Stimmt es, dass …?
„Hinweis für gefiederte Reisende, die Wand neben Gleis zwei ist aus Glas, auch wenn der schwarze Vogel darauf etwas anderes behauptet.“
Stimmt es, dass Greifvogel-Aufkleber Vögel vor gläsernen Lärmschutzwänden schützen?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Nein, das stimmt nicht. Studien zeigen, dass Greifvogel-Silhouetten den Vogelschlag an Glasflächen nicht statistisch signifikant verringern, wirksam sind dagegen dichte Streifen- oder Punktmuster, wie sie auch an gläsernen Lärmschutzwänden entlang von Bahnstrecken gefordert werden.
An vielen Glaswänden kleben schwarze Vogelsilhouetten, die aussehen wie Greifvögel im Flug.
Sie sollen kleinere Vögel abschrecken, damit diese nicht gegen die Scheibe prallen, und man findet sie an Fenstern, Wartehäuschen und Lärmschutzwänden.
Ob die Aufkleber wirklich helfen, klärt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
100 Mio.
Vögel pro Jahr
verunglücken in Deutschland an Glasscheiben, Schätzung Stand 2023
10 cm
Streifenabstand
höchstens, damit Markierungen zuverlässig wirken
8 m
Zughöhe mit Stromabnehmer
doppelt so hoch wie Autos auf der Autobahn
Studien zeigen, dass Greifvogel-Silhouetten den Vogelschlag nicht statistisch signifikant verringern.
Glas ist für Vögel unsichtbar
Vögel übersehen manchmal Hindernisse in ihrem Flugraum, etwa Fensterscheiben, Stromleitungen oder Lärmschutzwände.
Besonders problematisch sind Glasflächen, weil fliegende Vögel sie nicht als Hindernis erkennen können.
Gefährlich sind vor allem Scheiben, die einen freien Blick auf die Landschaft dahinter erlauben, wie gläserne Schallschutzwände oder Buswartehäuschen, und stark spiegelnde Flächen.
Allein in Deutschland wird die Zahl der an Glasscheiben verunglückten Vögel auf mehr als 100 Millionen Tiere im Jahr geschätzt, so der Stand von 2023.

Lärmschutzwände an Bahnstrecken
Lärmschutzwände werden häufig an Bahnstrecken installiert.
Der Großteil des Schienenverkehrslärms entsteht dabei durch den Lauf der Radsätze im Gleis.
Glas setzt man in solchen Wänden vor allem aus ästhetischen Gründen ein, zum Beispiel um die Eintönigkeit langer Wände zu brechen.
Genau hier entsteht aber das Problem des Vogelschlags, weshalb auf dem Glas Markierungen wie Streifen oder davor Netze angebracht werden müssen.
Gut zu wissen
Neben Vögeln werden an Bahnstrecken nach den Untersuchungen ähnlich viele Säugetiere getötet. Die Aussagen zum Vogelschlag lassen sich auch auf Fledermäuse übertragen.
Die Bewertungen von Prüfmustern gegen Vogelanprall veröffentlicht unter anderem die Wiener Umweltanwaltschaft. Hoch wirksame Muster fallen dort in die Kategorie A, das sogenannte Vogelschutzglas.
Die Idee mit dem Greifvogel
Greifvogel-Silhouetten, auch Warnvögel genannt, sind Aufkleber, die verhindern sollen, dass Vögel gegen Scheiben fliegen.
Große Fensterscheiben wurden ab den 1970er-Jahren häufig damit beklebt.
Dahinter steckt die These, dass Singvögel die Umrisse ihrer natürlichen Feinde erkennen und aus Angst ausweichen.
Kleinere Vögel, die zu den Beutetieren der Greifvögel gehören, sollten so von der Scheibe ferngehalten werden.
Was die Studien zeigen
Die Wirklichkeit sieht anders aus als die Theorie.
Studien haben gezeigt, dass Greifvogel-Silhouetten nicht zu einer statistisch signifikanten Verringerung des Vogelschlags führen.
Die Vögel nehmen den Aufkleber zwar als Hindernis wahr, versuchen aber nur, ihn zu umfliegen, und prallen dann direkt neben der Silhouette gegen das Glas.
Eine abschreckende Wirkung gelingt allenfalls in geringem Umfang mit bunten Silhouetten, kaum dagegen mit schwarzen oder weißen.
Ein einzelner Aufkleber auf einer großen Glaswand ist deshalb eher ein gutes Gewissen als ein wirksamer Schutz.
Was wirklich hilft
Wirksam sind nach den bisherigen Erkenntnissen dichte Muster auf der Außenseite der Scheibe.
Bewährt haben sich waagerechte oder senkrechte Streifen mit einem Abstand von höchstens zehn Zentimetern.
Auch andere außen aufgeklebte Objekte verringern die Gefahr, sofern sie dicht genug sitzen.
Grundsätzlich gilt, auch für Greifvogel-Silhouetten, dass eine Beklebung sehr dicht sein muss, damit Vögel die Scheibe sicher als Hindernis erkennen.
Muster, die Menschen kaum sehen
Viele Vogelarten können ultraviolettes Licht sehen, das für Menschen unsichtbar ist.
Dieser Umstand schützt zum Beispiel Spinnennetze, weil sie UV-Licht reflektieren und für Vogelaugen dadurch sichtbar werden.
Den sogenannten Spinnennetz-Effekt kann man auch an Glasflächen nutzen.
Folien oder Aufkleber, die für Menschen durchsichtig sind, im UV-Bereich aber reflektieren oder absorbieren, können Vögeln als Sichthilfe dienen.
Wie Vogelschutzglas geprüft wird
Wie wirksam ein Muster ist, lässt sich in Wahlversuchen mit einem Flugtunnel ermitteln.
Singvögel, die ohnehin für eine Beringung gefangen wurden, fliegen dabei auf eine unmarkierte Fläche und auf ein Testmuster zu.
Fast unsichtbare Netze vor den Scheiben verhindern, dass die Tiere dabei tatsächlich aufprallen.
Nach dem Bewertungsschema der Biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf gelten Muster mit höchstens zehn Prozent Anflügen als hoch wirksam.
Vogelschlag auch am Zug
Vögel geraten an Bahnstrecken nicht nur an Wände, sondern auch an Züge.
Sieben Untersuchungen an deutschen und anderen europäischen Strecken, veröffentlicht zwischen 1982 und 2002, ergaben 0,29 bis 61 Vogelschläge pro Streckenkilometer und Jahr.
Auf Strecken mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde waren es höchstens 20, auf Strecken mit 200 Kilometern pro Stunde und mehr mindestens 38,1.
Als ein Grund gilt, dass Züge mit Stromabnehmer rund acht Meter hoch sind, während kleinere Vögel oft nur in vier bis sechs Metern Höhe fliegen.
Ein Vogelschlag am Stromabnehmer eines Intercity-Zuges blockierte am 12. August 2016 in Deutschland sogar für Stunden beide Gleise einer Strecke.
Lärmschutz und Vogelschutz zusammen denken
Lärmschutzwände schützen Anwohner vor Bahnlärm, bringen aber auch Nachteile mit sich.
Sie verstellen zum Beispiel den seitlichen Blick aus dem Zugfenster, was für Reisende besonders spürbar ist.
Gläserne Wandelemente können städtebauliche und landschaftliche Beeinträchtigungen mildern, verlangen dann aber einen wirksamen Vogelschutz.
Für den Schallschutz an Bahnstrecken gelten außerdem sogenannte Niedrigschallschutzwände als neuere Innovation.
Das Fazit
Der Mythos stimmt nicht, denn Greifvogel-Aufkleber verringern den Vogelschlag an Glasflächen nach Studien nicht statistisch signifikant.
Vögel erkennen den Aufkleber zwar als Hindernis, fliegen aber um ihn herum und prallen daneben gegen die Scheibe.
Wirksam sind dagegen dichte Streifen mit höchstens zehn Zentimetern Abstand oder UV-Muster, die Vögel sehen können.
Für gläserne Lärmschutzwände an Bahnstrecken sind deshalb Markierungen auf dem Glas oder Netze davor vorgesehen.
Wer an einer Glaswand nur einen schwarzen Greifvogel entdeckt, sieht also eher ein Symbol als einen echten Schutz.
Warum Verlässlichkeit so wichtig ist
Nichts schätzen Fahrgäste an der Bahn so sehr wie Verlässlichkeit.
Wer sich auf seinen Zug verlassen kann, plant seinen Tag mit ruhigem Gewissen.
Schon eine einzige Verspätung kann eine ganze Reisekette stören.
Deshalb arbeitet die Bahn mit großem Aufwand an einem stabilen Betrieb.
Pünktlichkeit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einzelner Schritte.
Am Ende ist Verlässlichkeit das wertvollste Versprechen der Bahn.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
