Standpunkt
„Die Stadtbahn in Regensburg wurde gestrichen, ein Ersatzzug wird derzeit geprüft.“
Sollte Regensburg doch noch eine Stadtbahn bauen?
→ Ein Standpunkt zur Stadtbahn in Regensburg nach dem Bürgerentscheid von 2024.
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Worum es geht
Ja, aber mit einem neuen Anlauf. Eine Bahn kann auf den Hauptachsen deutlich mehr Menschen befördern als Busse, und die Vorplanung zeigte einen klaren Nutzen. Nach dem knappen Nein von 2024 braucht es aber eine offene Prüfung und eine ehrliche Rechnung, die die Menschen in der Stadt überzeugt.
Regensburg hatte von 1903 bis 1964 eine Straßenbahn, danach übernahmen Stadtbusse den Verkehr.
Jahrzehntelang wurde über eine Rückkehr der Schiene diskutiert, 2018 begann die Stadt mit einer konkreten Planung.
Im Juni 2024 stimmte eine Mehrheit im Bürgerentscheid gegen die Fortsetzung der Planungen.
Seit der Kommunalwahl 2026 liegt das Thema dennoch wieder auf dem Tisch.

Eine lange Vorgeschichte
Schon 1967 soll in der Stadtverwaltung über eine Wiedereinführung der Straßenbahn nachgedacht worden sein.
Eine Studie des Verkehrsclubs VCD legte 1993 eine Stadtbahn nahe, eine weitere Studie empfahl sie 1994.
Eine Konzeptstudie von 2006 bescheinigte einem Netz aus drei Linien dagegen einen deutlich zu niedrigen Nutzen.
Trotzdem wurden bei Bauprojekten wie der neuen Nibelungenbrücke mögliche Trassen für eine Bahn berücksichtigt.
Ab Ende 2006 warben verschiedene Seiten für eine Mini-Stadtbahn auf einer Nord-Süd-Achse bis zum Universitätsklinikum.

Der Beschluss von 2018
Im Oktober 2017 empfahl ein Zwischengutachten die Stadtbahn und hielt sie für förderfähig.
Damals wurden die Kosten auf 246 Millionen Euro geschätzt, von denen Regensburg 19 Prozent hätte tragen müssen.
Am 19. Juni 2018 beschloss der Planungsausschuss des Stadtrats einstimmig, die Stadtbahn schnellstmöglich zu planen.
Der Stadtrat bestätigte das am 29. Juni 2018 bei nur einer Gegenstimme.
Das geplante Netz
Zum Start waren zwei Linien vom Norden in den Süden der Stadt auf einem Netz von 17,7 Kilometern vorgesehen.
Die Linie A sollte von der Aussiger Straße über die Altstadt, den Hauptbahnhof und die Universität zum Klinikum fahren.
Die Linie B sollte vom Bahnhof Walhallastraße über den Hauptbahnhof bis zum Bahnhof Burgweinting führen.
Auf dem gemeinsamen Abschnitt zwischen Nordgaustraße und Hauptbahnhof wäre alle drei bis vier Minuten eine Bahn gefahren.
Die Buslinien sollten künftig vor allem als Zubringer dienen und zusätzliche Ring- und Querverbindungen schaffen.
Kosten und Nutzen nach der Vorplanung
Mitte März 2024 ergab die Vorplanung für die bevorzugte Variante ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,54.
Die Kosten lagen bei etwa 880 Millionen Euro nach Preisstand 2023, hochgerechnet auf 2030 bei etwa 1,21 Milliarden Euro.
Bei einer Förderquote von rund 62 Prozent wäre für die Stadt ein Eigenanteil von etwa 334 Millionen Euro geblieben, nach Preisstand 2030 von etwa 464 Millionen Euro.
Rechnerisch ergaben sich damit rund 68 Millionen Euro pro Kilometer.
Die Stadt rechnete im April 2024 vor, dass auch ohne Stadtbahn in 30 Jahren rund 1,5 Milliarden Euro Zusatzkosten im Nahverkehr anfallen würden, dann aber mit deutlich weniger Nutzen.
Das knappe Nein von 2024
Der Stadtrat setzte den Bürgerentscheid zeitgleich mit der Europawahl auf den 9. Juni 2024 an.
Mehrere Parteien und Organisationen kritisierten die kurze Frist, weil die Planungen noch nicht abgeschlossen waren.
Am Ende stimmten 53,7 Prozent gegen und 46,3 Prozent für die Fortsetzung der Planungen.
Die Wahlbeteiligung lag bei 55,9 Prozent.
Die damalige Oberbürgermeisterin sprach danach von einer verpassten historischen Chance.
Was Befürworter und Gegner sagten
Befürworter verwiesen darauf, dass eine Bahn etwa dreimal so viele Menschen fasst wie ein Bus, was auch gegen den Mangel an Busfahrern helfe.
Sie nannten außerdem Rasengleise, mehr Barrierefreiheit und eine mögliche Verlängerung ins Umland auf Eisenbahngleisen.
Gegner kritisierten die hohen Kosten, die ungeklärte Finanzierung und die lange Bauzeit.
Sie warnten zudem vor gefällten Bäumen, verlorenen Fahrspuren und neuen Umstiegen.
Nach ihrer Rechnung hätte die Stadtbahn den Anteil des Nahverkehrs nur um zwei Prozent erhöht.
Die Universität und das Universitätsklinikum unterstützten das Projekt, die Industrie- und Handelskammer lehnte es ab.
Das Thema kehrt zurück
Nach dem Bürgerentscheid galt das Projekt zunächst als beendet.
Im Kommunalwahlkampf 2026 griffen mehrere Listen die Idee einer Straßenbahn wieder auf.
Der 2026 gewählte Oberbürgermeister erklärte, ein schienengebundenes System solle weiter verfolgt werden.
Er setzt dabei auf eine technologieoffene Planung, bei der zunächst verschiedene Systeme geprüft werden.
Nach dem Stand von 2026 ist damit offen, ob und in welcher Form eine Bahn kommt.
Die Rolle der Regio-S-Bahn
Der Verkehrsverbund RVV sieht als oberste Priorität für den Landkreis eine Regio-S-Bahn im Großraum Regensburg.
Vorgesehen sind dafür neue Haltestellen in der Stadt und ein 20-Minuten-Takt im Norden.
Stadtbahn und Regio-S-Bahn schließen sich nicht aus, sondern könnten sich gut ergänzen.
Ein früherer Geschäftsführer des Verkehrsverbunds hielt dagegen auch das Bussystem für ausbaufähig, etwa mit eigenen Spuren und größeren Bussen.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Pro und Contra
Dafür
+ Die Vorplanung zeigte mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,54 einen klaren volkswirtschaftlichen Nutzen.
+ Bund und Land hätten rund 62 Prozent der Kosten übernommen, ohne Bahn fließt dieses Geld nicht nach Regensburg.
+ Eine Bahn kann auf den Hauptachsen deutlich mehr Menschen befördern als ein Bus.
+ Nach der Rechnung der Stadt fallen auch ohne Stadtbahn hohe Zusatzkosten für den Nahverkehr an.
+ Universität und Klinikum, zwei große Ziele im Süden der Stadt, hätten einen leistungsfähigen Anschluss bekommen.
+ Ein neuer, offener Anlauf kann die Kritik von 2024 aufgreifen und die Pläne besser erklären.
Dagegen
− Die Mehrheit hat im Juni 2024 Nein gesagt, und dieses Votum verdient Respekt.
− Mit rund 1,21 Milliarden Euro nach Preisstand 2030 war das Projekt sehr teuer.
− Der Eigenanteil der Stadt hätte bei mehreren Hundert Millionen Euro gelegen.
− Jahrelange Bauarbeiten hätten Altstadt, Handel und Verkehr belastet.
− Ein ausgebautes Bussystem mit eigenen Spuren wäre flexibler und schneller umsetzbar.
− Eine neue Planung kostet erneut Zeit und Geld, ohne dass ein Ergebnis sicher ist.
Unterm Strich
Regensburg hat die Stadtbahn 2024 knapp abgelehnt, doch die Verkehrsprobleme sind damit nicht verschwunden.
Die Zahlen der Vorplanung sprechen für eine Bahn auf den stärksten Achsen der Stadt.
Ein neuer Anlauf sollte offen prüfen, früh informieren und die Menschen ernsthaft beteiligen.
Dann könnte aus dem knappen Nein von 2024 eines Tages doch noch ein Ja werden.
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