Stimmt es, dass in Berlin zwei verschiedene U-Bahn-Größen fahren?

Stimmt es, dass …?

„Zurückbleiben bitte, auf der U2 fährt heute wieder ein schmaler Zug aus dem Kleinprofil.“

Stimmt es, dass in Berlin zwei verschiedene U-Bahn-Größen fahren?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. Die Berliner U-Bahn besteht aus zwei getrennten Netzen, dem Kleinprofil mit 2,30 Meter breiten Wagen auf den Linien U1 bis U4 und dem Großprofil mit 2,65 Meter breiten Wagen auf den Linien U5 bis U9.

Wer in Berlin von der U2 in die U7 umsteigt, merkt den Unterschied oft erst auf den zweiten Blick.

Die Züge sehen ähnlich aus, doch sie sind unterschiedlich breit, hoch und lang.

Dieser Mythos-Check zeigt, warum Berlin mit zwei U-Bahn-Größen lebt und woher diese Besonderheit stammt.

Berliner U Bahn Kurzschliesser und Strompruefkasten
Foto: Standardizer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

2,30 m

Kleinprofil

Wagenbreite auf den Linien U1 bis U4

2,65 m

Großprofil

Wagenbreite auf den Linien U5 bis U9

155,4 km

Gesamtnetz

mit 175 Bahnhöfen

Beide Netze haben die gleiche Spurweite von 1435 Millimetern, sind aber nur teilweise miteinander kompatibel.

Zwei Netze unter einer Stadt

Die Berliner U-Bahn wurde 1902 als Hoch- und Untergrundbahn eröffnet.

Heute besteht sie aus vier Kleinprofil- und fünf Großprofil-Linien mit 175 Bahnhöfen und einer Gesamtlänge von 155,4 Kilometern.

Die Linien U1 bis U4 gehören zum Kleinprofil, die Linien U5 bis U9 zum Großprofil.

Die beiden Bezeichnungen beziehen sich auf die Größe der Wagenkästen und das Lichtraumprofil der Strecken.

Ähnlich wie in London und New York gibt es damit zwei verschiedene Profile für Strecken und Fahrzeuge.

Berlin U Bahn Overground Nollendorfplatz
Foto: No machine-readable author provided. Awayanoder as, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

So breit wie eine Straßenbahn

Die ersten Strecken entstanden zwischen 1896 und 1913.

Sie wurden für Fahrzeuge mit einer Breite von 2,30 Metern ausgelegt, was etwa der Breite der damaligen Straßenbahnwagen entsprach.

Entsprechend klein sind die Tunnel dieser Strecken.

Die erste Stammstrecke wurde am 15. Februar 1902 zwischen Stralauer Thor und dem Bahnhof Zoologischer Garten eingeweiht, mit einem Abzweig zum Potsdamer Platz.

Dieses frühe Netz entstand in Berlin, Schöneberg, Charlottenburg, Wilmersdorf und Dahlem.

Gut zu wissen

Die erste Untergrundbahn Berlins entstand schon 1895 als Verbindungstunnel zwischen zwei Fabriken der AEG. Die eigentliche U-Bahn für Fahrgäste folgte erst 1902.

Die Kleinprofilstrecken bekamen 1902 westlich der Möckernstraße Schienen mit 115 Millimetern Höhe. Östlich davon waren 180 Millimeter hohe Schienen nötig, weil die Schwellen dort auf den Querträgern des Hochbahnviadukts lagen.

Das Großprofil kommt

Seit 1923, als die erste Linie im Großprofil eröffnet wurde, sind alle neuen Linien in diesem Profil gebaut worden.

Die Wagen dort sind etwa 2,65 Meter breit und damit deutlich geräumiger.

Die erste Großprofilstrecke war die Nord-Süd-Bahn, aus der die heutige U6 hervorging.

Auch die von der AEG begonnene GN-Bahn von Gesundbrunnen nach Neukölln, die heutige U8, entstand im großen Profil.

Bis 1930 wurde so das Großprofilnetz aufgebaut, danach folgte der Ausbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zahlen zum Vergleich

Ein Wagen der Kleinprofil-Baureihe A3 ist 12,83 Meter lang, 2,30 Meter breit und 3,18 Meter hoch.

Ein Wagen der Großprofil-Baureihe F misst dagegen 15,85 Meter in der Länge, 2,64 Meter in der Breite und 3,40 Meter in der Höhe.

Auch die Bahnsteige sind unterschiedlich hoch, im Kleinprofil etwa 85 Zentimeter, im Großprofil etwa 92,5 Zentimeter über der Schiene.

Ein Zug der Großprofil-Baureihe H besteht aus sechs durchgehend begehbaren Wagen und ist 98,74 Meter lang.

Auf den stark belasteten Kleinprofilstrecken können Achtwagenzüge mit rund 110 Metern Länge fahren.

Strom von oben, Strom von unten

Beide Netze fahren mit 750 Volt Gleichspannung aus einer seitlichen Stromschiene.

Im Kleinprofil wird die Stromschiene von oben bestrichen, und ihre Polarität ist positiv.

Im Großprofil wird die Schiene von unten bestrichen, und die Polarität ist negativ.

Diese Unterschiede sind technisch nicht notwendig, sie spiegeln den Stand der Technik zur Zeit der jeweiligen Entwicklung wider.

Auch bei der Signaltechnik unterscheiden sich die beiden Systeme.

Getrennte Werkstätten

Beide Systeme haben eigene Fahrzeuge, eigene Strecken und eigene Werkstätten.

Der Betrieb läuft deshalb unabhängig voneinander.

Ursprünglich waren die beiden Netze gar nicht miteinander verbunden.

Erst 1952 entstand im damaligen Ost-Berlin mit dem Klostertunnel eine Verbindung, 1978 folgte eine zweite im Westteil zwischen Deutscher Oper und Richard-Wagner-Platz.

Über diese Verbindungen wechseln zum Beispiel dieselbetriebene Arbeitszüge von einem Netz ins andere.

Wo die meisten fahren

Die Großprofillinien tragen heute einen großen Teil der Last.

Die Linien mit den meisten Fahrgästen sind die U7 und die U9, gefolgt von der U6.

Im Kleinprofil befördert die U2 die meisten Fahrgäste.

Die U4 hat dagegen die wenigsten Fahrgäste im gesamten Netz.

Die Bauwerke im Großprofil waren im Jahr 2001 mit 106,577 Kilometern mehr als doppelt so lang wie die im Kleinprofil mit 46,195 Kilometern.

Pläne für die große Lösung

Weil Kleinprofilzüge weniger Kapazität bieten, gab es mehrmals Pläne, das ganze Netz auf Großprofil umzustellen.

Diese Pläne sind jedoch nicht mehr aktuell.

Es gibt aber Überlegungen, einen Abschnitt der heutigen Kleinprofillinie U1 auf Großprofil umzustellen und später über den Alexanderplatz hinaus zu verlängern.

Ein Tunnelabschnitt wurde beim Bau der U9 und des U-Bahnhofs Kurfürstendamm bereits verbreitert.

Die beiden Größen bleiben damit auf absehbare Zeit ein Kennzeichen der Berliner U-Bahn.

Spuren der Teilung

Auch die Teilung der Stadt hat in den beiden Netzen Spuren hinterlassen.

Der östliche Abschnitt der U2 hatte nach dem Mauerbau bis zur Zusammenführung 1993 eine negative Polarität.

So konnten Züge ohne Wechsel der Polarität zur Großprofil-Linie E und zur Werkstatt Friedrichsfelde fahren.

Die Linie E war die einzige Großprofillinie, die in Ost-Berlin verlängert wurde, und 1973 kam etwa der Bahnhof Tierpark hinzu.

Weil es bei der Wiedervereinigung keine Kleinprofillinie 5 mehr gab, bekam die ehemalige Linie E die Bezeichnung U5.

Das Fazit

Der Mythos stimmt.

In Berlin fahren zwei verschiedene U-Bahn-Größen, das Kleinprofil mit 2,30 Meter breiten Wagen und das Großprofil mit 2,65 Meter breiten Wagen.

Die älteren Linien U1 bis U4 folgen noch dem Maß der Straßenbahnen um 1900, die Linien U5 bis U9 dem größeren Profil, das seit 1923 gebaut wird.

Beide Netze haben dieselbe Spurweite, aber eigene Fahrzeuge, eigene Werkstätten und unterschiedliche Stromschienen.

Wer in Berlin umsteigt, wechselt also manchmal nicht nur die Linie, sondern auch die Zuggröße.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Warum die Bahn für das ganze Land zählt

Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.

Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.

Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.

Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.

Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.

So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.

Häufige Fragen

Gibt es in Berlin wirklich zwei U-Bahn-Größen?
Ja. Das Kleinprofil mit 2,30 Meter breiten Wagen und das Großprofil mit 2,65 Meter breiten Wagen.
Welche Linien gehören zum Kleinprofil?
Die Linien U1, U2, U3 und U4.
Welche Linien gehören zum Großprofil?
Die Linien U5, U6, U7, U8 und U9.
Haben beide Netze die gleiche Spurweite?
Ja, beide fahren auf Normalspur mit 1435 Millimetern, sind aber nur teilweise miteinander kompatibel.
Sind die beiden Netze verbunden?
Ja, seit 1952 und 1978 gibt es je eine Verbindung, über die zum Beispiel Arbeitszüge wechseln können.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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