidet statische und dynamische Gleiswaagen.
Statische Waagen wiegen einzelne Fahrzeuge im Stand, dynamische Waagen wiegen im Vorbeifahren.
Für Eisenbahnwagen gibt es damit eigene Waagen, so wie es für Lastwagen Fahrzeugwaagen gibt.

Die klassische Gleisbrückenwaage
Statische Gleiswaagen heißen auch Gleisbrückenwaagen.
Sie sind meist in der Nähe der Ladegleise fest eingebaut, in der Regel in einem eigenen Wiegegleis.
Es gibt Ausführungen mit und ohne Unterbrechung des Gleises.
Bei der Bauart mit Gleisunterbrechung liegen die Schienen im Bereich der Waage direkt auf der Wägebrücke, die ständig wiegebereit ist.
Gut zu wissen
Der erste deutsche Ablaufberg wurde 1858 in Leipzig errichtet. Ablaufberge gibt es in Rangierbahnhöfen und in einigen Güter-, Werks- oder Hafenbahnhöfen.
Die meisten Achslastüberschreitungen lassen sich als außergewöhnliche Sendung behandeln, solange die Bauart des Wagens es zulässt. Die höheren Streckenklassen haben in Europa weitgehend nur theoretischen Charakter.
Wenn die Brücke den Wagen anhebt
Bei der Bauart ohne Gleisunterbrechung laufen die Schienen durchgehend über die Waagengrube.
Die Wägebrücke liegt dann zwischen den Schienenköpfen und ist in Grundstellung abgesenkt.
Zum Wiegen wird sie elektrisch angehoben, früher auch von Hand mit einer Winde.
Der Wagen steht dann auf den Kuppen seiner Spurkränze, ohne die Schienenköpfe zu berühren.
Währenddessen darf niemand über die Waage fahren, was ein Signal mit der Bedeutung Halt, Fahrverbot anzeigt.
Wiegen im Vorbeifahren
Bei dynamischen Gleiswaagen stecken elektronische Sensoren direkt im Gleis.
Dehnungsmessstreifen in der Schiene messen, wie stark sich die Schiene unter dem Fahrzeug durchbiegt.
Andere Systeme nutzen Wiegeschwellen mit eingebauten Sensoren.
Daraus lässt sich das Gewicht jedes Radsatzes oder Drehgestells berechnen.
Die Wagen müssen dafür nicht anhalten, sondern rollen mit etwa 10 km/h über die Messstelle.
Ein Blick auf die Räder
Dynamische Gleiswaagen können auch in durchgehende Hauptgleise eingebaut werden.
Dort dienen sie vor allem dazu, Unwuchten an Radsätzen zu erkennen.
In Russland und den USA sitzen Gleiswaagen teils in den Gleisen von Ablaufbergen.
Über einen solchen künstlichen Hügel rollen Güterwagen hinab und werden dabei nach ihren Zielen sortiert.
Die gemessenen Wagenmassen fließen dort in die Steuerung der Gleisbremsen ein, die die rollenden Wagen abbremsen.
Warum das Gewicht zählt
Entscheidend ist bei der Bahn vor allem die Achslast, also der Anteil der Gesamtmasse, der auf eine Achse entfällt.
Die zulässigen Achslasten sind in Deutschland für den Eisenbahnverkehr in der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung festgelegt.
Die meisten Hauptbahnen in Deutschland sind für Achslasten von 22,5 Tonnen zugelassen, bei Straßenbahnen sind etwa 10 Tonnen üblich.
Große Unterschiede zwischen den Achslasten eines Wagens erhöhen die Gefahr einer Entgleisung stark.
Aus der Achslast können zudem Geschwindigkeitsbeschränkungen folgen, um den Verschleiß des Gleises zu begrenzen.
Streckenklassen
Wie schwer ein Wagen sein darf, hängt von der Streckenklasse ab.
Sie legt die höchstzulässige Radsatzlast und die zulässige Last je Meter fest.
Begrenzend wirkt bei der Radsatzlast die Tragfähigkeit von Gleis und Untergrund, bei der Last je Meter vor allem die der Brücken.
Im Netz der DB InfraGO gehören 28.577 Kilometer und damit rund 86 Prozent zur Streckenklasse D4, der praktisch alle Hauptbahnen in Europa entsprechen.
Nebenstrecken sind meist einer der C-Klassen zugeordnet.
Wer die Waage prüft
Auch eine Gleiswaage muss genau messen.
Dafür gibt es Eichfahrzeuge, deren Gewicht sich auf ein Normal der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zurückführen lässt.
Sie werden zum Kalibrieren von Kränen, Gleiswaagen, Fahrzeugwaagen und vielen anderen Waagen eingesetzt.
Solche Fahrzeuge bieten private Firmen an, außerdem verfügen die Eichbehörden über eigene Eichfahrzeuge.
Meist sehen sie aus wie gewöhnliche Lastwagen, haben aber oft mehr Achsen und führen zusätzliche geeichte Gewichte mit.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Eisenbahnfahrzeuge werden auf Gleiswaagen gewogen, entweder einzeln im Stand oder im Vorbeifahren mit etwa 10 km/h.
Wichtig ist dabei nicht nur das Gesamtgewicht, sondern vor allem die Last auf jeder Achse und ihre gleichmäßige Verteilung.
Dynamische Waagen im Hauptgleis erkennen außerdem Unwuchten an Radsätzen.
Damit die Messung stimmt, werden die Waagen selbst mit Eichfahrzeugen überprüft.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
