Stimmt es, dass …?
„Werte Reisende der ersten Klasse, der kostenlose Kaffee wartet heute nicht am Sitzplatz, sondern in der Lounge im Bahnhof.“
Stimmt es, dass es in der ersten Klasse kostenlose Getränke gibt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt nur teilweise. Im Zug zählen Gratisgetränke heute nicht zu den festen Leistungen der ersten Klasse, kostenlos sind Heiß- und Kaltgetränke aber in den DB Lounges, zu denen Erste-Klasse-Reisende mit Flexpreis Zutritt haben.
Breite Sitze, viel Beinfreiheit und ein ruhiger Wagen gehören für viele Reisende zum Bild der ersten Klasse.
Oft kommt die Vorstellung dazu, dass Kaffee, Wasser und Saft dort ganz selbstverständlich auf Kosten der Bahn serviert werden.
Ob das stimmt und wo es Getränke tatsächlich umsonst gibt, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
13
DB Lounges
Getränke dort kostenlos
3,3 Mio.
Gäste 2025
in den DB Lounges
15.06.2014
Ende
der Gratisgetränke im ICE Sprinter
Im Schnitt entfallen rund 20 Prozent der Sitzplätze im Fernverkehr der Deutschen Bahn auf die erste Klasse.
Was die erste Klasse bietet
Die Wagenklasse legt bei der Eisenbahn fest, wie viel Komfort ein Platz bietet.
Die erste Klasse steht dabei für die höchste Komfortstufe im Zug.
Im Fernverkehr der Deutschen Bahn zählen bequemere Sitze mit größerem Sitzabstand zu ihren wichtigsten Merkmalen.
Hinzu kommen die Bedienung am Platz, kostenlose Sitzplatzreservierungen beim Flexpreis und eigene Erste-Klasse-Schalter an ausgewählten Bahnhöfen.
Gratisgetränke im Zug gehören dagegen nicht zu den Merkmalen, die für die erste Klasse beschrieben werden.

Service am Platz
Die Bedienung am Platz ist eine der bekanntesten Annehmlichkeiten der ersten Klasse.
Wer etwas trinken möchte, muss dafür nicht durch den halben Zug zum Bordbistro laufen.
Schon im ersten ICE gab es in der ersten Klasse Serviceruftasten, mit denen Reisende einen Zugbegleiter vom Sitz aus rufen konnten.
Service am Platz bedeutet aber nicht automatisch, dass die Bestellung nichts kostet.
Im ICE Sprinter etwa konnte ein Frühstück am Platz in der ersten Klasse zeitweise für 14,90 D-Mark gekauft werden.
Gut zu wissen
Die DB Lounges sind die Nachfolger der früheren Wartesäle erster Klasse. In den Jahren 2015 und 2016 nutzten jeweils wenigstens 5 Millionen Gäste die damals noch 15 Lounges.
Liegen Start und Ziel einer Fahrt im selben Verkehrsverbund, gibt es keinen Zugang zu den Premium-Bereichen. Seit 2017 prüfen elektronische Lesegeräte am Eingang die Zutrittsberechtigung.
Die Ausnahme hieß ICE Sprinter
Ganz aus der Luft gegriffen ist der Mythos trotzdem nicht.
Die ICE Sprinter verbinden seit 1992 deutsche Großstädte mit wenigen oder gar keinen Zwischenhalten.
In ihren Anfangsjahren waren in der ersten Klasse ein Frühstück am Platz, Getränke, Kopfhörer und Tageszeitungen im Fahrpreis enthalten.
In der zweiten Klasse gehörten damals ein Snack, heiße Getränke und Tageszeitungen dazu.
Kostenlose Getränke und einen Imbiss oder ein Frühstück gab es im ICE Sprinter noch bis zum 15. Juni 2014.
Kostenlos in der DB Lounge
Wirklich gratis sind Getränke heute vor allem an einem Ort, nämlich in der DB Lounge.
Die Deutsche Bahn betreibt diese Wartebereiche für Reisende der ersten Klasse und für Vielfahrer mit BahnBonus-Status.
In allen DB Lounges stehen den Gästen Heiß- und Kaltgetränke kostenlos zur Verfügung.
Im Comfort-Bereich zapfen sich die Gäste Cola, Limonade, Apfelschorle oder Wasser selbst, dazu gibt es Kaffeespezialitäten, Trinkschokolade und Tee.
Vielerorts steht sogar heiße Brühe bereit.
Wer in die Lounge darf
Eine Fahrkarte der ersten Klasse allein reicht dafür allerdings nicht immer aus.
Zutritt gewährt ein am selben Tag gültiger Erste-Klasse-Fahrschein im Tarif Flexpreis für ICE, TGV, Intercity oder Eurocity.
Wer mit einem Sparpreis oder Supersparpreis in der ersten Klasse reist, hat nach den Nutzungsregeln keinen Zutritt.
Die Lounge ist für die Zeit unmittelbar vor oder nach der Reise und für Umsteigebahnhöfe gedacht.
Nach Angaben der Bahn dauert ein typischer Aufenthalt zwischen 20 und 30 Minuten.
Mehr Genuss im Premium-Bereich
In 7 der 13 DB Lounges gibt es zusätzlich einen Premium-Bereich.
Er steht Fahrgästen mit Erste-Klasse-Flexpreis und BahnBonus-Kunden mit Status Platin und Fernverkehrsfahrkarte offen.
Dort werden zusätzlich alkoholische Getränke ausgeschenkt und kleine Speisen angeboten.
Das Angebot wechselt mehrmals im Jahr und reicht von Müsli, Sandwiches oder Hummus mit Brot bis zu warmen Gerichten wie Kürbissuppe.
Bestellt wird dort grundsätzlich bequem am Platz.
Ein Blick über die Grenze
Bei anderen Bahnen gehörten Essen und Trinken teils fest zu den besseren Klassen.
Als die Eurostar-Züge durch den Kanaltunnel im September 2005 ein Dreiklassensystem einführten, wurden in der Klasse Leisure Select Champagner und ein Drei-Gänge-Menü am Platz serviert.
In der Klasse Business Premier kamen unter anderem ein Express-Check-in und der Zugang zu Lounges hinzu.
Die österreichischen Railjets fahren seit 2008 mit den Klassen Business, First und Economy.
Für die Business-Klasse, die ursprünglich Premium hieß, war gegen einen höheren Aufpreis eine Mahlzeit inbegriffen, was auch wegen zu geringer Nutzung wieder abgeschafft wurde.
Was wirklich inklusive ist
Ganz ohne Extras bleibt die erste Klasse der Deutschen Bahn trotzdem nicht.
Beim Flexpreis sind die Sitzplatzreservierung und die Nutzung der DB Lounge inklusive.
Der Internetzugang im ICE ist in der ersten Klasse kostenlos, seit 2017 gibt es kostenloses WLAN weitgehend auch in der zweiten Klasse.
Wer für die erste Klasse zahlt, bekommt also vor allem mehr Platz und mehr Service.
Ein Gratisgetränk im Zug gehört heute nicht zum festen Paket.
Das Fazit
Der Mythos stimmt nur teilweise.
Im Zug zählen kostenlose Getränke heute nicht zu den festen Leistungen der ersten Klasse der Deutschen Bahn.
Im ICE Sprinter gab es sie noch bis zum 15. Juni 2014.
Wer mit einem Erste-Klasse-Flexpreis unterwegs ist, trinkt dafür in der DB Lounge kostenlos Kaffee, Tee oder Schorle.
Der Gratiskaffee wartet also nicht am Sitzplatz, sondern vor der Abfahrt im Bahnhof.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
