Stimmt es, dass …?
„Nächster Halt Corrour, bis zur nächsten öffentlichen Straße sind es von hier 16 Kilometer.“
Stimmt es, dass es Bahnhöfe ohne Straße gibt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Der schottische Bahnhof Corrour ist nicht über öffentliche Straßen erreichbar, die nächste liegt 16 Kilometer entfernt, und auch Berney Arms in England oder das Schweizer Bergdorf Wengen kommen ohne Straßenzufahrt aus.
Zu fast jedem Bahnhof führt eine Straße, auf der Busse, Taxis und Autos vorfahren.
Doch es gibt Orte, an denen der Zug die einzige bequeme Verbindung zur Außenwelt ist.
Wo solche Bahnhöfe liegen, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
16 km
Corrour
bis zur nächsten öffentlichen Straße
2,5 km
Berney Arms
bis zur nächsten Straße
3454 m
Jungfraujoch
höchstgelegener Bahnhof Europas
Im Schnitt nutzen rund 12.000 Fahrgäste pro Jahr den Bahnhof Corrour.
Corrour im schottischen Moor
Der Bahnhof Corrour liegt abseits jeder größeren Siedlung im Rannoch Moor in Schottland.
Er ist nicht über öffentliche Straßen erreichbar.
Die nächste öffentliche Straße liegt 16 Kilometer entfernt.
Mit 408 Metern über dem Meer ist Corrour zugleich der höchstgelegene Bahnhof einer Hauptbahn im Vereinigten Königreich.
Im Schnitt nutzen trotzdem rund 12.000 Fahrgäste pro Jahr den Bahnhof.

Ein Bahnhof für einen Gutsherrn
Seine Entstehung verdankt Corrour einem großen Landbesitz, der damals rund 14.000 Hektar im Rannoch Moor und in den Bergen umfasste.
Das Land diente vor allem der Jagd auf Rothirsche und Moorhühner.
Der Besitzer Stirling-Maxwell gab der West Highland Railway Zugang zu seinen Ländereien unter der Bedingung, dass sie für ihn einen Bahnhof baute.
Eröffnet wurde der Bahnhof im August 1894 zusammen mit der West Highland Line.
Erst 1972 baute die Forstverwaltung eine private Forststraße, die Kraftfahrzeuge bis zum Bahnhof nutzen können.
Gut zu wissen
Die Wangerooger Inselbahn besteht heute aus drei eingleisigen, meterspurigen Strecken. Betrieben wird sie von SIW Schifffahrt und Inselbahn Wangerooge, einer Organisationseinheit von DB Fernverkehr.
Die Einwohnerzahl von Wengen stieg von 210 im Jahr 1783 auf 811 im Jahr 1900. Die Wengernalpbahn wurde in den 1890er Jahren gebaut und galt damals als modernstes Verkehrsmittel.
Zwischen Hochland und Kino
Corrour liegt an der West Highland Line zwischen Glasgow und Mallaig.
Alle Züge auf dieser Strecke halten dort, auch der Caledonian Sleeper mit Schlafwagen von und nach London.
Neben dem Bahnhof gibt es nur das Station House mit einem Restaurant und einigen Gästezimmern.
Für Bergwanderer ist der Bahnhof ein geeigneter Ausgangspunkt, etwa eine Meile entfernt liegt am Loch Ossian eine der abgelegensten Jugendherbergen Großbritanniens.
Im Film Trainspotting wurde die Szene mit dem Ausflug aufs Land auf diesem abgelegenen Bahnhof gedreht.
Berney Arms in den Marschen
Auch in England gibt es einen solchen Ort, nämlich Berney Arms in der Grafschaft Norfolk.
Die abgelegene Siedlung liegt am Nordufer des Flusses Yare in der Nähe des Breydon Water.
Sie besteht aus einem Bahnhof, einer Windmühle, einem Bauernhaus und einer Gaststätte, die seit Ende 2015 geschlossen ist.
Eine öffentliche Straße führt nicht dorthin, sondern nur ein Privatweg.
Wer hinwill, kommt mit der Bahn, mit dem Boot oder zu Fuß, denn der Bahnhof liegt 2,5 Kilometer von der nächsten Straße entfernt.
Wengen ohne Zufahrt
In den Schweizer Alpen liegt das Dorf Wengen rund 400 Meter über dem Lauterbrunnental am Fuß von Eiger, Mönch und Jungfrau.
Das Dorf besitzt keinen Anschluss an das Straßennetz und ist deshalb nahezu autofrei.
Seit 1893 ist Wengen ab Lauterbrunnen mit der Wengernalpbahn erreichbar.
Straßen für Kraftfahrzeuge gibt es bis heute nur innerhalb des Ortes, nicht als Zufahrt von außen.
Zu Fuß ist Wengen von Lauterbrunnen aus auf einem 3,5 Kilometer langen Weg erreichbar.
Das Dorf der Jungfrau
Wengen hat etwa 1300 ständige Einwohner.
In der winterlichen Hochsaison leben dort mehr als 10.000 Menschen, in den Sommerferien etwa 5000.
Auf den Straßen des Ortes fahren nur wenige Elektromobile, meist Fahrzeuge der Gemeinde und zur Versorgung der Hotels.
Auch diese Fahrzeuge kommen mit der Bahn nach oben.
Jedes Jahr im Januar ist Wengen zudem Schauplatz des berühmten Lauberhornrennens.
Der höchste Bahnhof Europas
Von der Kleinen Scheidegg auf 2061 Metern fährt die Jungfraubahn noch weiter hinauf.
Sie bewältigt 9,34 Kilometer, davon verlaufen die letzten 7,32 Kilometer unterirdisch durch den Eiger.
Die unterirdische Endstation Jungfraujoch liegt auf 3454 Metern und ist der höchstgelegene Bahnhof Europas.
Seit 1912 ist die ganze Strecke bis zum Jungfraujoch in Betrieb.
Eine autofreie Insel in Deutschland
Auch in Deutschland gibt es Bahnhöfe, zu denen kein Auto fährt.
Auf der autofreien Nordseeinsel Wangerooge ist die Inselbahn das wichtigste Verkehrsmittel.
Sie wurde am 3. Juli 1897 eröffnet und führte vom damals neuen Anleger im Südwesten der Insel ins Inseldorf.
Für die 3,5 Kilometer lange Strecke brauchte ein Zug schon damals etwa 20 Minuten.
Die Inselbahn ist heute die letzte Schmalspurbahn, die von der Deutschen Bahn betrieben wird.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Der schottische Bahnhof Corrour liegt 16 Kilometer von der nächsten öffentlichen Straße entfernt.
In England erreicht man Berney Arms nur mit der Bahn, mit dem Boot oder zu Fuß.
In der Schweiz kommt das Bergdorf Wengen ganz ohne Straßenzufahrt aus, und am Jungfraujoch endet die Bahn tief im Berg.
Für solche Orte ist der Zug nicht irgendein Verkehrsmittel, sondern die wichtigste Verbindung zur Welt.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
