Stimmt es, dass …?
„Railjet von Salzburg nach Innsbruck, wir durchfahren jetzt Bayern, ein Ausstieg in Rosenheim ist leider nicht möglich.“
Stimmt es, dass österreichische Züge durch Deutschland fahren, ohne dort zu halten?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Fernzüge von ÖBB und WESTbahn fahren zwischen Salzburg und Tirol als Korridorzüge über das sogenannte Deutsche Eck durch Bayern, ohne dort zu halten, weil der Weg über Rosenheim viel kürzer ist als die Strecke durch Österreich.
Wer von Salzburg nach Innsbruck fährt, bleibt eigentlich im eigenen Land, zumindest auf der Landkarte.
Der Zug nimmt trotzdem oft eine Abkürzung durch Bayern, und zwar ohne einen einzigen Halt.
Warum österreichische Züge durch Deutschland rollen, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
rund 90 Min.
Zeitgewinn
über das Deutsche Eck statt durch Österreich
56 km
Umweg
so viel länger ist die innerösterreichische Strecke Salzburg–Wörgl
8.2.1982
Rosenheimer Schleife
Inbetriebnahme der 1,215 Kilometer langen Verbindungskurve
Seit dem Wegfall der österreichischen Grenzkontrollen am 1. Dezember 1997 dient der Korridorverkehr vor allem der Zeitersparnis.
Eine Abkürzung durch Bayern
Als Deutsches Eck bezeichnet man kurze Straßen- und Bahnverbindungen zwischen dem Raum Salzburg und dem Westen Österreichs, die über deutsches Gebiet führen.
Die Verbindung für Bahn und Autobahn ins Tiroler Unterland heißt Großes Deutsches Eck.
Für die Bahn führt sie über die Strecken von Salzburg nach Rosenheim und von Rosenheim nach Kufstein.
Über rein österreichisches Gebiet gibt es nur deutlich längere Verbindungen.
Eine durchgehende Autobahn zwischen Salzburg und Tirol, die nur durch Österreich führt, gibt es bis heute nicht.

Korridorzüge ohne Halt
Über das Große Deutsche Eck fahren die innerösterreichischen Fernzüge der ÖBB und der WESTbahn zwischen Salzburg und Tirol.
Sie werden als Korridorzüge geführt und halten auf deutschem Gebiet nicht.
Ein- oder Aussteigen in Deutschland ist in diesen Zügen deshalb nicht möglich.
Auch in Rosenheim halten sie nicht, denn sie umfahren den Bahnhof auf einer eigenen Kurve.
Rosenheim sehen die Reisenden deshalb nur aus dem Fenster.
Gut zu wissen
Auch Autofahrer kennen ein Deutsches Eck: Von Salzburg nach Lofer sind es über Bayern rund 43 Kilometer, davon etwa 23 in Deutschland. Auf rein österreichischen Straßen sind es dagegen etwa 108 Kilometer.
Bei manchen Durchgangsverkehren wurden früher sogar die Türen der Reisezugwagen verschlossen oder verplombt. Das ist heute aus Sicherheitsgründen nicht mehr zulässig.
Der lange Weg durch Österreich
Innerhalb Österreichs verläuft die Bahnverbindung über die Salzburg-Tiroler-Bahn und Zell am See.
Diese Strecke gibt es seit 1872.
Zwischen Salzburg und Wörgl ist sie etwa 56 Kilometer länger als der Weg über Bayern.
Außerdem hat sie deutlich mehr Steigungen, Gefälle und Kurven.
Über das Deutsche Eck spart ein Zug deshalb etwa 90 Minuten Fahrzeit.
Ein Vertrag von 1851
Die Grundlagen stammen aus einem Staatsvertrag zwischen Österreich und Bayern vom 21. Juni 1851.
Bayern verpflichtete sich darin, Strecken von München bis zur Grenze bei Salzburg und von Rosenheim bis zur Grenze bei Kufstein zu bauen.
Österreich verpflichtete sich im Gegenzug unter anderem zum Bau der Strecke von Kufstein nach Innsbruck.
Schon damals wurde über eine Verbindungskurve bei Rosenheim gesprochen, damit Züge dort nicht wenden müssen.
Bayern sah darin aber keinen Nutzen, und so blieb die Kurve lange nur eine Idee.
Die Rosenheimer Schleife
Erst am 8. Februar 1982 ging östlich des Bahnhofs Rosenheim die Rosenheimer Schleife in Betrieb.
Die eingleisige und elektrifizierte Kurve ist 1,215 Kilometer lang und bildet mit den beiden Strecken ein Gleisdreieck.
Seitdem müssen die Züge zwischen Salzburg und Kufstein in Rosenheim nicht mehr die Fahrtrichtung wechseln.
Ein Hintergrund war die 1967 fertiggestellte Westautobahn, die der Bahn starke Konkurrenz machte.
In Österreich heißt die Verbindung Rosenheimer Schleife, in Deutschland auch Rosenheimer Kurve.
Verplombte Güter und begleitete Busse
Am 14. September 1955 schlossen die Bundesrepublik Deutschland und Österreich ein Verkehrsabkommen für das Deutsche Eck.
Es sollte den damals umständlichen Grenzverkehr erleichtern.
Auf der Straße mussten Transitfahrzeuge die Strecke in einer bestimmten Zeit passieren, mitgeführte Güter wurden verplombt.
Eine Buslinie zwischen Salzburg und Lofer fuhr ohne Halt durch Bayern, begleitet von einem deutschen Grenzpolizisten.
Die Eisenbahnzüge fuhren als Korridorzüge, die auf der Transitstrecke nicht hielten.
Korridorverkehr nach Schengen
Seit dem Wegfall der österreichischen Grenzkontrollen am 1. Dezember 1997 geht es beim Korridorverkehr vor allem um Zeitersparnis.
Die Züge aus Österreich fahren aber weiterhin ohne Halt durch Deutschland.
Fachleute sprechen vom privilegierten Eisenbahn-Durchgangsverkehr, also Transitverkehr über fremdes Gebiet ohne Pass- und Zollkontrollen.
Das österreichische Recht nennt ihn Korridorverkehr, wenn ein Zug im eigenen Land startet und endet und das Nachbarland ohne Halt durchquert.
Bei vielen solchen Verkehren liegt der Unterschied heute nur noch im Tarif, denn es gilt der Binnentarif des Heimatlandes.
Auch in die andere Richtung
Nicht nur Österreich nutzt deutsches Gebiet als Abkürzung.
Die Außerfernbahn führt von Kempten über Pfronten und das österreichische Reutte nach Garmisch-Partenkirchen.
Ihr österreichischer Abschnitt ist vom übrigen österreichischen Netz getrennt und per Bahn nur über Deutschland zu erreichen.
Seit der Eröffnung der Strecke nach Reutte im Jahr 1913 gab es dort einen gegenseitigen Durchgangsverkehr zwischen Bayern und Österreich.
Durchgehende Züge von Innsbruck nach Reutte gibt es allerdings seit 1994 nicht mehr.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Österreichische Fernzüge fahren zwischen Salzburg und Tirol über das Deutsche Eck durch Bayern, ohne dort zu halten.
Der Weg über Rosenheim ist rund 56 Kilometer kürzer und spart etwa 90 Minuten.
Seit 1982 umfahren die Züge den Bahnhof Rosenheim auf einer eigenen Verbindungskurve.
Ein- oder Aussteigen in Deutschland ist in diesen Korridorzügen nicht möglich.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
