Stimmt es, dass es den Lokführer Casey Jones aus dem Lied wirklich gab?

Stimmt es, dass …?

„Der Cannonball nach Canton fährt mit 95 Minuten Verspätung ab, der Lokführer versucht, die Zeit aufzuholen.“

Stimmt es, dass es den Lokführer Casey Jones aus dem Lied wirklich gab?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?

Kurz gesagt

Das stimmt. Hinter der Ballade steht der amerikanische Lokführer John Luther Jones, genannt Casey Jones, der am 30. April 1900 bei einem Zugunglück in Mississippi ums Leben kam und seinem Heizer vorher noch zurief, abzuspringen.

Casey Jones ist eine der bekanntesten Figuren amerikanischer Eisenbahnlieder.

Viele halten den Lokführer mit der lauten Pfeife für eine erfundene Heldengestalt.

Ob es Casey Jones wirklich gab, zeigt dieser Mythos-Check.

Illinois Central Gulf 9600 (GP38 2) CASEY JONES ()
Foto: Gary Todd, CC0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

30.4.1900

Vaughan, Mississippi

Todestag von Casey Jones beim Unglück des Cannonball

95 Minuten

Verspätung

hatte der Zug bei der Abfahrt in Memphis

183 Meilen

Strecke

von Memphis bis Canton, rund 295 Kilometer

Casey Jones war der einzige Tote des Unglücks.

Ein echter Lokführer

Casey Jones hieß eigentlich John Luther Jones.

Er wurde am 14. März 1864 in Missouri geboren und starb am 30. April 1900 in Mississippi.

Er war Lokomotivführer in den USA und wurde durch sein Verhalten bei einem Eisenbahnunfall berühmt.

Sein Name lebt bis heute in einer bekannten Ballade weiter.

Die Figur aus dem Lied ist also kein Märchen, sondern ein Mensch mit einer echten Geschichte.

Illinois Central Gulf 9600 (GP38 2) CASEY JONES & 9546 (GP38AC) ()
Foto: Gary Todd, CC0, via Wikimedia Commons

Wie er zu seinem Namen kam

John Luther Jones wuchs im Südwesten von Missouri auf und zog später mit seiner Familie nach Cayce in Kentucky.

Mit fünfzehn Jahren begann er in einem Telegrafenbüro der Eisenbahn zu arbeiten.

Seine Kollegen nannten ihn nach seinem Heimatort Casey.

Ab 1890 fuhr er als Lokomotivführer für die Illinois Central Railroad.

Bekannt wurde er bald durch eine besondere Pfeife mit sechs Tönen, die er an seiner Dampflok angebracht hatte.

Gut zu wissen

Seinen Spitznamen verdankte Jones der Stadt Cayce in Kentucky, in der er aufwuchs. In den USA erinnert heute ein Museum an den berühmten Lokführer.

Auch Johnny Cash sang die Ballade von Casey Jones. In einer Folge der Zeichentrickserie The Real Ghostbusters will der Geist von Casey Jones sogar die Unglücksfahrt wiederholen und den Unfall verhindern.

Der Cannonball

Im Jahr 1900 bekam Jones eine Stelle als Lokführer des berühmten Personenzugs von Chicago nach New Orleans.

Inoffiziell hieß dieser Zug Cannonball, also Kanonenkugel.

Am 29. April 1900 sollte Jones den Zug, den er gerade nach Memphis gefahren hatte, gleich wieder zurückfahren, weil der reguläre Lokführer ausfiel.

Das Ziel war das 183 Meilen entfernte Canton in Mississippi.

Wegen Reparaturarbeiten fuhr der Zug erst mit 95 Minuten Verspätung ab.

Eine Fahrt gegen die Uhr

Jones wollte die verlorene Zeit wieder aufholen und fuhr schneller als gewöhnlich.

Nach hundert Meilen hatte er bereits eine Stunde gutgemacht.

Fünfzig Meilen später war er fast wieder im Plan und fuhr mit rund 70 Meilen pro Stunde, dabei ließ er ständig seine Pfeife ertönen.

70 Meilen pro Stunde entsprechen etwa 113 Kilometern pro Stunde.

Auch andere Züge hatten an diesem Abend Verspätung, im kleinen Ort Vaughan rechnete man mit einem Rückstau.

Alle Lokführer, auch Jones, waren genau angewiesen worden, wie ihre Züge dort rangiert werden sollten.

Das Unglück von Vaughan

Vor der Zeit moderner Signalanlagen sicherten Männer mit Signalfahnen und Laternen das Rangieren.

Einer der rangierenden Züge hatte eine Panne, und vier seiner Wagen blieben auf dem Gleis des Cannonball stehen.

Ein Rangierarbeiter schwenkte zwar seine Laterne, doch Jones hielt das Signal offenbar für freie Fahrt.

Hinter einer Kurve sah sein Heizer die Lichter des Zuges, und Jones rief ihm zu, er solle springen.

Jones selbst blieb auf der Lok und bremste stark ab, konnte den Zusammenprall aber nicht mehr verhindern.

Vom Unfall zum Lied

Der Cannonball prallte auf die letzten beiden Güterwagen des Zuges vor ihm.

Casey Jones war der einzige Mensch, der bei dem Unglück starb.

Sein Heizer hatte sich mit einem Sprung etwa hundert Meter vor dem Aufprall gerettet.

Sein mutiges Verhalten machte ihn schnell berühmt.

Wallace Saunders, ein Rangierer, der Jones gekannt hatte, dichtete den Text einer älteren Ballade auf seine Geschichte um.

In dieser Fassung wurde das Lied in den USA und später im ganzen englischen Sprachraum sehr populär.

Held oder Streikbrecher

Nicht alle sangen das Lied im gleichen Ton.

Der Liedermacher Joe Hill schrieb eine spöttische Fassung mit dem Titel Casey Jones, The Union Scab.

Darin wird Casey Jones zum Streikbrecher.

Die Ballade stellt das Heldenbild und die bedingungslose Treue infrage, die man Jones nachsagte.

So wurde der Lokführer auch zu einer Figur in politischen Liedern.

Casey Jones in der Popkultur

Die amerikanische Post gab zu Ehren von Casey Jones eine Gedenkbriefmarke heraus.

Auch Walt Disney griff die Geschichte in dem Zeichentrickfilm The Brave Engineer auf.

Die Band Grateful Dead veröffentlichte 1970 auf ihrem Album Workingman’s Dead einen Song mit dem Titel Casey Jones.

Die australische Band AC/DC erwähnt Casey Jones und den Cannonball 1978 in ihrem Lied What’s Next to the Moon.

Im deutschen Sprachraum erschienen Anfang der 1960er Jahre sogar zwei Jugendbücher über den Lokführer.

Das Fazit

Der Mythos stimmt.

Casey Jones gab es wirklich, er hieß John Luther Jones und war Lokführer bei der Illinois Central Railroad.

Am 30. April 1900 prallte sein verspäteter Schnellzug bei Vaughan in Mississippi auf abgestellte Güterwagen.

Er blieb auf der Lok, bremste den Zug ab und war der einzige Tote des Unglücks.

Ein Rangierer, der ihn kannte, machte daraus die Ballade, die ihn weltberühmt werden ließ.

Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet

Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.

Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.

Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.

Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.

Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.

So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Häufige Fragen

Gab es Casey Jones wirklich?
Ja, er hieß eigentlich John Luther Jones und war Lokführer bei der Illinois Central Railroad.
Wie starb Casey Jones?
Am 30. April 1900 prallte sein Zug bei Vaughan in Mississippi auf abgestellte Güterwagen, er war der einzige Tote.
Warum gilt er als Held?
Er blieb auf der Lok, bremste den Zug stark ab und rief seinem Heizer zu, abzuspringen.
Wer schrieb das Lied über ihn?
Der Rangierer Wallace Saunders, der Jones gekannt hatte, dichtete eine ältere Ballade auf seine Geschichte um.
Woher kommt der Name Casey?
Von der Stadt Cayce in Kentucky, in der er aufwuchs.

Weiterfahrt

→ Alle Schalter – zurück zur Übersicht

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →