Stimmt es, dass …?
„Achtung am Verladebahnhof, der Zirkuszug mit den Elefanten fährt ein, die Parade beginnt gleich.“
Stimmt es, dass Zirkusse mit eigenen Zügen reisten?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Der Circus Krone war bis 1999 großteils mit eigenen Sonderzügen von bis zu 700 Metern Länge in Europa unterwegs, und in den USA besaß der Zirkus Ringling Bros. and Barnum & Bailey die größten privaten Züge des Landes.
Wenn früher ein großer Zirkus in die Stadt kam, war das ein Ereignis.
Löwen, Elefanten, Artisten und das riesige Zelt mussten von Stadt zu Stadt gebracht werden.
Ob die Zirkusse dafür eigene Züge hatten, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
700 m
Circus Krone
maximale Länge der Zirkuszüge
2000 t
Circus Krone
maximales Gewicht der Züge
1,6 km
Ringling
zwei Sonderzüge mit je etwa 60 Wagen
Ende 1999 gab der Circus Krone den Bahntransport komplett auf.
Die Idee kam aus Amerika
Viele Dinge, die heute zum Bild des Zirkus gehören, kamen aus den Vereinigten Staaten.
Dazu zählen das Reisen mit der Eisenbahn und die Vereinigung von Zirkus und Menagerie.
Zuvor hatte es die Zurschaustellung wilder Tiere getrennt vom Zirkus gegeben.
Auch Sägespäne statt Manegenteppich oder Sand stammen aus dieser Tradition.

Parade vom Verladebahnhof
Typisch für den Zirkus der Nachkriegsjahre war eine Parade durch die Stadt zu Beginn eines Gastspiels.
Artisten, Clowns und ein Teil der Tiere zogen dabei als Werbung durch die Straßen.
Da große Zirkusse oft mit der Eisenbahn von Stadt zu Stadt reisten, begann dieser Umzug häufig am Verladebahnhof.
Von dort zogen Artisten und Tiere dann durch die Stadt bis zum Spielort.
So wurde schon die Ankunft mit dem Zug zu einem Teil der Vorstellung.
Gut zu wissen
Der Name Sarrasani entwickelte sich in der kollektiven Erinnerung zu einem Synonym für Zirkus. Kulturbezüge finden sich unter anderem im Tango und in der Literatur.
Beim Zirkus Ringling war der Ringmaster mehr als nur Ansager. Er galt als Gesicht des Zirkus und wurde oft für Werbung eingesetzt.
Circus Krone auf Schienen
Der Circus Krone bezeichnet sich selbst als größten Zirkus der Welt.
Er wurde 1905 von Carl Krone im Harz unter dem Namen Circus Charles als Tierschau gegründet.
Seine Geschichte reicht bis 1870 zurück, als Karl Krone senior eine Wandermenagerie gründete.
Im selben Jahr wurde sein Sohn und späterer Nachfolger Carl Krone geboren, und die Menagerie zog durch Europa.
Bis 1999 war der Zirkus großteils mit eigenen Sonderzügen in ganz Europa unterwegs.
Züge von 700 Metern
Die speziellen Zirkuszüge des Circus Krone waren bis zu 700 Meter lang.
Sie konnten bis zu 2000 Tonnen schwer sein.
Einzigartig war, dass der Zirkus eigene Transportwagen für Elefanten besaß.
Mit Wagen für Tiere, Zelte und Ausrüstung glich ein solcher Zug einem rollenden Dorf.
An jedem Gastspielort brauchte ein solcher Zug passende Gleise und Rampen, um Tiere und Wagen zu entladen.
Warum Krone die Schiene verließ
Mit der Zeit wurde der Bahntransport für den Zirkus immer schwieriger.
Die Deutsche Bahn ließ immer mehr Güterbahnhöfe und Nebenstrecken einstellen.
Zudem fehlte es zunehmend an geeigneten Verladerampen.
Der Bahntransport wurde dadurch logistisch immer aufwendiger und Ende 1999 schließlich komplett aufgegeben.
Seitdem wickelt der Circus Krone seine gesamte Logistik mit Tiefladern über die Straße ab.
Eine Zeltstadt auf Rädern
Bei Gastspielen leben und arbeiten beim Circus Krone fast 300 Menschen.
Die Zeltstadt besteht aus 330 Wohn-, Pack- und Gerätewagen.
Zum Zirkus gehören eigene Werkstätten, eine Personalküche, eine Sattlerei und eine Schneiderei.
Für die Kinder der Zirkusangehörigen gibt es sogar eine eigene Schule, dazu kommt eine Betriebsfeuerwehr.
Die größten Privatzüge Amerikas
In den USA reiste der Zirkus Ringling Bros. and Barnum & Bailey, der sich The Greatest Show on Earth nannte.
Er entstand 1919 aus der Fusion des Barnum & Bailey Circus mit dem Ringling Brothers Circus.
Den Barnum & Bailey Circus hatten einst P. T. Barnum und James Anthony Bailey gegründet.
Mit zwei Sonderzügen von jeweils etwa 60 Wagen und einer Gesamtlänge von einer Meile besaß er die größten privaten Züge der USA.
Eine Meile entspricht dabei rund 1,6 Kilometern.
Wohnen im Zirkuszug
Die Züge transportierten die beiden größten Ensembles des Zirkus.
Einigen Angestellten boten sie zugleich eine dauerhafte Unterkunft.
Für eine dritte Einheit verzichtete der Zirkus dagegen auf die Bahn und setzte Lastwagen ein.
Am 21. Mai 2017 gab der Zirkus seine vorerst letzte Vorstellung.
Im Jahr 2021 wurde angekündigt, dass eine neue Tour im Herbst 2023 beginnen soll.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Große Zirkusse reisten lange mit der Eisenbahn, oft in eigenen Sonderzügen.
Der Circus Krone war bis Ende 1999 mit Zügen von bis zu 700 Metern Länge und eigenen Elefantenwagen unterwegs.
In den USA besaß Ringling Bros. and Barnum & Bailey mit zwei Zügen von zusammen einer Meile Länge die größten Privatzüge des Landes.
Dass Krone die Schiene verließ, lag auch an fehlenden Güterbahnhöfen und Verladerampen.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
