Stimmt es, dass …?
„Berlin Zoologischer Garten, Ausstieg in Fahrtrichtung links, Reisende zur Großmutter bitte bis Friedrichstraße sitzen bleiben.“
Stimmt es, dass Emil in Emil und die Detektive am falschen Bahnhof ausstieg?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt teilweise. Emil steigt am Bahnhof Zoo aus und nicht dort, wo ihn seine Familie erwartet, doch das ist kein Versehen, sondern Absicht, denn er will den Dieb verfolgen, der ihm im Zug das Geld gestohlen hat.
Ein Junge, ein gestohlener Umschlag voller Geld und eine Verfolgungsjagd quer durch Berlin.
Die Geschichte von Emil Tischbein beginnt in einem Eisenbahnabteil und führt an einen Bahnhof, an dem ihn niemand erwartet.
Ob Emil wirklich am falschen Bahnhof ausstieg, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
140 Mark
im Gepäck
gab die Mutter Emil für die Großmutter mit
1929
Herbst
Erscheinen des Kinderbuchs von Erich Kästner
11,2 km
Berliner Stadtbahn
verbindet unter anderem Zoo und Friedrichstraße
Als Belohnung für die Ergreifung des Diebes bekommt Emil am Ende tausend Mark.
Ein Junge fährt nach Berlin
Emil und die Detektive ist ein Kinderbuch von Erich Kästner mit Bildern von Walter Trier.
Der zwölfjährige Emil Tischbein reist darin aus seiner Heimatstadt Neustadt zum ersten Mal nach Berlin, um Verwandte zu besuchen.
Seine Mutter hat ihm 140 Mark mitgegeben, die er seiner Großmutter bringen soll.
Doch im Eisenbahnabteil stiehlt ihm ein Mitreisender das Geld, ein Mann, der sich Grundeis nennt.
Damit beginnt eine der bekanntesten Verfolgungsjagden der Kinderliteratur.

Zoo statt Friedrichstraße
Emil traut sich nicht, zur Polizei zu gehen, weil er daheim selbst etwas ausgefressen hat.
Stattdessen nimmt er die Verfolgung des Diebes auf eigene Faust auf, und zwar vom Bahnhof Zoo an.
In der Verfilmung von 1931 ist deutlich zu sehen, was das bedeutet.
Dort warten Emils Großmutter und seine Cousine Pony Hütchen vergeblich am Bahnhof Friedrichstraße auf ihn.
Emil steigt also nicht aus Versehen früher aus, sondern weil der Dieb dort den Zug verlässt.
Gut zu wissen
Emil und die Detektive war 1933 das einzige Werk Kästners, das zunächst nicht bei der Bücherverbrennung vernichtet wurde. Im Jahr 1936 verboten die Nationalsozialisten jedoch auch dieses Buch.
Die Fortsetzung Emil und die drei Zwillinge erschien 1935 nur im Ausland und spielt überwiegend an der Ostsee. Darin sehen sich Emil und seine Freunde sogar den Film Emil und die Detektive an.
Zwei Bahnhöfe an einer Strecke
Der Bahnhof Zoologischer Garten und der Bahnhof Friedrichstraße liegen beide an der Berliner Stadtbahn.
Diese Strecke führt auf 11,2 Kilometern vom Ostbahnhof über Friedrichstraße und Zoologischer Garten bis nach Charlottenburg.
Große Teile von ihr ruhen auf gemauerten Viaduktbögen, den sogenannten Stadtbahnbögen.
Eröffnet wurde die Stadtbahn im Februar 1882, also fast fünfzig Jahre vor Emils Reise.
Der Bahnhof Zoo liegt im Westen in Charlottenburg, der Bahnhof Friedrichstraße mitten im Zentrum nahe Unter den Linden.
Parole Emil
In Berlin spricht der gleichaltrige Gustav Emil an, und zwar mit seiner Hupe.
Gustav trommelt seine Freunde zusammen, die eine Kriegskasse anlegen und einen Nachrichtendienst organisieren.
Als Erkennungszeichen wählen sie die Worte Parole Emil.
Die Kinder beschatten den Dieb quer durch die Stadt und sammeln Hinweise.
Auch Emils Cousine Pony Hütchen stößt dazu, nachdem Emil seine Verwandten per Boten informiert hat.
Die Nadel im Geldschein
Schließlich will der nervös gewordene Dieb die gestohlenen Scheine in einer Bank umtauschen.
Dort stellen ihn die Detektive zusammen mit einer großen Menge Kinder und übergeben ihn der Polizei.
Die Scheine lassen sich eindeutig zuordnen, denn sie haben feine Löcher.
Emil hatte das Geld nämlich mit einer Nadel in seiner Jackentasche festgesteckt.
Grundeis entpuppt sich als gesuchter Bankräuber, und Emil erhält tausend Mark Belohnung.
Das erste moderne Kinderbuch
Das Buch erschien im Herbst 1929 und wurde ein großer Erfolg, der bis heute anhält.
In der Literaturgeschichte gilt es als erstes modernes Kinderbuch.
Neu war, dass die Kinder selbst handeln und die Geschichte in einer realistisch beschriebenen Großstadt spielt.
Dazu kommt eine kindgerechte Sprache mit vielen umgangssprachlichen Wendungen.
Der neuartige Ton der Geschichte regte die gesamte Kinderliteratur an.
Zuvor waren Kinderbücher meist märchenhaft oder moralisierend gewesen.
Kästner und sein Emil
Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren und starb 1974 in München.
Mit erstem Vornamen hieß er selbst Emil.
Für die Figuren von Emil und seiner Mutter ließ er sich von seiner eigenen Lebensgeschichte anregen.
In Dresden hatte er als Kind selbst eine Betrügerin verfolgt und gestellt, die seiner Mutter geschadet hatte.
In der Geschichte taucht Kästner sogar selbst auf, in seinem echten Beruf als Zeitungsjournalist.
Die Verfilmung von 1931
Schon 1931 kam die erste Verfilmung von Gerhard Lamprecht in die Kinos.
Das Drehbuch schrieb der damals noch wenig bekannte Billy Wilder, der später in Hollywood als Regisseur berühmt wurde.
Gedreht wurde in Berlin und auf dem Studiogelände in Neubabelsberg, die Außenaufnahmen von Neustadt entstanden in Werder an der Havel.
Regisseur Lamprecht legte großen Wert darauf, dass die Kinder natürlich und nicht gekünstelt spielten.
Bekannt wurde vor allem eine traumartige Szene im Zug, in der Emil nach einem präparierten Bonbon zu fantasieren beginnt.
Erich Kästner selbst ist kurz zu sehen, wie er in der Straßenbahn Zeitung liest, in die Emil nach seiner Ankunft steigt.
Das Fazit
Der Mythos stimmt teilweise.
Emil steigt tatsächlich am Bahnhof Zoo aus und nicht dort, wo ihn seine Familie erwartet.
In der Verfilmung von 1931 warten Großmutter und Cousine vergeblich am Bahnhof Friedrichstraße.
Falsch war der Bahnhof aber nur aus Sicht der wartenden Verwandten, denn Emil stieg mit Absicht aus, um den Dieb zu verfolgen.
Ohne diesen Ausstieg am Zoo gäbe es die ganze Detektivgeschichte nicht.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
