Stimmt es, dass Sonderzug nach Pankow eine amerikanische Melodie hat?

Stimmt es, dass …?

„Achtung am Bahnsteig, der Sonderzug nach Pankow fährt heute im Swing-Takt, bitte die Lederjacke nicht vergessen.“

Stimmt es, dass Sonderzug nach Pankow eine amerikanische Melodie hat?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. Udo Lindenbergs Lied von 1983 beruht auf der Melodie des amerikanischen Swing-Klassikers Chattanooga Choo Choo aus dem Jahr 1941, der seinerseits von einer Zugfahrt nach Tennessee erzählt.

Ein Rockmusiker aus dem Westen will im Osten spielen und schreibt dafür ein Lied über einen Sonderzug.

Die Melodie dazu klingt vielen Menschen seltsam vertraut, und das hat einen guten Grund.

Woher der Sonderzug nach Pankow seine Musik hat, zeigt dieser Mythos-Check.

Pankow station entrance and market
Foto: Orderinchaos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

1941

Original

Aufnahme von Chattanooga Choo Choo in den USA

Platz 5

1983

höchste Platzierung in der westdeutschen Hitparade

4200

25.10.1983

FDJ-Mitglieder beim Auftritt im Palast der Republik

Die Single ist 3:01 Minuten lang, die Fassung auf dem Album Odyssee 3:31 Minuten.

Ein Lied mit geliehener Melodie

Sonderzug nach Pankow ist ein Lied des Rockmusikers Udo Lindenberg.

Es beruht auf der Melodie des amerikanischen Klassikers Chattanooga Choo Choo aus dem Jahr 1941.

Lindenberg schrieb dazu einen ganz neuen deutschen Text.

Veröffentlicht wurde das Lied 1983 als Single.

Aus einer Zugfahrt nach Tennessee wurde so ein Sonderzug in die DDR.

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Foto: Christian Liebscher, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Original aus den USA

Die Musik von Chattanooga Choo Choo stammt von Harry Warren, den Text schrieb Mack Gordon.

Das Lied erzählt von einer Fahrt mit einer Dampflok von New York City nach Chattanooga in Tennessee.

Die berühmteste Aufnahme spielte Glenn Miller mit seinem Orchester im Mai 1941 ein.

Sie stand neun Wochen lang auf Platz eins der Billboard-Charts.

Eine erste deutsche Fassung gab es schon 1947 unter dem Titel Kötzschenbroda-Express.

Gut zu wissen

Udo Lindenberg wurde 1946 in Gronau in Westfalen geboren. Zu seinen bekanntesten Liedern gehören neben dem Sonderzug auch Alles klar auf der Andrea Doria und Cello.

Mehrere DJs, in der DDR Schallplattenunterhalter genannt, verloren 1983 ihre Lizenz, weil sie das Lied trotzdem öffentlich spielten. Otto Waalkes parodierte das Stück später in seinen musikalischen Variationen von Hänsel und Gretel.

Ein Wunsch im Radio

Im März 1979 äußerte Udo Lindenberg in einem Interview im West-Berliner Rundfunk den Wunsch, für seine Fans in Ost-Berlin ein Konzert zu geben.

Das Interview wurde in der DDR mitgeschnitten und einen Tag später dem Kulturverantwortlichen der SED, Kurt Hager, vorgelegt.

Hager notierte darauf, ein Auftritt in der DDR komme nicht in Frage.

Lindenberg war über diese Absage verärgert.

Anfang 1983 kam er deshalb auf die Idee, einen deutschen Text zur Melodie von Chattanooga Choo Choo zu schreiben.

Warum ausgerechnet Pankow

Der Text richtet sich in ironischer Weise direkt an den damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.

Der Titel nennt den Berliner Bezirk Pankow, weil dort das Schloss Schönhausen liegt.

Es war von 1949 bis 1960 Sitz des Präsidenten der DDR und bis 1964 Sitz des Staatsrates.

In der Anfangszeit des Kalten Krieges stand Pankow im Volksmund deshalb für den Regierungssitz der sowjetischen Besatzungszone.

Der Sonderzug im Titel fährt also symbolisch zur Staatsführung der DDR.

Eine Durchsage auf Russisch

Ganz am Ende des Liedes ist eine Bahnhofsdurchsage auf Russisch zu hören.

Darin heißt es sinngemäß, der Oberste Sowjet habe nichts gegen ein Gastspiel von Herrn Lindenberg in der DDR.

Diese Passage sollte darauf hinweisen, dass wesentliche Entscheidungen der DDR in der Sowjetunion getroffen wurden.

So bekommt der Zug im Lied sogar eine eigene Ansage wie auf einem echten Bahnsteig.

Die Single dauert 3:01 Minuten, auf dem Album Odyssee ist das Lied 3:31 Minuten lang.

Ein Hit im Westen

Am 2. Februar 1983 erschien die Single in der Bundesrepublik, Lindenberg hatte sie selbst produziert.

Schon am 7. Februar 1983 stieg sie in die Hitparade ein und erreichte dort Platz fünf.

Das war Lindenbergs bis dahin beste Platzierung.

Insgesamt blieb die Single 21 Wochen in den Charts, davon sieben Wochen in den Top 10.

In Österreich kam sie sogar auf Platz drei.

Ein einziger Auftritt im Osten

Nach einigem Hin und Her lud die FDJ Lindenberg zu einem Friedenskonzert im Palast der Republik in Ost-Berlin ein.

Am 25. Oktober 1983 trat er dort beim Festival Rock für den Frieden vor 4200 FDJ-Mitgliedern auf.

Es blieb bis zur Wende sein einziger Auftritt in der DDR.

Den Sonderzug nach Pankow sang er dort auf Wunsch der DDR-Führung nicht, und seine für 1984 geplante Tournee wurde abgesagt.

Verboten war das Lied in der DDR nicht, eine öffentliche Aufführung war aber unerwünscht.

Lederjacke und Schalmei

Im Lied heißt es, Honecker ziehe heimlich gern eine Lederjacke an.

Im Jahr 1987 schickte Lindenberg ihm tatsächlich eine Lederjacke.

Honecker antwortete mit einem Dankesbrief und legte eine Schalmei bei, ein Instrument, das er in seiner Jugend gespielt hatte.

Im September 1987 schenkte Lindenberg ihm bei einem Besuch in Wuppertal außerdem eine E-Gitarre.

Nach der Wende zeigte sich, dass im Radio von Honeckers Dienstwagen tatsächlich ein West-Berliner Sender eingestellt war.

Das Fazit

Der Mythos stimmt.

Sonderzug nach Pankow beruht auf der Melodie von Chattanooga Choo Choo, einem amerikanischen Swing-Klassiker aus dem Jahr 1941.

Schon das Original erzählt von einer Zugfahrt, und zwar mit einer Dampflok von New York nach Tennessee.

Udo Lindenberg machte daraus 1983 einen ironischen Sonderzug zur DDR-Führung, der in der Bundesrepublik bis auf Platz fünf der Hitparade kam.

So fuhr eine amerikanische Eisenbahnmelodie mitten hinein in die deutsch-deutsche Geschichte.

Zwischen Technik und Menschen

Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.

Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.

Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.

Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.

Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.

Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Häufige Fragen

Auf welcher Melodie beruht Sonderzug nach Pankow?
Auf Chattanooga Choo Choo, einem Swing-Klassiker von Harry Warren und Mack Gordon aus dem Jahr 1941.
Wann erschien das Lied?
Am 2. Februar 1983 als Single in der Bundesrepublik.
Warum heißt es Pankow?
Im Schloss Schönhausen in Pankow saßen anfangs Präsident und Staatsrat der DDR, Pankow stand deshalb im Volksmund für den Regierungssitz.
Durfte Lindenberg in der DDR auftreten?
Einmal, am 25. Oktober 1983 im Palast der Republik, den Sonderzug sang er dort auf Wunsch der DDR-Führung nicht.
Was hat es mit der Lederjacke auf sich?
1987 schickte Lindenberg Honecker eine Lederjacke, wie im Lied angedeutet, und bekam einen Dankesbrief mit einer Schalmei zurück.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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