Stimmt es, dass …?
„Nächster Halt Wernigerode, hier beginnt das Netz der Harzer Schmalspurbahnen, das nicht der Deutschen Bahn gehört.“
Stimmt es, dass manche Bahnstrecken gar nicht der Deutschen Bahn gehören?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. In Deutschland gibt es etwa 170 nichtbundeseigene öffentliche Eisenbahninfrastrukturunternehmen, und die von solchen Bahnen betriebenen Strecken sind zusammen über 4000 Kilometer lang.
Das deutsche Schienennetz wirkt wie ein einziges großes System, das ganz selbstverständlich der Deutschen Bahn gehört.
Doch zwischen Harz, Hamburger Hafen und niederländischer Grenze gibt es zahlreiche Strecken, die ganz anderen Eigentümern gehören.
Dieser Mythos-Check zeigt, wem diese Bahnen gehören, wie lang ihre Netze sind und wer sie beaufsichtigt.

Die Fakten in Zahlen
etwa 170
Unternehmen
nichtbundeseigene öffentliche Infrastrukturbetreiber
4140 km
Strecke
betrieben von nichtbundeseigenen Bahnen
1800 km
Hafengleise
öffentliche Gleise in See- und Binnenhäfen
Zum Vergleich: Das Netz von DB Netz, heute DB InfraGO, umfasste im Jahr 2015 insgesamt 33.193 Kilometer.
Nicht alles gehört dem Bund
Das Schienennetz in Deutschland gehört nicht nur einem einzigen Eigentümer.
Den weitaus größten Teil betreibt die DB InfraGO, deren Vorgänger DB Netz im Jahr 2015 ein Streckennetz von 33.193 Kilometern hatte.
Daneben gibt es aber etwa 170 nichtbundeseigene öffentliche Eisenbahninfrastrukturunternehmen.
Sie befinden sich entweder in öffentlichem Eigentum, etwa von Kommunen und Gebietskörperschaften, oder in privatem Eigentum.

Was nichtbundeseigen bedeutet
Als nichtbundeseigene Eisenbahnen, kurz NE-Bahnen, gelten in Deutschland alle Eisenbahnunternehmen, die sich nicht mehrheitlich im Besitz des Bundes befinden.
Oft werden auch alle Eisenbahnstrecken so bezeichnet, die nicht dem Bund gehören.
Ob es sich im Einzelfall wirklich nicht um eine Bahn des Bundes handelt, muss das Eisenbahn-Bundesamt feststellen.
Hinter den NE-Bahnen stehen private Investoren, ausländische Bahnkonzerne oder die öffentliche Hand, manche Bahnen sind sogar Eigenbetriebe einer Kommune.
Zahl, Umfang und Bedeutung dieser Bahnen sind seit der Bahnreform der 1990er Jahre deutlich gestiegen.
Gut zu wissen
Auch die Deutsche Bahn hat Strecken abgegeben: Von 1994 bis Mitte 2011 verkaufte oder verpachtete sie zusätzlich zu Stilllegungen insgesamt 2343 Kilometer an andere Infrastrukturunternehmen. Dadurch wurde die Schrumpfung des Netzes etwas abgemildert.
Die NE-Bahnen waren bis 1990 im Verband Deutscher Nichtbundeseigener Eisenbahnen organisiert. Im November 1990 ging dieser zusammen mit anderen Verbänden im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen auf.
Über 4000 Kilometer eigene Strecken
Die gesamte Länge der von NE-Bahnen betriebenen Strecken wird mit 4140 Kilometern angegeben.
Hinzu kommen noch rund 1800 Kilometer öffentliche Gleise in den See- und Binnenhäfen.
Zu den größten nichtbundeseigenen Netzen zählt die Deutsche Regionaleisenbahn mit 387 Kilometern Strecke in Betrieb.
Die Hamburg Port Authority betreibt rund 300 Kilometer, die Häfen und Güterverkehr Köln AG 251 Kilometer.
Ein Teil dieser Strecken stammt von der Deutschen Bahn selbst, die seit 1994 Kilometer für Kilometer Strecken abgegeben hat.
Die Größte unter den Kleinen
Ein bekanntes Beispiel sind die Harzer Schmalspurbahnen mit einem meterspurigen Netz von 140,4 Kilometern.
Es besteht aus der Harzquerbahn, der Selketalbahn und der Brockenbahn, deren Anfangsbuchstaben zugleich den Firmennamen HSB ergeben.
Die Strecken werden hauptsächlich mit Dampf betrieben und gelten als überregionale Touristenattraktion.
Das Unternehmen nennt sich deshalb selbst „Die Größte unter den Kleinen“.
Seit Februar 1993 ist die HSB zugleich Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen, nachdem sie Anlagen, Fahrzeuge und Personal von der Deutschen Reichsbahn übernommen hatte.
Eine Bahn für zwei Länder
Die AKN Eisenbahn mit Sitz in Kaltenkirchen besteht schon seit 1883.
Ihre Strecken liegen in Schleswig-Holstein und Hamburg, und beide Länder besitzen je die Hälfte des Unternehmens.
Die AKN betreibt ein normalspuriges Netz zwischen Hamburg, Neumünster, Elmshorn, Henstedt-Ulzburg und Norderstedt.
In Hamburg und dem Umland fährt sie in den Hauptverkehrszeiten teilweise im 10-Minuten-Takt mit direktem Anschluss an U- und S-Bahnen.
Die Länge ihrer Strecken wird mit 120 Kilometern angegeben.
Stadtbahn auf eigenen Gleisen
Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft aus Karlsruhe betreibt als Infrastrukturunternehmen einen Teil der Strecken, auf denen ihre Stadtbahnen fahren.
Von ihren 286,9 Kilometern Strecke sind 92,3 Kilometer eigene Strecken, 171,6 Kilometer hat sie von der DB gepachtet.
Zusätzlich gehören 23 Kilometer Straßenbahnstrecke dazu.
Das Unternehmen gehört zu 94 Prozent einer Holding der Stadt Karlsruhe und zu 6 Prozent direkt der Stadt.
Von der Grafschaft Bentheim bis an die Elbe
Die Bentheimer Eisenbahn wurde 1895 gegründet und hat ihre Verwaltung, ihren Betriebshof und ihre Werkstatt in Nordhorn.
Über ihre Tochter BE Netz GmbH ist sie für die Bahnstrecke Gronau–Coevorden zuständig, die bis ins niederländische Coevorden reicht.
Die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser mit Sitz in Zeven betreiben 261 Kilometer Strecke.
Sie sind zugleich Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen und wurden durch den weltweit ersten Einsatz von Wasserstoffzügen im öffentlichen Nahverkehr bekannt.
Wer die Aufsicht hat
Die Einstufung als NE-Bahn hat vor allem rechtliche Folgen.
Für die Eisenbahnen des Bundes ist das Eisenbahn-Bundesamt die Aufsichtsbehörde, für die nichtbundeseigenen Bahnen in der Regel das jeweilige Bundesland.
Viele Länder haben diese Aufgabe allerdings zumindest teilweise dem Eisenbahn-Bundesamt übertragen.
Den Zugang zu den Netzen überwacht dagegen seit Anfang 2006 die Bundesnetzagentur, und zwar für alle Infrastrukturunternehmen.
Wer die Strecken bezahlt
Die Strecken der bundeseigenen Eisenbahnen finanziert der Bund.
NE-Bahnen erhalten für ihre Schienenwege vor allem Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz oder projektbezogene Zuschüsse der Länder.
Wie jeder Infrastrukturbetreiber verlangen auch sie von den Zügen auf ihren Gleisen eine Gebühr für die Nutzung.
Von den EU-Vorgaben zur Interoperabilität sind NE-Bahnen als Infrastrukturbetreiber in Deutschland ausgenommen, wogegen die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren angestrengt hat.
Das Fazit
Der Mythos stimmt: Nicht jede Bahnstrecke in Deutschland gehört der Deutschen Bahn.
Etwa 170 nichtbundeseigene Unternehmen betreiben eigene Schienenwege, von Schmalspurbahnen im Harz bis zu Hafenbahnen an der Küste.
Ihre Strecken sind zusammen über 4000 Kilometer lang, dazu kommen rund 1800 Kilometer Gleise in den Häfen.
Welche Strecke wem gehört, spielt vor allem für Aufsicht, Finanzierung und Recht eine Rolle.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
