Stimmt es, dass …?
„Auf Gleis 7 fährt ein: der metronom nach Hamburg Hauptbahnhof, ein Regionalzug, der nicht zur Deutschen Bahn gehört.“
Stimmt es, dass viele Regionalzüge gar nicht von der Deutschen Bahn gefahren werden?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Im September 2023 erbrachten Unternehmen außerhalb der Deutschen Bahn 41,5 Prozent der Betriebsleistung im Schienennahverkehr, gemessen in Zugkilometern, doch die Deutsche Bahn bleibt der größte Anbieter.
Züge mit Namen wie metronom, enno, Arverio oder NordWestBahn gehören für viele Pendler längst zum Alltag.
Trotzdem hält sich die Vorstellung, dass auf deutschen Gleisen im Grunde nur die Deutsche Bahn unterwegs ist.
Dieser Mythos-Check zeigt, wie groß der Anteil der anderen Bahnunternehmen wirklich ist und wem diese Unternehmen gehören.

Die Fakten in Zahlen
41,5 %
September 2023
Anteil anderer Unternehmen am Schienennahverkehr
9,9 %
2003
Anteil zwanzig Jahre zuvor
65
Unternehmen
fahren Regionalverkehr im Auftrag der Länder
Gemessen wird der Anteil an der Betriebsleistung, also an den gefahrenen Zugkilometern.
Ein Markt mit vielen Namen
Seit der Bahnreform dürfen im Nahverkehr auf der Schiene nicht nur Züge der Deutschen Bahn fahren.
Die Länder und ihre Verbände bestellen den Regionalverkehr und vergeben ihn an das Unternehmen, das den Zuschlag erhält.
Ein großer Teil dieser Leistungen wird wettbewerblich in Ausschreibungen vergeben.
Derzeit fahren insgesamt 65 verschiedene Eisenbahnverkehrsunternehmen Regionalverkehr im Auftrag der Länder.
Die Aufgabenträger bezahlen diese Leistungen vor allem mit den Regionalisierungsmitteln des Bundes.

Von zehn auf über vierzig Prozent
Seit der Bahnreform ist der Anteil der anderen Unternehmen am Schienennahverkehr kontinuierlich gestiegen.
Im Jahr 2003 lag er bei 9,9 Prozent der Betriebsleistung.
Im September 2023 waren es bereits 41,5 Prozent, gemessen in Zugkilometern.
Damit werden inzwischen rund vier von zehn Zugkilometern im Regionalverkehr nicht von der Deutschen Bahn gefahren.
Gut zu wissen
Als nichtbundeseigene Eisenbahnen gelten in Deutschland alle Bahnunternehmen, die nicht mehrheitlich dem Bund gehören. Für ihre Aufsicht ist in der Regel das jeweilige Bundesland zuständig, viele Länder haben diese Aufgabe aber zumindest teilweise dem Eisenbahn-Bundesamt übertragen.
Der Interessenverband mofair wurde am 9. September 2005 in Berlin gegründet. Er vertritt private, unabhängige und wettbewerbliche Verkehrsunternehmen im öffentlichen Nahverkehr.
Die Deutsche Bahn bleibt die Größte
Im Jahr 2002 lag der Marktanteil von DB Regio im Schienennahverkehr noch bei 92 Prozent.
Bis zum Jahr 2015 war der Anteil der Deutschen Bahn auf 71 Prozent gesunken.
Trotz dieser Verluste ist DB Regio weiterhin der Marktführer im deutschen Regionalverkehr.
Im Jahr 2024 überschritt ihr Umsatz erstmals die Marke von 10 Milliarden Euro.
Die Zentrale von DB Regio sitzt in Frankfurt am Main.
Wer die Konkurrenten sind
Einer der bekanntesten Wettbewerber ist die Metronom Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Uelzen.
Sie zählt mit täglich über 100.000 Fahrgästen zu den größten nichtbundeseigenen Eisenbahnen Deutschlands.
Unter der Marke metronom fährt sie unter anderem die Linien Hamburg–Bremen und Uelzen–Celle–Hannover, unter der Marke enno Strecken rund um Wolfsburg.
Weitere große Anbieter im Regionalverkehr sind zum Beispiel Transdev, Netinera, National Express und Arverio.
Auf den metronom-Linien fahren Doppelstockwagen von Bombardier, auf den enno-Linien Elektrotriebwagen von Alstom.
Oft stecken Staatsbahnen dahinter
Viele Konkurrenten der Deutschen Bahn sind gar keine klassischen Privatbahnen.
Netinera ist zum Beispiel ein Tochterunternehmen von Trenitalia, der Personenverkehrssparte der italienischen Staatsbahn.
Arverio, früher Go-Ahead Deutschland, gehört seit dem 1. Februar 2024 zum Konzern der Österreichischen Bundesbahnen.
Unternehmen im Mehrheitsbesitz von Staaten, Bundesländern oder Kommunen erbringen einschließlich der Deutschen Bahn rund 87 Prozent der Betriebsleistung im Schienennahverkehr.
Wurzeln in ganz Europa
Die Transdev GmbH mit Sitz in Berlin ist das zweitgrößte in Deutschland aktive Eisenbahn- und Busunternehmen.
Sie ist ein Tochterunternehmen der französischen Transdev Group und hieß bis 2015 Veolia Verkehr.
Die National Express Holding mit Sitz in Düsseldorf wurde 2014 gegründet und gehört zur britischen Mobico Group.
So fahren im deutschen Regionalverkehr Unternehmen mit Wurzeln in Italien, Frankreich, Österreich und Großbritannien.
Arverio fährt über die Töchter Arverio Baden-Württemberg und Arverio Bayern vor allem in Süddeutschland.
Wie ein Betreiberwechsel abläuft
Gewinnt ein Unternehmen eine Ausschreibung, übernimmt es den Betrieb für die Laufzeit des Verkehrsvertrags.
Solche Verträge laufen typischerweise 8 bis 15 Jahre.
Der Aufgabenträger gibt dabei vor, welche Linien in welchem Takt und mit welcher Qualität gefahren werden.
Für die Fahrgäste ändern sich deshalb vor allem der Name des Betreibers und oft auch die Fahrzeuge, während Linien und Takt vom Aufgabenträger festgelegt werden.
Ein Tarif für alle
Damit Reisende nicht für jedes Unternehmen eine eigene Fahrkarte brauchen, gibt es gemeinsame Tarife.
Seit dem 1. Januar 2022 gilt im Schienennahverkehr der Deutschlandtarif, der den früheren Nahverkehrstarif der Deutschen Bahn ablöste.
Verantwortlich dafür ist die Deutschlandtarifverbund GmbH, an der Aufgabenträger und Eisenbahnverkehrsunternehmen beteiligt sind.
Zuvor regelte der Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen die gemeinsame Abrechnung, er wurde Ende 2022 aufgelöst.
Im Fernverkehr sieht es anders aus
Im Fernverkehr gibt es keine öffentlichen Zuschüsse für den Zugbetrieb, dort fahren die Unternehmen auf eigene Rechnung.
Private Anbieter konnten sich dort trotz der Öffnung des Marktes bisher kaum etablieren.
Ihr Marktanteil an der Verkehrsleistung im Fernverkehr lag im Jahr 2012 unter 2 Prozent.
Es verkehren nur einzelne eigenwirtschaftliche Fernzüge privater Anbieter.
Das Fazit
Der Mythos stimmt: Ein großer Teil der Regionalzüge in Deutschland wird nicht von der Deutschen Bahn gefahren.
Im September 2023 lag der Anteil anderer Unternehmen bei 41,5 Prozent der Zugkilometer.
Die Deutsche Bahn ist trotzdem weiterhin der größte Anbieter im Regionalverkehr.
Hinter vielen Konkurrenten stehen zudem Staatsbahnen aus anderen Ländern Europas, sodass der Wettbewerb oft zwischen öffentlichen Unternehmen stattfindet.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
