Stimmt es, dass …?
„Achtung am Fischstand, der Zug nach Samut Songkhram fährt ein, bitte Schirme einklappen und Körbe zurücknehmen.“
Stimmt es, dass in Thailand ein Zug mitten durch einen Markt fährt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt. In Samut Songkhram südwestlich von Bangkok hat sich direkt auf der Trasse der Mae-Klong-Bahn ein Markt entwickelt, dessen Stände bei jedem herannahenden Zug weggeklappt und danach wieder aufgebaut werden.
Auf Videos sieht es aus wie ein Trick: Ein Zug rollt langsam durch eine Gasse voller Marktstände, und wenige Augenblicke später ist alles wieder aufgebaut.
Viele halten die Szene für eine Inszenierung für Touristen.
Ob in Thailand wirklich ein Zug mitten durch einen Markt fährt, klärt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
1904
Eröffnung
des ersten Abschnitts der Mae-Klong-Bahn
3
Verbindungen am Tag
auf dem Abschnitt bis zum Markt
33 km
erster Abschnitt
in Meterspur gebaut
Die Marktstände werden bei jedem herannahenden Zug weggeklappt und danach wieder aufgebaut.
Eine Vorortbahn südwestlich von Bangkok
Die Strecke heißt offiziell Bahnstrecke Thonburi–Samut Songkhram und wird auch Mae-Klong-Bahn genannt.
Sie bedient einen Vorortverkehr im Südwesten von Bangkok.
Die Bahn besteht aus zwei Teilstrecken, die nicht miteinander verbunden sind.
Der erste Abschnitt beginnt im Bahnhof Wongwian Yai am westlichen Ufer des Chao Phraya und führt bis an den Fluss Tha Chin.
Dort setzen die Reisenden mit einer Personenfähre über, bevor es auf der anderen Seite bis nach Samut Songkhram am Ufer des Mae Klong weitergeht.

Ein Markt auf den Schienen
In Samut Songkhram hat sich direkt auf der Bahntrasse ein Markt entwickelt.
Er heißt Talat Rom Hoop, was auf Deutsch etwa Schirm-klapp-weg-Markt bedeutet.
Der Name bezieht sich auf die Marktstände, die bei jedem herannahenden Zug weggeklappt und anschließend wieder aufgebaut werden.
Der Markt gilt als einer der größten Märkte für Meeresfrüchte in Thailand.
Einen ähnlichen Markt links und rechts der Gleise gibt es auch an der Endstation Mahachai in Samut Sakhon.
Gut zu wissen
Die Mae-Klong-Bahn besteht aus zwei getrennten Inselbetrieben. Dazwischen liegt der Fluss Tha Chin, den die Reisenden mit einer Personenfähre überqueren.
Auf der Strecke gibt es nur Wagen der dritten Klasse. Eine erste oder zweite Klasse bietet die Mae-Klong-Bahn nicht an.
Wenig Züge, viel Betrieb
Zwischen Bangkok und Mahachai fahren die Züge den ganzen Tag über etwa im Stundentakt.
Jenseits der Fähre, zwischen Ban Laem und Samut Songkhram, werden dagegen nur drei Verbindungen am Tag angeboten.
Die Züge führen ausschließlich die dritte Klasse.
Für die Händler bedeutet der seltene Zugverkehr, dass die Gleise die meiste Zeit des Tages als Marktgasse dienen.
Wenn ein Zug kommt, muss der Platz aber binnen kurzer Zeit frei sein.
Eine Bahn aus privater Hand
Die Geschichte der Strecke beginnt mit privaten Konzessionen, wie sie die siamesische Regierung seit den 1880er-Jahren vergab.
Für den ersten Abschnitt erhielt ein Antragsteller am 17. Mai 1901 eine auf 40 Jahre angelegte Konzession.
Gebaut wurde die 33 Kilometer lange Strecke in Meterspur von der 1902 gegründeten Tanchin Railway, zu deren Gründungsdirektoren der dänische Ingenieur Aage Westenholz gehörte, ein Onkel der Schriftstellerin Karen Blixen.
Am 4. Januar 1904 eröffnete Kronprinz Vajiravudh, der spätere König Rama VI., die Strecke.
Zunächst fuhren täglich drei Zugpaare mit bis zu 45 Kilometern pro Stunde, die Fahrzeit betrug 70 bis 75 Minuten.
Die zweite Hälfte bis Samut Songkhram
Noch 1904 wurde eine Konzession für eine Bahn vom gegenüberliegenden Ufer des Tha Chin nach Samut Songkhram beantragt.
Im Sommer 1905 übernahm die neu gegründete Maeklong Railway diese Konzession.
Am 12. Juli 1907 wurde die Strecke eröffnet, und eine Fähre stellte den Anschluss zur Strecke nach Thonburi her.
Noch am Tag der Eröffnung beschlossen die beiden Bahngesellschaften, sich zusammenzuschließen.
Die vereinigte Gesellschaft trug ebenfalls den Namen Maeklong Railway.
Straßenbahn, Staat und Diesel
In den Jahren 1926 und 1927 wurde der östliche Teil der Strecke auf 9,06 Kilometern elektrifiziert und danach mit Straßenbahnen befahren.
Zum 8. Mai 1946 kaufte der thailändische Staat die Strecke nach Ablauf der Konzessionen für 2.000.000 Baht.
Im Jahr 1952 wurde sie der Thailändischen Staatsbahn unterstellt und 1955 endgültig in sie eingegliedert.
Ende 1959 stellte man den gesamten Betrieb auf Dieselfahrzeuge um.
Im Jahr 1961 musste der östliche Endbahnhof Khlon San dem zunehmenden Autoverkehr weichen, sein Empfangsgebäude wurde danach als Busbahnhof genutzt.
Sanierung und alte Triebwagen
Von Mai 2015 bis April 2016 war der Abschnitt von Ban Laem nach Samut Songkhram für Sanierungsarbeiten komplett gesperrt.
Zu dieser Zeit wurde der gesamte Verkehr noch mit japanischen Dieseltriebwagen aus den 1980er-Jahren abgewickelt.
Nach der Wiedereröffnung rollten die Züge wieder durch die Marktgasse von Samut Songkhram.
Der Markt und seine Bahn gelten heute gemeinsam als Attraktion und Touristenmagnet.
Stilllegen oder bewahren
Seit den 1960er-Jahren gab es immer wieder Pläne, die Strecke an das übrige Netz der Staatsbahn anzuschließen.
Sie scheiterten an den hohen Kosten für Brücken oder Tunnel über die Flüsse Tha Chin und Mae Klong.
In ihrem heutigen Zustand wirkt die Strecke etwas aus der Zeit gefallen, weshalb es schon Überlegungen gab, sie stillzulegen.
Andere wollen den Zustand dagegen bewahren, um den Markt mit seinen Arbeitsplätzen als Attraktion zu erhalten.
Als Argument wird dabei angeführt, dass es bisher nur zu kleineren Schürfwunden gekommen sei.
Kein Einzelfall in Thailand
Der Markt in Samut Songkhram ist der bekannteste, aber nicht der einzige seiner Art an dieser Bahn.
Auch an der Endstation Mahachai stehen Marktstände links und rechts der Gleise.
Beide Märkte zeigen, wie eng Bahn und Alltag an dieser Strecke verwoben sind.
Wer die Szene erleben will, muss sich allerdings nach dem schmalen Fahrplan richten.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn in Samut Songkhram fährt die Mae-Klong-Bahn tatsächlich mitten durch einen Markt.
Die Stände des Talat Rom Hoop werden bei jedem herannahenden Zug weggeklappt und danach sofort wieder aufgebaut.
Der Markt gilt als einer der größten Märkte für Meeresfrüchte in Thailand und ist längst ein Touristenmagnet.
Die Bahn selbst ist über hundert Jahre alt, ihr erster Abschnitt wurde 1904 eröffnet.
Eine Inszenierung ist das Ganze also nicht, der Markt ist vielmehr über die Jahre auf der Bahntrasse gewachsen.
Warum sich der Blick aufs Detail lohnt
Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.
Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.
Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.
Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.
Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.
Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
