Stimmt es, dass …?
„Achtung am Ladegleis, der Güterzug mit Rindern für den Viehhof fährt ein, bitte Abstand halten.“
Stimmt es, dass früher Vieh mit der Bahn transportiert wurde?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Rinder, Schweine, Pferde und Kleinvieh reisten jahrzehntelang in gedeckten und offenen Güterwagen, und erst zum 1. April 2001 stellte DB Cargo den Transport lebender Tiere auf der Schiene ein.
Heute verbindet man Tiertransporte vor allem mit Lastwagen auf der Autobahn.
Doch lange Zeit rollten Rinder, Schweine und Schafe auch mit der Eisenbahn zu Märkten und Schlachthöfen.
Wie das funktionierte und wann es endete, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
1839
Ludwigsbahn
Bier und Vieh unter den ersten Gütern
1881
Berlin
Zentralviehhof mit Bahnanschluss eröffnet
1.4.2001
DB Cargo
Ende der Lebendtiertransporte auf der Schiene
Für Vieh brauchten gedeckte Güterwagen eine gute Belüftung, anfangs mit mindestens vier, später mit acht Lüftungsöffnungen.
Vieh gehörte zu den ersten Frachten
Schon auf der ersten deutschen Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth spielte Vieh eine Rolle.
Als dort ab 1839 zusätzlich zum Personenverkehr auch Güter befördert wurden, zählten Bierfässer und Vieh zu den ersten Transportgütern.
Im Jahr 1845 gab es auf der Strecke bereits einen regen Güterverkehr.
Damit begann eine lange Geschichte des Tiertransports auf der Schiene.

Welche Wagen für welche Tiere
Vieh wurde in der Regel in gedeckten oder offenen Güterwagen befördert.
Gedeckte Güterwagen waren eigentlich für witterungsempfindliche Güter gedacht, aber ausdrücklich auch für Tiere vorgesehen.
In offenen Wagen mit hohen Bordwänden, früher auch Hornviehwagen genannt, reisten Rinder, Pferde oder Schweine.
Für Kleinvieh wie Schafe, Ziegen, Geflügel und Kaninchen gab es Verschlagwagen.
Rennpferde fuhren sogar in eigenen Stallungswagen.
Gut zu wissen
Tiertransporte haben ganz unterschiedliche Anlässe, etwa Zucht, Mast, Sport, Schlachtung oder den Transport von Zoo- und Zirkustieren. Auch Tiere, die mit Privatpersonen reisen, fallen darunter.
Gedeckte Güterwagen machten bis in die 1960er Jahre bei vielen Bahngesellschaften etwa 40 Prozent des Gesamtbestands aus. Sie dienten vor allem dem Stückguttransport, wurden aber auch für Tiere genutzt.
Luft, Wasser und Halt
Der Transport von Tieren verlangte besondere Vorkehrungen.
Dazu gehörten Lüftungsklappen, Befestigungsmittel, Tränkvorrichtungen und Schaulöcher.
So sollten Verluste und Schäden an der lebenden Fracht vermieden werden.
Gedeckte Güterwagen für Vieh hatten deshalb anfangs mindestens vier und später acht Lüftungsöffnungen.
Für Militärpferde gab es in den Wagen zudem Ringe zum Anbinden.
Spezialwagen für besondere Frachten
Neben den gewöhnlichen Güterwagen gab es schon um 1850 sogenannte Privatgüterwagen für besondere Güter.
Viele dieser Wagen stellten Wagenleihanstalten ein und vermieteten sie an die Betriebe.
Bei den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen gab es unter den privaten Spezialwagen sogar eigene Geflügelwagen.
Die Liste reichte dort von Bierwagen über Brotwagen bis zu Knochenwagen.
Für lebende Tiere nutzte man aber meist die üblichen gedeckten und offenen Wagen.
Der Viehmarkt vor der Stadtmauer
Wie eng Viehhandel und Eisenbahn zusammenhingen, zeigt die Geschichte Berlins.
Im Jahr 1827 eröffnete der Gastwirt Klaeger vor der Zoll- und Akzisemauer einen Viehmarkt mit Ställen für 1000 Rinder, 4000 Schweine und 6000 Hammel.
Im Jahr 1868 kaufte der Industrielle Bethel Henry Strousberg das Unternehmen und ließ den noch fehlenden Eisenbahnanschluss bauen.
Nach dem Ausbruch der Rinderpest in Berlin wurde dieser Viehhof 1871 geschlossen.
Ein Schlachthof mit eigenem Bahnhof
Im März 1881 eröffnete Berlin seinen städtischen Zentralvieh- und Schlachthof, obwohl noch nicht alle Gebäude fertig waren.
Er lag zunächst im Dreieck zwischen Thaerstraße, Eldenaer Straße und der Ringbahn.
Nördlich schloss sich bis zu den Gleisen der Ringbahn ein eigener Bahnhof zum Entladen des Viehs an.
Der heutige S-Bahnhof Storkower Straße hieß bis 1977 noch Zentralviehhof.
Umbenannt wurde er nach dem Bau des Neubaugebiets am Fennpfuhl, für das er ein wichtiger Zugang war.
Das Ende auf der Schiene
Lange Zeit blieb der Tiertransport ein Teil des Güterverkehrs auf der Schiene.
Das Schienenverkehrsunternehmen DB Cargo stellte den Transport lebender Tiere zum 1. April 2001 ein.
Als Begründung hieß es, man wolle bei diesem sensiblen Thema nicht den öffentlichen Prügelknaben spielen.
Zudem waren die Transporte im Jahr 2000 durch BSE-Fälle und die Maul- und Klauenseuche deutlich zurückgegangen.
Das Unternehmen hielt den Zeitpunkt für den Ausstieg deshalb für richtig.
Tiertransporte heute
Heute regelt in der Europäischen Union die Verordnung Nummer 1/2005 den Transport lebender Tiere.
In Deutschland dient die Tierschutztransportverordnung ihrer Durchführung.
Als Transport gilt dabei jede Bewegung lebender Wirbeltiere mit Transportmitteln, einschließlich Verladen, Entladen und Ruhen.
Im Jahr 2019 wurden weltweit rund 1,8 Milliarden lebende Hühner, Schweine, Schafe, Ziegen und Rinder exportiert.
Die Welternährungsorganisation schätzt, dass die Europäische Union für über drei Viertel dieser Transporte verantwortlich war.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Vieh gehörte schon auf der ersten deutschen Eisenbahn zu den frühen Frachten und reiste danach viele Jahrzehnte in Güterwagen.
Für Rinder, Schweine, Pferde und Kleinvieh gab es passende Wagen mit Lüftung, Tränken und Anbinderingen.
Große Schlachthöfe wie der Berliner Zentralviehhof hatten sogar eigene Bahnanlagen zum Entladen.
Erst zum 1. April 2001 beendete DB Cargo den Transport lebender Tiere auf der Schiene.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
