Ortstermin
„Endstation Tangermünde, bitte alle aussteigen, die Kaiser- und Hansestadt an der Elbe begrüßt ihre Gäste.“
Der Bahnhof Tangermünde, Endstation einer Bahn für Zucker und Hafen
→ Ein Ortstermin in der Altmark.
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Kurz gesagt
Die Bahnstrecke von Stendal nach Tangermünde wurde im April 1886 eröffnet und gehörte zu großen Teilen der Stadt und ihrer Zuckerraffinerie. Heute fahren auf den zehn Kilometern fast stündlich Züge, während die Güterzüge zum Elbhafen Geschichte sind.
Tangermünde liegt hoch über der Elbe im Südosten des Landkreises Stendal und ist eine historische Kaiser- und Hansestadt.
Ihr Name erzählt von ihrer Lage, denn hier mündet der kleine Fluss Tanger in die Elbe.
Die Eisenbahn kam erst über einen Umweg in die Stadt, doch ihre Geschichte ist eng mit Zucker, Hafen und einer schmalspurigen Rübenbahn verbunden.

Beinahe an der Lehrter Bahn
Als Preußen und das Königreich Hannover im März 1866 den Bau einer Bahn von Berlin nach Lehrte vereinbarten, war auch Tangermünde mit seinem Elbhafen als möglicher Halt im Gespräch.
Am Ende führte die Trasse aber über das weiter nördlich gelegene Stendal, und die Lehrter Bahn wurde 1871 eröffnet.
Die Elbe überquert sie seitdem bei Hämerten, einem Dorf, das heute zu Tangermünde gehört.
Die erste Eisenbahnbrücke an dieser Stelle entstand zwischen 1868 und 1871 als zweigleisige Brücke nach einem Entwurf von Johann Wilhelm Schwedler.

Die Elbebrücke Hämerten
Im April 1945 sprengte die Wehrmacht die beiden Hauptpfeiler der Brücke, sodass der Überbau auf 240 Metern Länge herabstürzte.
Ab November 1945 errichtete die Siemens-Bauunion eine hölzerne Behelfsbrücke, über die in den folgenden anderthalb Jahren wieder Züge fuhren.
Heute überqueren hier sowohl die Lehrter Bahn als auch die Schnellfahrstrecke von Hannover nach Berlin die Elbe.
Mit 810 Metern ist die Elbebrücke Hämerten das längste Brückenbauwerk der beiden Strecken und überspannt neben dem Fluss auch das nicht eingedeichte Vorland.

Gut zu wissen
Die Bahnstrecke Stendal–Tangermünde ist zehn Kilometer lang und wurde im April 1886 eröffnet. Seit Dezember 2018 fährt hier die Hanseatische Eisenbahn unter der Marke HANS.
Neben dem Haltepunkt Tangermünde gibt es den Bedarfshalt Tangermünde West. Güterzüge fahren seit Ende 1997 nicht mehr.
Eine Bahn im Besitz der Stadt
1884 wurde die Stendal-Tangermünder Eisenbahn-Gesellschaft gegründet, deren Hauptaktionäre die Stadt Tangermünde mit 51 Prozent und die örtliche Zuckerraffinerie mit 39 Prozent des Kapitals waren.
Die zehn Kilometer lange normalspurige Strecke nach Stendal wurde am 1. April 1886 für den Güterverkehr eröffnet, und am 7. April folgte der Personenverkehr.
Anfangs fuhren fünf bis acht Zugpaare am Tag zwischen Tangermünde und dem Eisenbahnknoten Stendal.
An den Besitzverhältnissen änderte sich bis 1946/47 kaum etwas, dann übernahm die Provinz Sachsen die Bahn, und im April 1949 wurde sie Teil der Deutschen Reichsbahn.

Zucker, Hafen und Güterzüge
Die Zuckerraffinerie hatte Friedrich Theodor Meyer schon 1826 gegründet, und bis zum Zweiten Weltkrieg war sie eine der größten in Europa.
Für den einst bedeutenden Güterverkehr bekam Tangermünde zwei Anschlussbahnen, eine zum Elbhafen und eine zur Zuckerfabrik.
In den Verzeichnissen der Bahn hieß diese Ladestelle Tangermünde Ladestellen am Elb- und Hafenufer, und bis kurz nach der politischen Wende gab es im Hafen einen Güterbahnhof.
Seit Ende 1997 fahren keine Güterzüge mehr, und die Gleise zum Elbhafen wurden abgebaut.

Die Rübenbahn nach Lüderitz
Am 10. Oktober 1903 nahm zusätzlich die Kleinbahn Tangermünde–Lüderitz den Betrieb auf, die auch Rübenbahn genannt wurde.
Die schmalspurige Bahn mit 750 Millimetern Spurweite führte vom Bahnhof Tangermünde-Neustadt über Demker, wo sie die Hauptbahn von Stendal nach Magdeburg unterquerte, bis nach Lüderitz.
Ab dem 25. Februar 1904 begannen ihre Züge im Bahnhof der Stendal-Tangermünder Eisenbahn, und über Anschlussgleise zum Elbhafen brachte sie vor allem landwirtschaftliche Produkte zum Schiff.
Weil sie äußerst sparsam gebaut worden war, überstand sie die Krisen der Kriegszeit nicht, und schon am 7. Oktober 1917 wurde der Abschnitt von Tangermünde nach Demker stillgelegt.

Fast stündlich nach Stendal
Heute endet die Strecke am Haltepunkt Tangermünde an der Bahnhofstraße, und rund einen Kilometer nordwestlich halten die Züge bei Bedarf am Haltepunkt Tangermünde West.
In jüngerer Zeit hat sich die Zahl der Fahrten mehr als verdoppelt, seit ein annähernder Stundentakt von und nach Stendal angeboten wird.
Zunächst fuhren hier einige Jahre Doppelstocktriebwagen der Baureihe 670, die später durch Triebwagen der Baureihe 642 ersetzt wurden.
Seit Dezember 2018 befährt die Hanseatische Eisenbahn die Strecke unter der Marke HANS, meist mit Dieseltriebzügen der Baureihe 650.

Kaiser Karl IV. an der Elbe
Die Burg Tangermünde wurde im Jahr 1009 vom Chronisten Thietmar von Merseburg erstmals erwähnt, und die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahr 1275.
Die Lage auf einer felsigen Endmoräne hoch über der Elbe machte Tangermünde zum Ort, an dem die Elbzölle erhoben wurden, und später zur Residenz der Markgrafen.
Von 1373 bis 1378 war die Stadt der Zweitsitz von Kaiser Karl IV., der 1373 seinen zwölfjährigen Sohn Wenzel zum Kurfürsten von Brandenburg gemacht hatte.
Ihre Blütezeit als Hansestadt erlebte Tangermünde im 15. Jahrhundert, als auch die Stephanskirche zur gotischen Hallenkirche ausgebaut wurde.

Backsteingotik und Grete Minde
Das Rathaus am Markt mit seiner spätgotischen Schauwand wurde ab 1430 gebaut und gilt als Paradestück deutscher Backsteingotik.
Im Museum darin geht es auch um Grete Minde, der man den Stadtbrand von 1617 zu Unrecht zur Last legte und die zwei Jahre später auf dem Scheiterhaufen starb.
Theodor Fontane machte aus dem Schicksal der Waise seine Novelle Grete Minde, die 1880 erschien.
Die Stephanskirche besitzt eine Orgel des Hamburger Orgelbauers Hans Scherer des Jüngeren, eine astronomische Uhr und den höchsten der zwölf Türme der Stadt.

Ankommen in Tangermünde
Die Altstadt mit Stadtmauer, Stephanskirche und Burg liegt so hoch über der Elbe, dass sie vor Hochwasser sicher ist.
Ihr Kern blieb anders als in vielen Städten Europas unangetastet, nicht zuletzt weil die Stadtmauer an der steilen Elbseite zugleich als Böschungsmauer dient.
Auf dem Burggelände stehen das ehemalige Tanzhaus aus der Zeit Karls IV. sowie der Kapitelturm und der Gefängnisturm, und das Burgmuseum befindet sich im ältesten erhaltenen Wohnhaus der Stadt von 1453.
Neben dem Neustädter Tor steht die frühere Nikolaikirche, in der heute eine Gaststätte mit mittelalterlichem Ambiente untergebracht ist.

Häufige Fragen
Wann bekam Tangermünde einen Bahnanschluss?
Wer baute die Bahn nach Stendal?
Was war die Rübenbahn?
Warum fährt die Lehrter Bahn nicht durch Tangermünde?
Wer fährt heute nach Tangermünde?
Weiterfahrt
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