Ortstermin
„Nächster Halt Lutherstadt Eisleben, hier wurde Martin Luther geboren, und hier ist er auch gestorben.“
Der Bahnhof Lutherstadt Eisleben, den eine Genossenschaft saniert hat
→ Ein Ortstermin im Mansfelder Land.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Lutherstadt Eisleben wurde am 1. September 1865 mit der Strecke aus Halle eröffnet. Sein Empfangsgebäude hat eine private Genossenschaft saniert, als bisher einziges in Sachsen-Anhalt.
Lutherstadt Eisleben liegt im östlichen Harzvorland und ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis Mansfeld-Südharz.
Bekannt ist sie als Geburts- und Sterbeort Martin Luthers, und seit 1946 trägt sie deshalb den Beinamen Lutherstadt.
Reich geworden ist die Stadt aber durch den Kupferschiefer, und der Bergbau hat auch der Eisenbahn den Weg nach Eisleben geebnet.

Ein Eisenbahnkomitee ohne Erfolg
Erste Pläne für eine Bahn durch das Mansfelder Land gab es schon früh, doch 1841 entschied man sich zunächst für die Thüringer Bahn von Halle über Erfurt nach Bebra.
Mitte der 1840er Jahre gründete sich unter der Führung von Ludwig Wucherer ein Eisenbahnkomitee, dem die Städte Eisleben, Halle, Nordhausen und Sangerhausen angehörten.
Auch diese Planungen blieben ohne Ergebnis, weil es Widerstand von Grundbesitzern gab und das Geld für einen Bahnbau fehlte.
Für Preußen reichte die bestehende Strecke von Halle nach Bebra damals aus.

Kupfer ebnet den Weg
Später änderte sich die Lage, denn stärkere Lokomotiven erlaubten größere Steigungen und damit niedrigere Baukosten.
Mit der Mansfeldschen Kupferschieferbauenden Gewerkschaft war außerdem ein großes Unternehmen entstanden, das der Bahn sichere Einnahmen aus Transporten versprach.
Kurz nach der Erteilung der Konzession im Januar 1863 begannen die Bauarbeiten.
Die Strecke von Halle über Sangerhausen und Nordhausen nach Hann. Münden wird bis heute auch Halle-Kasseler Bahn genannt.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Lutherstadt Eisleben liegt an der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden und wurde am 1. September 1865 eröffnet. Stündlich halten hier die Linien RE8 und RE9 sowie die S7 aus Halle.
Das Empfangsgebäude wurde seit Dezember 2015 von einer Genossenschaft saniert. Luthers Geburtshaus und Sterbehaus gehören seit 1996 zum UNESCO-Welterbe.
Eröffnet am 1. September 1865
Der Abschnitt von Halle nach Eisleben wurde am 19. August 1865 abgenommen, doch weil noch nicht alle Bahnhofsgebäude fertig waren, begann der Betrieb erst am 1. September 1865.
Der Bahnhof entstand 1865 nahe der heutigen Rathenaustraße.
Hinter Eisleben ging der Bau weiter, und im Juni 1866 war der Blankenheimer Tunnel so weit fertig, dass erste Probefahrten stattfinden konnten.
Heute ist die Strecke eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn, die durch Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Niedersachsen führt.

Die erste Drahtseilbahn Europas
Schon um das Jahr 1200 wurde im Mansfelder Land Kupfererz aufgeschlossen, und der Bergbau brachte der Region über Jahrhunderte großen Wohlstand.
1871 entstand zwischen dem Martinsschacht und der Krughütte die erste Drahtseilbahn Europas, die Erze und Abraum transportierte.
Am 12. Juni 1900 feierte Eisleben das 700-jährige Bergbaujubiläum mit einem großen Festumzug in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II.
Zeugen des Bergbaus sind bis heute viele Halden rund um die Stadt, darunter die über 100 Meter hohe Spitzkegelhalde des Fortschrittschachts I, die von Eisleben aus gut zu sehen ist.

Mit der Straßenbahn durchs Bergrevier
Im Juni 1898 erhielt eine Aktiengesellschaft die Konzession für eine schmalspurige elektrische Kleinbahn von Hettstedt nach Eisleben.
Im April 1900 wurde das erste, etwa 13 Kilometer lange Teilstück vom Bahnhof Mansfeld bis nach Eisleben eröffnet, und ab dem 19. Mai 1900 gab es auch eine Stichstrecke zum Eislebener Bahnhof.
Am 7. Oktober 1900 kam das letzte Teilstück bis Hettstedt hinzu, sodass das meterspurige Netz der Elektrischen Kleinbahn Mansfeld etwa 32 Kilometer lang war.
Die Bahn diente vor allem dem Personenverkehr, wurde aber 1922 aus finanziellen Gründen eingestellt, und mehrere Versuche einer Wiedereröffnung scheiterten bis 1929.

Ein Bahnhof in Bürgerhand
Mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 wurde das Bahnhofsgebäude seit Dezember 2015 von einer privaten Genossenschaft renoviert, die 2013 gegründet worden war.
Wer Mitglied werden wollte, musste einen Anteil von mindestens 200 Euro zahlen.
Weiteres Geld kam von der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt, dem Bahnunternehmen Abellio Rail Mitteldeutschland und der Stadt.
Damit ist Eisleben bisher der einzige Bahnhof in Sachsen-Anhalt, der von einer Genossenschaft saniert wurde.

Stündlich nach Halle und Kassel
Heute halten in Eisleben stündlich die Linien RE8 und RE9 von Halle über Leinefelde nach Kassel sowie die S-Bahn-Linie S7 von Halle nach Lutherstadt Eisleben.
Vom zentralen Omnibusbahnhof am Klosterplatz fahren Busse, darunter PlusBus-Linien nach Hettstedt, Aschersleben, Mansfeld und Querfurt.
Auf der Strecke sollen 33 überwiegend mechanische und elektromechanische Stellwerke durch 14 elektronische Stellwerke ersetzt werden, die zentral von Röblingen am See und Nordhausen aus bedient werden.
Die Inbetriebnahme war in zwei Stufen für 2026 und 2027 geplant, und im selben Zeitraum soll auch der Bahnhof Lutherstadt Eisleben modernisiert werden.

Geburts- und Sterbeort Luthers
Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren und am folgenden Tag, dem Martinstag, in der Kirche St. Petri-Pauli getauft.
In seinem Geburtshaus richtete die Stadt bereits 1693 eine Erinnerungsstätte ein, womit es zu den ältesten Museen im deutschsprachigen Raum gehört.
1546 kam Luther zum letzten Mal in die Stadt, unterschrieb am 16. Februar die Stiftungsurkunde der ersten Lateinschule und starb am 18. Februar 1546 in Eisleben.
An dieses Ereignis erinnert das Museum Martin Luthers Sterbehaus, und seit 1996 gehören die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg zum Welterbe der UNESCO.

Ankommen in Eisleben
Die Altstadt besteht in ihrer Mitte aus dem Marktviertel, das nach der Stadtkirche auch St.-Andreas-Viertel genannt wird.
Auf dem Marktplatz steht das Lutherdenkmal von Rudolf Siemering, das 1883 zum 400. Geburtstag des Reformators eingeweiht wurde.
Um die Altstadt liegen das Nikolaiviertel im Norden und das Petriviertel im Südosten.
In der Nähe lag einst der Salzige See, der ab 1893 abgepumpt wurde, weil sein Wasser in die Bergbauschächte eindrang, die inzwischen bis unter die Innenstadt reichten.

Häufige Fragen
Seit wann hat Eisleben einen Bahnhof?
Wer hat das Bahnhofsgebäude saniert?
Welche Züge halten in Eisleben?
Was war die Elektrische Kleinbahn Mansfeld?
Warum heißt Eisleben Lutherstadt?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Der Bahnhof Sangerhausen am Harz – weiter westlich an der Strecke Richtung Kassel
→ Ortstermin: Halle (Saale) Hauptbahnhof – die Großstadt an der Saale, Ausgangspunkt der S-Bahn nach Eisleben
