Stimmt es, dass …?
„Achtung am Bahnsteig, der Sonderzug nach Pankow fährt heute im Swing-Takt, bitte die Lederjacke nicht vergessen.“
Stimmt es, dass Sonderzug nach Pankow eine amerikanische Melodie hat?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Udo Lindenbergs Lied von 1983 beruht auf der Melodie des amerikanischen Swing-Klassikers Chattanooga Choo Choo aus dem Jahr 1941, der seinerseits von einer Zugfahrt nach Tennessee erzählt.
Ein Rockmusiker aus dem Westen will im Osten spielen und schreibt dafür ein Lied über einen Sonderzug.
Die Melodie dazu klingt vielen Menschen seltsam vertraut, und das hat einen guten Grund.
Woher der Sonderzug nach Pankow seine Musik hat, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
1941
Original
Aufnahme von Chattanooga Choo Choo in den USA
Platz 5
1983
höchste Platzierung in der westdeutschen Hitparade
4200
25.10.1983
FDJ-Mitglieder beim Auftritt im Palast der Republik
Die Single ist 3:01 Minuten lang, die Fassung auf dem Album Odyssee 3:31 Minuten.
Ein Lied mit geliehener Melodie
Sonderzug nach Pankow ist ein Lied des Rockmusikers Udo Lindenberg.
Es beruht auf der Melodie des amerikanischen Klassikers Chattanooga Choo Choo aus dem Jahr 1941.
Lindenberg schrieb dazu einen ganz neuen deutschen Text.
Veröffentlicht wurde das Lied 1983 als Single.
Aus einer Zugfahrt nach Tennessee wurde so ein Sonderzug in die DDR.

Das Original aus den USA
Die Musik von Chattanooga Choo Choo stammt von Harry Warren, den Text schrieb Mack Gordon.
Das Lied erzählt von einer Fahrt mit einer Dampflok von New York City nach Chattanooga in Tennessee.
Die berühmteste Aufnahme spielte Glenn Miller mit seinem Orchester im Mai 1941 ein.
Sie stand neun Wochen lang auf Platz eins der Billboard-Charts.
Eine erste deutsche Fassung gab es schon 1947 unter dem Titel Kötzschenbroda-Express.
Gut zu wissen
Udo Lindenberg wurde 1946 in Gronau in Westfalen geboren. Zu seinen bekanntesten Liedern gehören neben dem Sonderzug auch Alles klar auf der Andrea Doria und Cello.
Mehrere DJs, in der DDR Schallplattenunterhalter genannt, verloren 1983 ihre Lizenz, weil sie das Lied trotzdem öffentlich spielten. Otto Waalkes parodierte das Stück später in seinen musikalischen Variationen von Hänsel und Gretel.
Ein Wunsch im Radio
Im März 1979 äußerte Udo Lindenberg in einem Interview im West-Berliner Rundfunk den Wunsch, für seine Fans in Ost-Berlin ein Konzert zu geben.
Das Interview wurde in der DDR mitgeschnitten und einen Tag später dem Kulturverantwortlichen der SED, Kurt Hager, vorgelegt.
Hager notierte darauf, ein Auftritt in der DDR komme nicht in Frage.
Lindenberg war über diese Absage verärgert.
Anfang 1983 kam er deshalb auf die Idee, einen deutschen Text zur Melodie von Chattanooga Choo Choo zu schreiben.
Warum ausgerechnet Pankow
Der Text richtet sich in ironischer Weise direkt an den damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.
Der Titel nennt den Berliner Bezirk Pankow, weil dort das Schloss Schönhausen liegt.
Es war von 1949 bis 1960 Sitz des Präsidenten der DDR und bis 1964 Sitz des Staatsrates.
In der Anfangszeit des Kalten Krieges stand Pankow im Volksmund deshalb für den Regierungssitz der sowjetischen Besatzungszone.
Der Sonderzug im Titel fährt also symbolisch zur Staatsführung der DDR.
Eine Durchsage auf Russisch
Ganz am Ende des Liedes ist eine Bahnhofsdurchsage auf Russisch zu hören.
Darin heißt es sinngemäß, der Oberste Sowjet habe nichts gegen ein Gastspiel von Herrn Lindenberg in der DDR.
Diese Passage sollte darauf hinweisen, dass wesentliche Entscheidungen der DDR in der Sowjetunion getroffen wurden.
So bekommt der Zug im Lied sogar eine eigene Ansage wie auf einem echten Bahnsteig.
Die Single dauert 3:01 Minuten, auf dem Album Odyssee ist das Lied 3:31 Minuten lang.
Ein Hit im Westen
Am 2. Februar 1983 erschien die Single in der Bundesrepublik, Lindenberg hatte sie selbst produziert.
Schon am 7. Februar 1983 stieg sie in die Hitparade ein und erreichte dort Platz fünf.
Das war Lindenbergs bis dahin beste Platzierung.
Insgesamt blieb die Single 21 Wochen in den Charts, davon sieben Wochen in den Top 10.
In Österreich kam sie sogar auf Platz drei.
Ein einziger Auftritt im Osten
Nach einigem Hin und Her lud die FDJ Lindenberg zu einem Friedenskonzert im Palast der Republik in Ost-Berlin ein.
Am 25. Oktober 1983 trat er dort beim Festival Rock für den Frieden vor 4200 FDJ-Mitgliedern auf.
Es blieb bis zur Wende sein einziger Auftritt in der DDR.
Den Sonderzug nach Pankow sang er dort auf Wunsch der DDR-Führung nicht, und seine für 1984 geplante Tournee wurde abgesagt.
Verboten war das Lied in der DDR nicht, eine öffentliche Aufführung war aber unerwünscht.
Lederjacke und Schalmei
Im Lied heißt es, Honecker ziehe heimlich gern eine Lederjacke an.
Im Jahr 1987 schickte Lindenberg ihm tatsächlich eine Lederjacke.
Honecker antwortete mit einem Dankesbrief und legte eine Schalmei bei, ein Instrument, das er in seiner Jugend gespielt hatte.
Im September 1987 schenkte Lindenberg ihm bei einem Besuch in Wuppertal außerdem eine E-Gitarre.
Nach der Wende zeigte sich, dass im Radio von Honeckers Dienstwagen tatsächlich ein West-Berliner Sender eingestellt war.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Sonderzug nach Pankow beruht auf der Melodie von Chattanooga Choo Choo, einem amerikanischen Swing-Klassiker aus dem Jahr 1941.
Schon das Original erzählt von einer Zugfahrt, und zwar mit einer Dampflok von New York nach Tennessee.
Udo Lindenberg machte daraus 1983 einen ironischen Sonderzug zur DDR-Führung, der in der Bundesrepublik bis auf Platz fünf der Hitparade kam.
So fuhr eine amerikanische Eisenbahnmelodie mitten hinein in die deutsch-deutsche Geschichte.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
