Stimmt es, dass die Berliner Ringbahn erst seit 2002 wieder im Kreis fährt?

Stimmt es, dass …?

„Ringbahn S41 im Uhrzeigersinn, nächste Runde in 60 Minuten, einfach sitzen bleiben.“

Stimmt es, dass die Berliner Ringbahn erst seit 2002 wieder im Kreis fährt?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt fast. Nach der Teilung durch die Mauer wurde der S-Bahn-Ring am 15. Juni 2002 wieder geschlossen, doch Züge, die ohne Ende im Kreis fahren, gibt es erst wieder seit Mai 2006.

Die Berliner Ringbahn ist für viele Menschen das Rückgrat der Stadt.

Dass die Züge dort jahrzehntelang nicht im Kreis fahren konnten, wissen viele Jüngere gar nicht mehr.

Dieser Mythos-Check zeigt, wann der Ring zerschnitten wurde, wann er wieder zusammenwuchs und warum 2002 nur fast das richtige Jahr ist.

S Bahn Berlin Gesundbrunnen 1980
Foto: David Charding on flickr.com, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

37 km

Ringbahn

legt sich um die Berliner Innenstadt

15.06.2002

Lückenschluss

der S-Bahn-Ring ist wieder geschlossen

60 Minuten

eine Runde

brauchen die Züge der S41 und S42

Auf den S-Bahn-Gleisen des Rings gibt es täglich rund 1100 Zugfahrten mit über einer halben Million Fahrgästen.

Der Hundekopf

Die Berliner Ringbahn ist eine rund 37 Kilometer lange Strecke, die als geschlossener Ring die Innenstadt umgibt.

Wegen ihrer Form auf dem Stadtplan wird sie auch Hundekopf genannt.

Neben zwei Gleisen für die S-Bahn gibt es abschnittsweise weitere Gleise für Fern-, Regional- und Güterverkehr.

Das Gebiet innerhalb des Rings bildet die Tarifzone A des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg.

Auch die Berliner Umweltzone entspricht weitgehend dem Gebiet innerhalb der Ringbahn.

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Foto: Dirk Ingo Franke, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Gebaut ab 1867

Der Bau der Ringbahn begann im Jahr 1867.

Im Juli 1871 ging ein erster Abschnitt in Betrieb, der vom Bahnhof Moabit über Gesundbrunnen, Rixdorf und Tempelhof nach Schöneberg führte.

Im November 1877 wurde der Ring geschlossen.

Als Vorläufer gab es seit 1851 eine Verbindungsbahn zwischen den Kopfbahnhöfen der Stadt, die aber noch keinen Ring bildete.

Von 1944 bis zum Mauerbau 1961 fuhren die S-Bahn-Züge als Vollring-Züge rund um die Innenstadt.

Gut zu wissen

In Ost-Berlin blieb die S-Bahn nach 1961 mit einem Anteil von etwa 35 Prozent das Verkehrsmittel mit den meisten Fahrgästen. Der Ostteil des Rings wurde dort mit mehreren Vorortstrecken verbunden.

Die wieder aufgebauten Anlagen sollten mindestens die Leistungsfähigkeit des Jahres 1945 erreichen, auf Basis moderner Technik. Während der Teilung war die Leistungsfähigkeit der Fernbahngleise dagegen reduziert worden, etwa durch langsamere Geschwindigkeiten und abgeschaltete Beleuchtung.

Zerschnitten durch die Mauer

Der Mauerbau am 13. August 1961 unterbrach die Ringbahn an zwei Stellen.

Im Westteil entstand ein eigenständiger Dreiviertelring zwischen Gesundbrunnen und Sonnenallee.

Im Ostteil wurde der verbliebene Abschnitt zwischen Schönhauser Allee und Treptower Park mit Vorortstrecken nach Bernau, Königs Wusterhausen und zum Flughafen Schönefeld verknüpft.

Auf dem westlichen Teil gingen die Fahrgastzahlen danach immer weiter zurück.

Betrieben wurde die S-Bahn auch im Westen weiterhin von der Deutschen Reichsbahn der DDR.

Stillstand nach 1980

Im September 1980 wurde der S-Bahn-Betrieb auf dem westlichen Ringteil nach dem zweiten Reichsbahnerstreik eingestellt.

Danach ruhte der Verkehr auf dem westlichen Dreiviertelring rund 13 Jahre lang.

Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage der DDR wurden in dieser Zeit Gleise, Weichen und Signalanlagen ausgebaut und im Gebiet der DDR weiterverwendet.

Am 9. Januar 1984 gingen die Betriebsrechte für die S-Bahn in West-Berlin auf die BVG über.

Zunächst war danach geplant, den Ringabschnitt zwischen Westend und Sonnenallee wieder aufzubauen.

Stück für Stück zurück

Nach der Wiedervereinigung wurde der westliche Teil des Rings in mehreren Etappen wieder in Betrieb genommen.

Am 17. Dezember 1993 fuhren wieder S-Bahnen auf dem Abschnitt zwischen Neukölln und Westend.

Im September 2001 rollten auch zwischen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen wieder Züge über die ehemalige Grenze.

Am 15. Juni 2002 schloss sich der S-Bahn-Ring mit der Verbindung von Wedding nach Westhafen wieder.

Der letzte Abschnitt zwischen Westhafen und Gesundbrunnen wurde vom Bundesverkehrsminister und vom Bahnchef feierlich eröffnet.

Erst Schnecke, dann Kreis

Mit dem Lückenschluss fuhren die Züge aber noch nicht wie früher im Kreis.

Zunächst galt das sogenannte Schneckenkonzept, bei dem die Züge von Süden in Neukölln auf den Ring kamen und ihn anderthalb Mal umrundeten.

Erst seit Mai 2006 fährt die S-Bahn auf der Ringbahn wieder nach dem Vollring-Konzept.

Die Linie S41 fährt dabei im Uhrzeigersinn, die S42 gegen den Uhrzeigersinn.

Eine Runde dauert 60 Minuten.

Ein Ring im Takt

In der Hauptverkehrszeit fahren die Ringzüge alle fünf Minuten, sonst alle zehn Minuten.

Auf den S-Bahn-Gleisen des Rings gibt es täglich rund 1100 Zugfahrten.

Sie befördern über eine halbe Million Fahrgäste am Tag.

2018 gehörte der Abschnitt zwischen Treptower Park und Ostkreuz mit rund 170.000 Fahrgästen täglich zu den meistbefahrenen der Berliner S-Bahn.

Wer im Zug sitzen bleibt, ist nach einer Stunde wieder am Ausgangspunkt.

Pläne für neue Halte

Auch heute wird über Ergänzungen am Ring nachgedacht.

Schon in den 1930er Jahren war an der Oderstraße in Neukölln ein Betriebswerk mit einem Bahnhof geplant.

In den 2010er Jahren gab es Pläne für einen zusätzlichen Halt südlich des Tempelhofer Feldes.

Im Stadtentwicklungsplan Verkehr von 2011 stand er als Maßnahme in der Potentialabschätzung, mit unklarer Lage und ungeklärter Finanzierung.

Ein Zeitplan für diesen Halt stand dabei nicht fest.

Der Ring und die Stadt

Die Ringbahn ist mit der Stadtbahn in ost-westlicher Richtung und mit mehreren radial zur Innenstadt führenden Strecken verbunden.

Der Name Hundekopf ist sogar in den Sprachgebrauch der Berliner Politik eingezogen.

Die Fläche innerhalb des Rings beträgt rund 88 Quadratkilometer.

Der Ring dient also nicht nur dem Verkehr, sondern auch als Grenze für Tarife und Umweltregeln.

An den Bahnhöfen Ostkreuz und Westkreuz treffen Ringbahn und Stadtbahn aufeinander.

Das Fazit

Der Mythos stimmt fast.

Die Mauer zerschnitt die Ringbahn 1961, und nach 1980 ruhte der Verkehr auf dem westlichen Teil sogar rund 13 Jahre.

Am 15. Juni 2002 wurde der S-Bahn-Ring wieder geschlossen.

Richtig im Kreis fahren die Züge nach dem Vollring-Konzept aber erst wieder seit Mai 2006.

Wer sagt, die Ringbahn fahre seit 2002 wieder im Kreis, liegt also nur um ein paar Jahre daneben.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Häufige Fragen

Fährt die Berliner Ringbahn wieder im Kreis?
Ja. Seit Mai 2006 fahren die Linien S41 und S42 wieder als Vollring rund um die Innenstadt.
Wann wurde der Ring wieder geschlossen?
Am 15. Juni 2002 mit der Verbindung von Wedding nach Westhafen.
Warum war der Ring unterbrochen?
Der Mauerbau 1961 trennte die Strecke an zwei Stellen, nach 1980 ruhte der Verkehr im Westteil sogar rund 13 Jahre.
Wie lange dauert eine Runde?
Die Züge der S41 und S42 brauchen für eine Runde 60 Minuten.
Warum heißt die Ringbahn Hundekopf?
Wegen ihrer Form auf dem Stadtplan, die an einen Hundekopf erinnert.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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