Stimmt es, dass …?
„Auf Gleis 9 fährt ein Güterzug mit Lkw-Aufliegern durch, Fahrer und Zugmaschinen sind heute nicht an Bord.“
Stimmt es, dass Lkw-Auflieger ohne Zugmaschine mit dem Zug reisen?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?
Kurz gesagt
Das stimmt. Im unbegleiteten kombinierten Verkehr reisen Sattelauflieger ohne Zugmaschine und ohne Fahrer auf speziellen Taschenwagen, und dieser unbegleitete Bereich macht den größeren Teil des kombinierten Verkehrs aus.
Auf der Autobahn gehören Sattelzüge zum gewohnten Bild, vorne eine Zugmaschine und dahinter ein langer Auflieger.
Weniger bekannt ist, dass solche Auflieger einen Teil ihrer Reise ganz ohne Zugmaschine auf der Schiene zurücklegen können.
Dieser Mythos-Check erklärt, wie der kombinierte Verkehr funktioniert und wie ein Auflieger überhaupt auf einen Güterwagen kommt.

Die Fakten in Zahlen
270 mm
Ladetasche
Höhe über der Schienenoberkante beim Taschenwagen
1973
Einheitswagen
erster europäischer Einheitstaschenwagen T1
44 t
Lkw
erlaubtes Gesamtgewicht im Vor- und Nachlauf
Im unbegleiteten kombinierten Verkehr fahren weder Zugmaschine noch Fahrer mit auf dem Zug.
Was kombinierter Verkehr ist
Im kombinierten Verkehr wird eine Ladung auf ihrem Weg mit mehreren Verkehrsträgern befördert, etwa mit Lkw und Bahn oder mit Lkw und Schiff.
Umgeladen wird dabei nicht die einzelne Ware, sondern die ganze Ladeeinheit.
Solche standardisierten Ladeeinheiten sind vor allem Container, Wechselbehälter und Sattelauflieger.
Die Schiene übernimmt den langen Hauptlauf, während Lkw die kleinräumige Verteilung im Vor- und Nachlauf erledigen.

Begleitet oder unbegleitet
Fachleute unterscheiden zwischen begleitetem und unbegleitetem kombiniertem Verkehr.
Beim begleiteten Verkehr, auch Huckepackverkehr genannt, reisen ganze Sattel- oder Gliederzüge auf dem Zug oder dem Schiff mit.
Ein Sonderfall ist die Rollende Landstraße, bei der komplette Lkw auf Niederflurwagen verladen werden.
Im unbegleiteten Verkehr werden dagegen nur die Ladeeinheiten ohne Motorfahrzeug umgeschlagen.
Dieser unbegleitete Bereich macht den größeren Teil des kombinierten Verkehrs aus.
Gut zu wissen
Taschenwagen tragen neben dem Gattungsbuchstaben S international auch den Kennbuchstaben d. Die tiefe Tasche sorgt dafür, dass Sattelanhänger innerhalb des Lichtraumprofils befördert werden können.
Die Studiengesellschaft für den Kombinierten Verkehr bietet mit ihrer Intermodal Map eine Übersicht der Terminals in Deutschland und Europa. Solche Terminals liegen meist in Güterverkehrszentren oder in See- und Binnenhäfen.
Die Tasche im Güterwagen
Für Sattelauflieger gibt es eigene Güterwagen, die Taschenwagen heißen.
Ihr Name kommt von der abgesenkten Ladetasche in der Mitte zwischen den äußeren Längsträgern.
In dieser Tasche finden die Räder und das Fahrgestell des Aufliegers Platz.
Weil die Tasche nur 270 Millimeter über der Schienenoberkante liegt, bleibt der Auflieger innerhalb des Lichtraumprofils der Bahn.
Auf einem gewöhnlichen Flachwagen stünde der Auflieger deutlich höher.
Ein Wagen für vieles
Die Entwicklung der Taschenwagen erreichte 1973 mit dem europäischen Einheitstaschenwagen T1 einen ersten Meilenstein.
Von Beginn an sollten die Wagen vielseitig sein, deshalb tragen sie neben Aufliegern auch Container und Wechselbehälter.
Container und Wechselbehälter werden über Klappriegel und genormte Aufsetzzapfen gesichert, Sattelauflieger mit einem Stützbock.
Taschenwagen gehören zur Gattung der Flachwagen mit Drehgestellen in Sonderbauart, die den UIC-Gattungsbuchstaben S trägt.
Per Kran auf den Zug
Damit ein Auflieger von oben auf den Taschenwagen gehoben werden kann, muss er kranbar sein.
Kranbare Sattelauflieger haben genormte Anhebepunkte, an denen Portalkräne oder Reachstacker sie greifen können.
Der Unterfahrschutz, der bei Auffahrunfällen verhindern soll, dass niedrigere Fahrzeuge unter den Auflieger geraten, ist bei solchen Aufliegern einklappbar.
Verladen wird an Terminals, die sich meist in Güterverkehrszentren oder in See- und Binnenhäfen befinden.
Verladen ohne Kran
Für Auflieger ohne Anhebepunkte gibt es horizontale Verladesysteme.
Beim System CargoBeamer wird ein nicht kranbarer Auflieger in eine Art Schublade gestellt, das sogenannte JetModul.
Im Terminal lassen sich diese Module an allen Wagen eines Zuges gleichzeitig und vollautomatisch umschlagen.
Das System wurde 1998 erfunden, ab 2013 mit ersten Pilotverkehren zur Marktreife gebracht, und 2021 eröffnete im französischen Calais das erste Terminal, das vollständig damit arbeitet.
Ein ähnliches horizontales System namens Modalohr stammt von der elsässischen Lohr-Gruppe.
Erleichterungen für die Straße
In Deutschland wird der kombinierte Verkehr politisch gefördert, weil er Güter von der Straße auf umweltschonendere Verkehrsträger wie Bahn und Schiff verlagern kann.
Lkw im Vor- und Nachlauf dürfen dafür bis zu 44 Tonnen wiegen.
Außerdem gelten für sie Ausnahmen von den Fahrverboten an Sonn- und Feiertagen sowie in den Ferien.
Im Januar 2017 wurde die Förderung von Umschlaganlagen für den kombinierten Verkehr zum dritten Mal verlängert.
Solche Regeln sollen helfen, mehr Güterverkehr von der Autobahn auf die Schiene zu bringen.
Der Unterschied zur Rollenden Landstraße
Bei der Rollenden Landstraße fährt der komplette Lkw samt Zugmaschine auf Niederflurwagen mit.
Im unbegleiteten Verkehr steht dagegen nur der Auflieger auf dem Zug, weder Zugmaschine noch Fahrer müssen an Bord sein.
Taschenwagen, Containertragwagen und die Niederflurwagen der Rollenden Landstraße bilden zusammen den Wagenpark des kombinierten Verkehrs.
Am Zielterminal wird der Auflieger wieder abgeladen, und ein Lkw aus der Region übernimmt die letzte Etappe zum Empfänger.
Genormte Behälter als Grundlage
Heute werden im kombinierten Verkehr typischerweise ISO-Container, Wechselbehälter, Sattelauflieger und Spezialbehälter eingesetzt.
Ihre Abmessungen und technischen Merkmale sind so gestaltet, dass sie einfach zwischen den Verkehrsträgern umgeladen werden können.
Der Umschlag zwischen Straße, Schiene und Wasser gilt als der zentrale Schritt im kombinierten Verkehr.
Ohne diese Normen könnte ein Auflieger nicht vom Lkw auf die Bahn und wieder zurück wechseln.
Das Fazit
Der Mythos stimmt: Sattelauflieger können ohne Zugmaschine und ohne Fahrer auf der Schiene reisen.
Sie stehen dabei in der abgesenkten Tasche spezieller Taschenwagen.
Verladen werden sie per Kran oder mit horizontalen Systemen wie CargoBeamer.
Nur auf der ersten und letzten Etappe übernimmt wieder ein Lkw, den langen Weg dazwischen legt der Auflieger mit dem Zug zurück.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
