Stimmt es, dass …?
„Bitte einsteigen nach Fürth, heute reisen ausnahmsweise auch zwei Fässchen Bier in der dritten Klasse mit.“
Stimmt es, dass die erste Fracht in Deutschland Bier war?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt, aber anders, als die Legende erzählt. Die erste Fracht zwischen Nürnberg und Fürth waren zwei Fässer Bier des Brauers Lederer, die nach dem 11. Juli 1836 in einem Wagen der dritten Klasse reisten und nicht auf dem Tender des Adlers.
Um die erste deutsche Eisenbahn ranken sich viele Geschichten.
Eine der beliebtesten erzählt, dass der Adler schon früh zwei Fässer Bier nach Fürth brachte.
Was an dieser Geschichte stimmt und was Werbung ist, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
7.12.1835
Eröffnung
der Ludwigsbahn Nürnberg–Fürth
2 Fässer
nach dem 11.7.1836
Bier als erste Fracht
6 Kreuzer
pro Fässchen
Transportlohn für das Bier
Der größte Bestand der Ludwigsbahn lag bei 10 Güterwagen gegenüber 44 Personenwagen.
Die Legende vom Adler
Die Geschichte klingt zu schön, um sie nicht zu erzählen.
Zwei Fässer Bier sollen auf dem Tender des Adlers von Nürnberg nach Fürth gereist sein und so den Güterverkehr in Deutschland eröffnet haben.
Tatsächlich waren zwei Fässer Bier die erste Fracht zwischen den beiden Städten.
Die Einzelheiten der Legende halten einer Prüfung aber nicht stand.

Eine Bahn für Fahrgäste
Die Eröffnungsfahrt der Ludwigsbahn fand am 7. Dezember 1835 statt.
Damit fuhr in Deutschland die erste mit Lokomotiven betriebene Eisenbahn.
Rund 200 geladene Gäste reisten im Premierenzug in drei Wagen erster, vier Wagen zweiter und zwei Wagen dritter Klasse nach Fürth.
Den Eröffnungszug setzte William Wilson in Bewegung, sein Heizer war der Nürnberger Johann Georg Hieronymus.
Die Bahn war von Anfang an für den Personenverkehr gedacht und hatte in den ersten Jahren keine Güterwagen.
Selbst später besaß sie höchstens 10 Güterwagen, aber 44 Personenwagen.
Gut zu wissen
Die Lokomotive sollte nach den Wünschen der Bahngesellschaft zehn Tonnen ziehen und die Strecke von Nürnberg nach Fürth in acht bis zehn Minuten schaffen. Außerdem sollte sie mit Holzkohle beheizbar sein.
In elf beziehungsweise zehn Jahren legten der Adler und seine Schwesterlok Pfeil 32.168 Fahrten mit mehr als 2,5 Millionen Menschen zurück. Danach musste der Adler grundlegend überholt werden.
Güter waren erlaubt, aber nicht gleich willkommen
Die Statuten der Eisenbahngesellschaft von 1836 nannten den Transport von Waren ausdrücklich als einen ihrer Zwecke.
Den ersten Antrag eines Nürnberger Kaufmanns auf einen Warentransport im Mai 1836 lehnten die Verantwortlichen trotzdem ab.
Der Güterverkehr begann also nicht mit einem großen Fest, sondern ganz vorsichtig.
Den Anfang machte ausgerechnet ein Bierbrauer.
Zwei Fässer nach Fürth
Zwei Fässer Bier waren die erste Fracht, die zwischen Nürnberg und Fürth befördert wurde.
Das geschah aber nicht zur Eröffnung, sondern zu einem unbekannten Zeitpunkt nach dem 11. Juli 1836.
Die Fässer reisten auch nicht auf dem Tender des Adlers, sondern in einem Wagen der dritten Klasse.
Absender war der Bierbrauer Lederer.
Sechs Kreuzer pro Fässchen
Direktor Scharrer erlaubte dem Brauer schriftlich, mit dem ersten nach Fürth fahrenden Wagen zwei Fässchen Bier an einen Wirt zu schicken.
Als Transportlohn waren sechs Kreuzer pro Fässchen vereinbart.
Der Wirt musste die Fässer bei Ankunft des Wagens jedes Mal sofort abnehmen.
Ein Direktoralkommissär sollte dafür sorgen, dass dieser kleine Anfang des Gütertransports in gehöriger Ordnung ablief.
Ein Pferd statt Dampf
Auch die Zugkraft war weniger glanzvoll, als die Legende glauben lässt.
Den ersten Zug am frühen Morgen zog ein Ackergaul.
Die teure Kohle kam nur bei den Fahrten zur Mittagszeit zum Einsatz.
Wegen des hohen Kohlepreises wurde ohnehin der überwiegende Teil der Fahrten auf der Ludwigsbahn mit Pferden abgewickelt.
Wie die Legende entstand
Das Bild von den zwei Fässern auf dem Tender des Adlers geht auf das Marketing der Lederer-Brauerei zurück.
Das Ereignis selbst markiert aber tatsächlich den Beginn des Gütertransports auf der deutschen Eisenbahn.
Der Kern der Geschichte ist also wahr, nur die Kulisse wurde nachträglich verschönert.
Die Ludwigsbahn selbst war wirtschaftlich erfolgreich und zahlte schon 1836 eine Dividende von 20 Prozent.
Der Adler und der spätere Güterverkehr
Der Adler wurde 1835 von der Firma Robert Stephenson and Company im englischen Newcastle gebaut.
Nach einem Vorvertrag vom Mai 1835 sollte Stephenson eine Lokomotive der Bauart Patentee mit sechs Rädern liefern.
Er war die erste Lokomotive, die in Deutschland kommerziell erfolgreich im Personenverkehr und später auch im Güterverkehr fuhr.
Nach der Geschichte des Adlers kamen Gütertransporte erst ab 1839 zum Personenverkehr hinzu.
Zu den ersten Transportgütern zählten wieder Bierfässer und außerdem Vieh.
Im Jahr 1845 gab es auf der Strecke dann bereits einen regen Güterverkehr.
Das Fazit
Der Mythos stimmt im Kern.
Zwei Fässer Bier des Brauers Lederer waren die erste Fracht auf der ersten deutschen Eisenbahn.
Sie reisten aber erst nach dem 11. Juli 1836 und in einem Wagen der dritten Klasse, nicht zur Eröffnung auf dem Tender des Adlers.
Den ersten Zug am frühen Morgen zog ein Ackergaul, weil die teure Kohle den Mittagsfahrten vorbehalten war.
Die bekannte Version mit dem Adler stammt aus der Werbung der Brauerei.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
