Stimmt es, dass …?
„Letzte Fahrt der Linie 2, bitte ein letztes Mal einsteigen, ab morgen fährt hier der Bus.“
Stimmt es, dass Hamburg seine Straßenbahn abgeschafft hat?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Hamburg hatte eines der ältesten und größten Straßenbahnnetze Deutschlands, doch der Senat beschloss 1958 die schrittweise Stilllegung, und seit dem 2. Oktober 1978 ist die Stadt ohne Straßenbahn.
In vielen deutschen Großstädten gehört die Straßenbahn bis heute zum Alltag.
In Hamburg dagegen sucht man sie vergeblich, obwohl die Stadt einst ein riesiges Netz besaß.
Dieser Mythos-Check zeigt, wie die Hamburger Straßenbahn entstand, warum sie verschwand und welche Spuren sie hinterlassen hat.

Die Fakten in Zahlen
1866
Start
der ersten Pferdebahnstrecke in Hamburg
1958
Senatsbeschluss
zur schrittweisen Stilllegung
02.10.1978
Ende
seitdem ist Hamburg ohne Straßenbahn
Im Jahr 1896 war das Hamburger Streckennetz bereits rund 100 Kilometer lang.
Ein frühes Netz
Die Hamburger Straßenbahn gehörte zu den ältesten und größten Straßenbahnnetzen in Deutschland.
Im Jahr 1866 wurde die erste Pferdebahnstrecke eröffnet.
Die Stadt wuchs damals rasant, denn im alten Hamburger Gebiet stieg die Einwohnerzahl von 290.000 im Jahr 1870 auf 559.000 im Jahr 1890.
Pferdeomnibusse reichten dafür nicht aus, weil die Fahrt auf dem Steinpflaster zu unbequem war.
Das Streckennetz wuchs von 28 Kilometern im Jahr 1879 auf rund 100 Kilometer im Jahr 1896.

Strom statt Pferde
Am 5. März 1894 begann in Hamburg der elektrische Betrieb auf einer zweigleisigen Ringlinie.
Ab 1894 wurden die Pferdebahnlinien nach und nach elektrifiziert.
Bis zur Jahrhundertwende war der Hauptteil des innerstädtischen Netzes fertig.
Um 1900 betrieb die Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft die Linien 1 bis 30.
Am 1. Januar 1920 übernahm die Hamburger Hochbahn den Straßenbahnbetrieb.
Gut zu wissen
Offene Gleisreste sind aus dem Hamburger Straßenbild seit den 2000er Jahren fast vollständig verschwunden. Lange wurden die Schienen nur mit einer neuen Fahrbahndecke überbaut und tauchen bei Bauarbeiten manchmal wieder auf.
Die ab Mitte der 1950er Jahre eingeführten Schnellbusse sollten umsteigefreie Verbindungen bieten, die es bis dahin mit der Straßenbahn gegeben hatte. Sie dienten schließlich auch als Argument, dass Busse komfortabler seien als die Straßenbahn.
Briefkästen auf Schienen
Die Straßenbahn übernahm in Hamburg zeitweise sogar Aufgaben der Post.
Ab September 1920 hatten alle Züge, die über den Hauptbahnhof oder den Stephansplatz fuhren, rollende Briefkästen.
In diese Kästen am Heck der Triebwagen konnten Eilbriefe, Telegramme und andere dringende Sendungen eingeworfen werden.
In den 1920er Jahren kamen neue Strecken hinzu, etwa zur Stadthalle am Stadtpark und zur Trabrennbahn in Farmsen.
Gleichzeitig richtete die Hochbahn ab 1925 die ersten ständigen Buslinien ein.
Wiederaufbau nach dem Krieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand 1947 wieder ein Netz mit den wichtigsten Linien zur Verfügung.
1948 ging eine Neubaustrecke nach Bramfeld in Betrieb.
Am 29. Oktober 1955 wurde Lurup an das Straßenbahnnetz angeschlossen.
Damit erreichte das Netz seine größte Ausdehnung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Doch schon am 30. August 1954 hatte in Harburg die Umstellung der ersten Straßenbahnlinie auf Busbetrieb begonnen.
Der Beschluss von 1958
Eine Denkschrift des Senats von 1955 regte an, die U-Bahn zu verlängern und neue Strecken zu bauen.
1958 beschloss der Senat, das U-Bahn-Netz zu erweitern und gleichzeitig den Straßenbahnbetrieb schrittweise einzustellen.
Schon 1954 hatte eine Zeitung gemeldet, Hamburg plane, die Straßenbahn innerhalb von zwanzig Jahren abzuschaffen.
Ab 1956 entstand ein Netz aus zuschlagpflichtigen Schnellbussen, die umsteigefreie Verbindungen anboten.
Die letzten neuen Straßenbahnwagen vom Typ V7 wurden 1957 in Dienst gestellt.
Stück für Stück verschwunden
Am 10. Mai 1959 wurden die Linien 13 und 17 aufgegeben.
Ab Oktober 1960 wurde fast jedes Jahr ein weiteres Teilstück stillgelegt.
Viele Linien fielen dem Ausbau der U-Bahn zum Opfer, etwa die Wandsbeker Linien 3 und 16.
In der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober 1978 fuhren die letzten planmäßigen Wagen der Linie 2 in den Betriebshof Lokstedt.
Am 1. Oktober gab es noch Abschiedsfahrten zwischen Rathausmarkt und Schnelsen, und seit dem 2. Oktober 1978 ist Hamburg straßenbahnlos.
Aus Gleisen werden Busspuren
Nach der letzten Fahrt ging alles sehr schnell.
Gleise und Oberleitung wurden sofort entfernt, um auf der Trasse in Mittellage mehrerer Straßen Busspuren einzurichten.
Dafür wurden Mittel des Bundes aus dem Förderprogramm zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs genutzt.
Das letzte Fahrplanbuch des Hamburger Verkehrsverbunds mit Straßenbahn war die Ausgabe zum Sommerfahrplan vom Mai 1978.
Der letzte Betriebshof an der Alten Kollaustraße wurde zu einem Baumarkt, der größte am Krohnskamp zu einem Supermarkt.
Spuren im Stadtbild
Ganz verschwunden ist die Straßenbahn trotzdem nicht.
An Gebäuden in der Innenstadt, in Eppendorf, Altona und anderen Stadtteilen gibt es noch etwa 600 Oberleitungsrosetten.
An vielen Straßen stehen noch die charakteristischen Masten, an denen heute die Straßenbeleuchtung hängt.
Manche Busspuren folgen an Kreuzungen noch den großen Kurvenradien der alten Gleise.
Wagen vom Typ V6 sind unter anderem in San Francisco, am Schönberger Strand bei Kiel und in einem dänischen Straßenbahnmuseum erhalten.
Pläne für ein Comeback
Über eine Rückkehr der Straßenbahn wird in Hamburg seit Jahrzehnten diskutiert.
Ein 1989 entworfenes Stadtbahnnetz mit zwei Linien wurde bis 2001 verfolgt und dann gestoppt.
2008 wurde erneut eine Stadtbahn angekündigt, und Anfang 2009 fiel die Entscheidung für eine erste Linie zwischen Bramfeld und Altona.
Diese erste etwa 15 Kilometer lange Strecke sollte Teil eines rund 50 Kilometer langen Netzes werden.
Im Mai 2011 beschloss der Aufsichtsrat der Hochbahn jedoch, das Planfeststellungsverfahren einzustellen.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Hamburg hatte eines der ältesten und größten Straßenbahnnetze Deutschlands, beginnend mit der Pferdebahn von 1866.
1958 beschloss der Senat die schrittweise Stilllegung zugunsten von U-Bahn und Bussen.
Seit dem 2. Oktober 1978 fährt in Hamburg keine Straßenbahn mehr, und spätere Pläne für eine neue Stadtbahn wurden nicht umgesetzt.
Wer genau hinschaut, findet ihre Spuren aber noch an Hauswänden, Masten und Busspuren.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
