Stimmt es, dass München seine U-Bahn wegen Olympia bekam?

Stimmt es, dass …?

„Achtung, die U3 zum Olympiazentrum fährt heute alle zweieinhalb Minuten, bitte zügig einsteigen.“

Stimmt es, dass München seine U-Bahn wegen Olympia bekam?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt nur teilweise. Der Bau der Münchner U-Bahn begann schon am 1. Februar 1965, also vor der Vergabe der Spiele im April 1966, doch Olympia beschleunigte die Pläne so stark, dass die erste Linie rund drei Jahre früher als geplant fuhr.

Die Olympischen Sommerspiele 1972 haben München geprägt, vom Olympiapark bis zum Nahverkehr.

Deshalb hält sich hartnäckig die Vorstellung, die Stadt habe ihre U-Bahn nur wegen der Spiele gebaut.

Dieser Mythos-Check zeigt, wie lange München schon von einer U-Bahn träumte und was Olympia tatsächlich bewirkte.

Unfallhilfswagen der U Bahn Wache in Munich Am Harras
Foto: Usien, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

01.02.1965

Baubeginn

der Münchner U-Bahn

26.04.1966

Olympia-Vergabe

der Sommerspiele 1972 an München

19.10.1971

Eröffnung

der ersten Linie U6

Während der Spiele vom 26. August bis zum 11. September 1972 beförderte die U3 in 17 Tagen etwa vier Millionen Besucher.

Frühe Träume von der Tiefbahn

Pläne für Bahnen unter der Münchner Innenstadt sind viel älter als die Olympischen Spiele.

Schon 1905 gab es Ideen für eine unterirdische Trasse zwischen Haupt- und Ostbahnhof und für eine Ringbahn um die Altstadt.

Für das damalige Verkehrsaufkommen waren diese Pläne aber deutlich zu groß, und die Straßenbahn reichte noch aus.

1928 gab es erneut Pläne für ein Netz aus fünf U-Bahn-Strecken, doch die Weltwirtschaftskrise vereitelte sie.

Ab 1910 verband zwar eine 450 Meter lange, automatische Post-U-Bahn den Hauptbahnhof mit dem Bahnpostamt, sie beförderte aber nur Briefe.

Max Weber Platz (Munich U Bahn)
Foto: Wikimedia Commons, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Ein Tunnel aus den 1930er Jahren

In der Zeit des Nationalsozialismus begannen Arbeiten an einem Netz unterirdischer Bahnen.

Am 22. Mai 1938 erfolgte in der Lindwurmstraße der erste Spatenstich für einen Tunnel.

Bis 1941 entstand zwischen Goetheplatz und Reisingerstraße ein 590 Meter langer Rohbau, damals noch als Teil einer S-Bahn-Trasse gedacht.

Kriegsbedingt wurden die Arbeiten eingestellt, und der Rohbau diente als Luftschutzkeller.

Heute nutzt die U-Bahn diesen sogenannten Lindwurmtunnel zwischen Sendlinger Tor und Goetheplatz.

Gut zu wissen

Im Jahr 1953 bildete sich eine Studiengesellschaft für den Bau einer Münchner Hoch- und Untergrundbahn. Zunächst musste aber das Straßenbahnnetz nach dem Krieg wieder instand gesetzt werden, sodass für eine U-Bahn kein Geld vorhanden war.

Teile des alten Tunnels aus den Jahren 1938 bis 1941 wurden nach dem Krieg mit Trümmerschutt verfüllt. Andere dienten noch eine Weile als Zuchtstätte für Pilze.

Die Straßenbahn im Stau

Nach dem Krieg wuchs der Verkehr in München rasant.

1958 zählte die Stadt bereits eine Million Einwohner, und in den späten 1950er Jahren kamen jedes Jahr etwa 50.000 hinzu.

Die Straßenbahnen steckten in der Innenstadt immer häufiger im Verkehr fest und kamen teilweise nur noch auf 4 bis 13 km/h.

Zwischen Karlsplatz und Marienplatz fuhren pro Stunde 62 Straßenbahnzüge.

Am 15. Dezember 1959 beschloss der Stadtrat zunächst ein Netz für eine unterirdisch geführte Straßenbahn in der Innenstadt.

Die Entscheidung für die U-Bahn

1963 billigte der Stadtrat einen Gesamtverkehrsplan mit vier Tunnelstrecken in der Innenstadt, die erst ab 1990 zur eigentlichen U-Bahn ausgebaut werden sollten.

Schon 1964 entschied man aber, die Strecke zwischen Harras und Freimann sofort als U-Bahn zu bauen.

Am 1. Februar 1965 begann der Bau mit dem ersten Spatenstich am späteren U-Bahnhof Nordfriedhof.

Am 16. Juni 1965 verabschiedete der Stadtrat das erste U-Bahn-Liniennetz.

Die erste 13,2 Kilometer lange Strecke zwischen Kieferngarten und Harras sollte 1974 fertig sein.

Olympia gibt Gas

Am 26. April 1966 wurden die Olympischen Sommerspiele 1972 an München vergeben.

Das beschleunigte die Umsetzung der U-Bahn-Pläne erheblich, denn in kürzester Zeit brauchte die Stadt ein leistungsfähiges Verkehrsnetz.

Am 16. Juni 1966 räumte der Stadtrat der Strecke zum Olympiagelände den Vorrang ein.

Der erst ein Jahr zuvor beschlossene Liniennetzplan wurde geändert, und die U3 wurde als Zubringer zum Olympiagelände geplant.

Die Bauarbeiten für diese Strecke begannen am 10. Mai 1967, während der Abschnitt nach Harras vorerst zurückgestellt wurde.

Drei Jahre früher als geplant

Am 19. Oktober 1971 startete der Fahrgastbetrieb der ersten Linie U6 auf der 10,5 Kilometer langen Strecke zwischen Kieferngarten und Goetheplatz.

Das war rund drei Jahre früher als zunächst geplant.

Damit war München nach Berlin, Schöneberg und Hamburg die eigentlich vierte, de facto aber dritte Stadt in Deutschland mit eigener U-Bahn.

Die Nürnberger U-Bahn war zu dieser Zeit ebenfalls im Bau, durfte aber aus Prestige- und politischen Gründen nicht vor München eröffnen.

Sie nahm ihren Betrieb etwa dreieinhalb Monate später am 1. März 1972 auf.

Die Olympialinie

Am 8. Mai 1972 wurde der vier Kilometer lange Abzweig von der Münchner Freiheit zum Olympiazentrum eröffnet.

Die sogenannte Olympialinie wurde von der zweiten Münchner U-Bahn-Linie U3 bedient.

Zusammen mit der S-Bahn, die zehn Tage zuvor ihren Betrieb aufgenommen hatte, war München für den Besucherandrang gerüstet.

Vom 26. August bis zum 11. September 1972 fuhr die U3 stets im Fünf-Minuten-Takt, bei großen Veranstaltungen sogar alle zweieinhalb Minuten.

In 17 Tagen beförderte sie etwa vier Millionen Besucher.

Hilfe aus Nürnberg

Für den dichten Takt reichten die eigenen Fahrzeuge nicht aus.

Aus Nürnberg wurden deshalb vier Züge vom Typ DT1 ausgeliehen.

Sie waren mit den Münchner Wagen vom Typ A weitgehend baugleich.

Weil sich Nürnberg beim Bau eng an das Münchner System hielt, konnten sich beide Städte in den Anfangsjahren immer wieder Fahrzeuge ausleihen.

Spätere Umbauten für den jeweils eigenen Bedarf verhindern inzwischen einen reibungslosen Austausch.

Das Netz heute

Nach den Spielen ging der Ausbau weiter, und am 22. November 1975 wurde die Verlängerung vom Goetheplatz nach Harras eröffnet.

Heute umfasst die Münchner U-Bahn ein Netz von 103,1 Kilometern mit 96 Haltestellen.

Auch die Nachbarstadt Garching bei München ist angeschlossen.

Im Jahr 2024 zählte die U-Bahn 452 Millionen Fahrgäste.

Betrieben wird sie von der Münchner Verkehrsgesellschaft im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund.

Das Fazit

Der Mythos stimmt nur teilweise.

Pläne für eine U-Bahn gab es in München schon seit 1905, und der Bau begann am 1. Februar 1965, also vor der Vergabe der Spiele.

Die Olympischen Spiele beschleunigten das Projekt aber stark und verschoben die Prioritäten zugunsten der Strecke zum Olympiagelände.

So fuhr die erste Linie rund drei Jahre früher als geplant, und die Olympialinie war rechtzeitig zu den Spielen fertig.

München bekam seine U-Bahn also nicht wegen Olympia, aber deutlich schneller dank Olympia.

Die Bahn als Teil des Alltags

Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.

Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.

Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.

Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.

So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.

Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.

Kleine Dinge, große Wirkung

Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.

Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.

Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.

In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.

Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.

So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.

Häufige Fragen

Wann begann der Bau der Münchner U-Bahn?
Am 1. Februar 1965 mit dem ersten Spatenstich am späteren U-Bahnhof Nordfriedhof.
Wann bekam München die Olympischen Spiele?
Am 26. April 1966, also gut ein Jahr nach dem Baubeginn der U-Bahn.
Wann fuhr die erste U-Bahn?
Am 19. Oktober 1971 auf der Linie U6 zwischen Kieferngarten und Goetheplatz.
Was war die Olympialinie?
Der am 8. Mai 1972 eröffnete Abzweig von der Münchner Freiheit zum Olympiazentrum, bedient von der U3.
Warum eröffnete Nürnberg später?
Die Nürnberger U-Bahn durfte aus Prestige- und politischen Gründen nicht vor München eröffnen und startete am 1. März 1972.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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