Stimmt es, dass Lokführer einen eigenen Fahrplan haben?

Stimmt es, dass …?

„Kurz vor der Abfahrt: Im Führerstand läuft der Buchfahrplan schon mit, Abschnitt für Abschnitt bis zum Ziel.“

Stimmt es, dass Lokführer einen eigenen Fahrplan haben?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. Lokführer fahren nach dem Buchfahrplan, der für jeden Streckenabschnitt Geschwindigkeiten und Fahrzeiten vorgibt und bei der Deutschen Bahn seit Ende 2002 meist elektronisch auf einem Bildschirm im Führerstand erscheint.

Reisende schauen auf die Anzeigetafel, in die App oder früher ins dicke Kursbuch.

Dass der Mensch vorne im Zug mit ganz anderen Unterlagen unterwegs ist, wissen die wenigsten.

Dieser Mythos-Check zeigt, was im Fahrplan der Lokführer steht und warum er so viel mehr verrät als der Aushang am Bahnsteig.

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Foto: Christian Schulz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

1874

erster Buchfahrplan

in Deutschland, für die Preußische Ostbahn

150 bis 250

Papierunterlagen

lagen früher je Fahrzeug bereit

Dezember 2002

EBuLa

wird bei der DB zum Regelverfahren

Mit der Datenübertragung per Funk sank die Zeit, bis Fahrplanänderungen auf dem Bordgerät ankamen, nach Angaben der Bahn von 72 auf unter fünf Stunden.

Ein Fahrplan nur für den Führerstand

Die Angaben für Lokführer stehen im sogenannten Buchfahrplan, der in Deutschland und Österreich verwendet wurde und heute meist elektronisch angezeigt wird.

Er enthält Informationen und Anweisungen, die während der Fahrt für jeden Streckenabschnitt zu beachten sind.

Mit dem Kursbuch für Reisende darf er nicht verwechselt werden.

Auch das Streckenbuch ist etwas anderes, auch wenn die Namen ähnlich klingen.

Seinen Namen hat der Buchfahrplan ganz schlicht daher, dass er in Buchform herausgegeben wurde.

Bayerisch Eisenstein Bahnhofstraße Železná Ruda 2014 b
Foto: Hoover5555, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Seit 1874 auf Papier

In Deutschland wurde der erste Buchfahrplan im Jahr 1874 für die Preußische Ostbahn erstellt.

Jeder Buchfahrplan war für eine bestimmte Bahnstrecke gedacht und auf ihren Verlauf zugeschnitten.

Er bestand aus zwei Teilheften, dem Geschwindigkeitsheft und dem Fahrzeitenheft.

Für einzelne Strecken gab es zusätzlich einen ausführlichen Ersatzfahrplan, in dem auch alle Signale aufgeführt waren.

Sogar für die Busse der Bundesbahn gab es eigene Buchfahrpläne mit allen Haltestellen und Abfahrtszeiten.

Gut zu wissen

Lokomotiven werden nachts meist im Freien abgestellt und nicht beheizt. Im ersten Winter erlitten deshalb manche EBuLa-Bordrechner Kälteschäden, oder es kam durch Kondenswasser zu Kurzschlüssen.

Als der erste Großversuch startete, waren Fahrplandaten und Software noch nicht fertig. Die Geräte mussten aus Gründen der Garantie trotzdem laufen und zeigten so lange ein Testbild mit einer Uhr.

Was im Geschwindigkeitsheft stand

Das Geschwindigkeitsheft enthielt die Grunddaten der Strecke in der Reihenfolge der Fahrt.

Dazu gehörten alle Betriebsstellen mit ihrer Lage nach der Streckenkilometrierung.

Vor allem standen darin die zulässigen Geschwindigkeiten für die einzelnen Abschnitte.

Auch Schutzstrecken und ständige Langsamfahrstellen waren darin eingearbeitet.

Vorübergehende Langsamfahrstellen standen dagegen in einer eigenen Zusammenstellung, die kurz La genannt wird.

Was im Fahrzeitenheft stand

Das Fahrzeitenheft enthielt die Angaben zu den einzelnen Zügen.

Es nannte unter anderem die Baureihe des Triebfahrzeugs, die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Zuges und die Zuglast.

Hinzu kamen Vorgaben für die Bremsen im Zug.

Vor allem aber standen dort die Abfahrts-, Ankunfts- und Durchfahrzeiten an den Betriebsstellen in der Reihenfolge der Fahrt.

Damit wusste der Lokführer auch an Bahnhöfen ohne Halt, wann er dort planmäßig durchfahren sollte.

Hunderte Blätter im Führerstand

Mit der Zeit wuchs der Papierstapel im Führerstand gewaltig.

Je nach Baureihe und Strecke lagen auf einem Fahrzeug etwa 150 bis 250 Unterlagen in Papierform bereit.

Dazu zählten Zugverzeichnisse, Fahrzeitenhefte, Geschwindigkeitshefte, Streckenlisten und Umleitungsfahrpläne.

Änderungen, die sich im laufenden Jahr ergaben, mussten mühsam von Hand eingearbeitet werden.

Schon 1987 gab es deshalb erste offizielle Überlegungen für ein elektronisches System.

Der Buchfahrplan wird elektronisch

Das Ergebnis heißt EBuLa, ausgeschrieben Elektronischer Buchfahrplan und Verzeichnis der Langsamfahrstellen.

Im März 1994 beschloss der Vorstand der Deutschen Bahn das Projekt, und ab 1998 wurden Triebfahrzeuge und Steuerwagen nach und nach mit Bordgeräten ausgestattet.

Die für September 1999 geplante Einführung verzögerte sich, unter anderem wegen Softwareproblemen.

Im Dezember 2002 wurde EBuLa schließlich als Regelverfahren bei der Deutschen Bahn eingeführt.

Die Zahl der Papierunterlagen sollte damit auf etwa 20 Stück pro Fahrzeug für den Störungsfall sinken.

Von unten nach oben lesen

Auf dem Bildschirm sieht der Fahrplan etwas anders aus als im Heft.

Er wird von unten nach oben gelesen, passend zum räumlichen Eindruck bei der Fahrt.

Ein Ortsmarker zeigt die aktuelle Position des Zuges an.

Das Gerät scrollt automatisch weiter, gesteuert über die Zeit oder über eine Ortung per Radsatzgeber oder GPS.

Die Daten kamen anfangs per PCMCIA-Karte auf das Gerät, seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2008 kommen sie bei allen Zügen der Deutschen Bahn per Funk.

Mehr als nur Zeiten

EBuLa kann heute mehr als der alte Papierfahrplan.

Mit der Zusatzfunktion Energiesparende Fahrweise zeigt das Gerät zum Beispiel an, wann sich die Leistung abschalten lässt, um Energie zu sparen.

Seit 2018 können auch Fahrempfehlungen erscheinen, die in den Betriebszentralen anhand der aktuellen Lage ermittelt werden.

Die vorübergehenden Langsamfahrstellen sollten ebenfalls ins System, doch dieses Vorhaben erklärte die Bahn im Dezember 2014 für gescheitert.

Künftig soll EBuLa durch einen digitalen Fahrplan abgelöst werden, der auf einem Tablet läuft und damit unabhängig vom Fahrzeug ist.

Wenn der Bildschirm ausfällt

Für Störungen gibt es klare Regeln.

Fällt das Gerät vor der Fahrt aus, lässt sich der Fahrplan über eine Rückfallebene am Computer anzeigen und ausdrucken.

Fällt die Anzeige dagegen während der Fahrt aus, muss der Zug angehalten werden.

Weiter geht es dann mit einer Fahrplan-Mitteilung der Betriebszentrale und in jedem Fall mit dem Ersatzfahrplan.

Dieser Ersatzfahrplan, auch Z-Plan genannt, lag in Buchform vor und enthielt für jede Zuggeschwindigkeit eine eigene Spalte mit Minutenwerten.

Das Fazit

Der Mythos stimmt.

Lokführer fahren nicht nach dem Fahrplan für Reisende, sondern nach dem Buchfahrplan mit Geschwindigkeiten, Fahrzeiten und Streckendaten.

Bei der Deutschen Bahn läuft er seit Ende 2002 meist elektronisch als EBuLa auf einem Bildschirm im Führerstand.

Für den Notfall gibt es weiterhin den Ersatzfahrplan und Mitteilungen der Betriebszentrale.

Wer vorne mitfahren dürfte, würde also einen Fahrplan sehen, der die Strecke Abschnitt für Abschnitt beschreibt.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Häufige Fragen

Haben Lokführer einen eigenen Fahrplan?
Ja. Sie fahren nach dem Buchfahrplan, der für jeden Streckenabschnitt Geschwindigkeiten und Fahrzeiten vorgibt.
Was ist EBuLa?
Der elektronische Buchfahrplan der Deutschen Bahn, der die Angaben auf einem Bildschirm im Führerstand anzeigt.
Seit wann gibt es den Buchfahrplan?
In Deutschland wurde der erste Buchfahrplan im Jahr 1874 für die Preußische Ostbahn erstellt.
Stehen Langsamfahrstellen im Buchfahrplan?
Ständige Langsamfahrstellen ja, vorübergehende stehen dagegen in einer eigenen Zusammenstellung, der La.
Was passiert, wenn der Bildschirm ausfällt?
Während der Fahrt muss der Zug dann anhalten und fährt mit einer Mitteilung der Betriebszentrale und dem Ersatzfahrplan weiter.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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