Der Bahnhof Quakenbrück, auf den die Stadt 35 Jahre warten musste

Ortstermin

„Nächster Halt Quakenbrück, der Ausgang führt durch den Tunnel von 1909.“

Der Bahnhof Quakenbrück, auf den die Stadt 35 Jahre warten musste

→ Ein Ortstermin im Artland.

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Kurz gesagt

Die ersten Fahrkarten in Quakenbrück wurden 1875 in einem Gasthof verkauft, ein richtiges Empfangsgebäude gab es erst ab 1910. Heute halten hier stündlich die Züge der NordWestBahn zwischen Oldenburg und Osnabrück.

Quakenbrück liegt an der Hase im Norden des Landkreises Osnabrück und ist der geschichtliche Mittelpunkt des Artlands.

Die alte Burgmanns- und Hansestadt besitzt rund 100 restaurierte Fachwerkhäuser und wird in touristischen Schriften gern Rothenburg des Nordens genannt.

Ihr Bahnhof erzählt von großer Ungeduld, einem provisorischen Schuppen und einem Tunnel, der bei seinem Bau als Sensation galt.

Quakenbrücker Bahnhof 2016
Foto: P A, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Eisenbahnkomitee von 1850

Schon am 12. April 1850 forderten Bürger bei einer öffentlichen Versammlung vor dem Quakenbrücker Rathaus den Bau einer Eisenbahn, und es gründete sich ein Eisenbahn-Komitee.

Die Stadt besitze als einziges Verkehrsmittel eine Chaussee in schlechtem Zustand, hieß es damals zur Begründung.

Doch viele Einwohner lehnten die Bahn ab, manche Bauern wollten kein Land abgeben, und andere fürchteten um Sitte und Moral.

Als König Georg V. von Hannover die Stadt am 10. September 1862 besuchte, hing an einem Haus der Langen Straße ein Schild mit einem Vers, der die Ungeduld der Bürger zeigte.

Quakenbrück Bahnhof (Rückseite)
Foto: P A, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der erste Zug hält am Gasthof

Weil die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft ihre Strecke von Paris nach Hamburg ab 1868 über Diepholz baute, beschloss der oldenburgische Landtag 1870 eine eigene Südbahn bis Quakenbrück.

Im Jahr 1871 folgte der Beschluss für die gesamte Strecke bis Osnabrück, und 1873 wurde der erste Spatenstich getan.

Am 17. April 1875 traf der erste Zug in der Hengelage bei Quakenbrück ein, wo am Gasthof Imbusch ein provisorischer Bahnhof eingerichtet wurde.

Die offizielle Eröffnung des Abschnitts von Oldenburg nach Quakenbrück folgte am 15. Oktober 1875, und 1876 waren auch die Arbeiten Richtung Osnabrück abgeschlossen.

Quakenbrück Hase
Foto: RoswithaC, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Gut zu wissen

Der Bahnhof Quakenbrück liegt an der Bahnstrecke Oldenburg–Osnabrück, deren Abschnitt bis Quakenbrück am 15. Oktober 1875 eröffnet wurde. Das heutige Empfangsgebäude wurde am 2. Juli 1910 eingeweiht.

Im Sommer 2014 wurde das Gebäude saniert und zu einem Bürohaus umgebaut, Wartesäle gibt es weiterhin. Die NordWestBahn hält hier im Stundentakt.

Ein Knoten mit vielen Strecken

Am 1. Juli 1879 ging die Strecke von Quakenbrück nach Rheine in Betrieb, ein Teil der 172,87 Kilometer langen Verbindung der Rheinischen Eisenbahn von Duisburg nach Quakenbrück.

In der Umgebung kamen 1888 die Strecke von Essen nach Löningen, 1904 die schmalspurige Kleinbahn Lingen–Berge–Quakenbrück und 1907 die durchgehende Strecke von Quakenbrück nach Meppen hinzu.

Ein Plan, auch Dinklage per Bahn mit Quakenbrück zu verbinden, wurde dagegen nie verwirklicht.

In den 1960er Jahren fuhren täglich 52 Reisezüge, darunter acht Eilzüge, sowie 38 Güterzüge, und im Bahnhof wurden jeden Tag 200 bis 250 Wagen rangiert.

Quakenbrück Franziskanerresidenz
Foto: Corradox, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

35 Jahre ohne Empfangsgebäude

Ein richtiges Bahnhofsgebäude gab es zunächst nicht, die Fahrkarten wurden anfangs in der Gastwirtschaft Imbusch ausgegeben.

Ab November 1875 diente ein langgestreckter behelfsmäßiger Schuppen als Bahnhof, während sich die Planungen für einen Neubau immer weiter hinzogen.

Ende 1908 wurden die Arbeiten nach einem Entwurf des Oldenburger Architekten Köhler ausgeschrieben, und ein strenger Winter sowie das sehr sumpfige Gelände verzögerten den Bau erheblich.

Das Gebäude ruht auf einer Betonsohle, die zwischen alten Eisenbahnschienen hergestellt wurde.

Quakenbrück Bahnhof
Foto: Jacek Rużyczka, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Tunnel als Sensation

Der 50 Meter lange Tunnel unter den Gleisen galt damals als Sensation und bereitete wegen des hohen Grundwassers erhebliche Schwierigkeiten.

Am 9. November 1909 waren Rohbau und Tunnel fertig, und zugleich entstanden ein Stellwerk, ein Wasserturm mit einem Hochbehälter für 200 Kubikmeter Wasser, eine Viehrampe und ein Übernachtungsgebäude.

Am 2. Juli 1910 wurde der neue Staatsbahnhof feierlich eingeweiht und zur Unterscheidung vom Bahnhof der Kleinbahn Hauptbahnhof genannt.

Das gesamte Bauvorhaben kostete 960.000 Mark, davon entfielen 95.000 Mark auf das Empfangsgebäude.

Quakenbrück Haseteilung
Foto: Corradox, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Krieg, Stilllegungen und ein Bürohaus

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gleisanlagen mehrfach getroffen, das Empfangsgebäude blieb aber unversehrt, während die drei Stellwerke gegen Kriegsende gesprengt wurden.

Schon am 18. Mai 1945 fuhr wieder der erste Zug in Richtung Osnabrück.

Die Kleinbahn nach Lingen stellte im Mai 1952 den Betrieb ein, und auf der Strecke nach Rheine endete der Personenverkehr am 31. Mai 1969.

Bis 2014 verfiel das Empfangsgebäude zusehends, dann wurde es im Sommer 2014 komplett saniert und zu einem Bürohaus umgebaut, in dem es weiterhin Wartesäle für Fahrgäste gibt.

Quakenbrück Große Kirchstraße 14
Foto: Corradox, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Burgmannen und Hanse

Quakenbrück wurde 1235 erstmals urkundlich erwähnt, war bis etwa 1500 eine Burgmannsstadt und ab 1544 eine Hansestadt.

Die Burgmannen lebten auf ihren Höfen in der Stadt und verteidigten die bischöfliche Landesburg, die dem Hochstift Osnabrück als Sicherung gegen Norden diente.

Bis 1972 verlief die Grenze zum Oldenburger Land gerade einmal 500 Meter vom Marktplatz entfernt.

Die Kleine Hase, die in westlicher Richtung durch die Stadt fließt, bildete im Süden eine natürliche Grenze, die schon im frühen Mittelalter mit Brücken überwunden wurde.

Quakenbrück Bonnus Geburtshaus
Foto: Corradox, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Rothenburg des Nordens

Wegen ihrer mittelalterlichen Stadtanlage mit vielen Fachwerkhäusern wird Quakenbrück Rothenburg des Nordens genannt, ein Beiname, den allerdings auch andere Städte für sich beanspruchen.

Eine Aufnahme in das UNESCO-Welterbe lehnten die Bürger in den 1980er Jahren ab.

Wahrzeichen der Stadt sind die evangelische St.-Sylvester-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die katholische Marienkirche aus dem 17. Jahrhundert und die Hohe Pforte.

Die Hohe Pforte ist das einzige erhaltene von einst fünf Stadttoren und führt über die Lange Straße in die Altstadt mit ihren rund 100 restaurierten Fachwerkhäusern.

Bahnhof Quakenbrück (Stellwerk) 01
Foto: Ramsch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ankommen in Quakenbrück

Heute hält die NordWestBahn im Stundentakt, und drei Regionalbuslinien verbinden den Bahnhof mit den umliegenden Dörfern.

Im Zentrum liegt der Marktplatz mit dem klassizistischen Rathaus, um den sich die Marienkirche, erbaut auf den Resten eines Burgmannshofes, und der Burgmannshof Vosshagen gruppieren.

Im ehemaligen Amtsgericht im Stil der Neorenaissance ist heute das Finanzamt untergebracht.

Rund um die Stadt breitet sich das flache Artland aus, dessen Mittelpunkt Quakenbrück bis heute ist.

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Foto: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Seit wann fahren Züge nach Quakenbrück?
Der erste Zug erreichte die Stadt am 17. April 1875, offiziell eröffnet wurde die Strecke von Oldenburg am 15. Oktober 1875.
Warum gab es so lange kein Empfangsgebäude?
Die Planungen zogen sich über Jahrzehnte hin, erst 1910 wurde nach 35 Jahren ein richtiges Bahnhofsgebäude eingeweiht.
Was ist das Besondere am Tunnel?
Der 50 Meter lange Tunnel unter den Gleisen galt beim Bau 1909 als Sensation, zumal das Grundwasser sehr hoch stand.
Welche Strecken werden noch befahren?
Im Personenverkehr nur noch die Südbahn zwischen Oldenburg und Osnabrück, der Personenverkehr nach Rheine endete 1969 und die Kleinbahn nach Lingen 1952.
Warum heißt Quakenbrück Rothenburg des Nordens?
Wegen der mittelalterlichen Stadtanlage mit vielen Fachwerkhäusern, auch wenn andere Städte den Beinamen ebenfalls beanspruchen.

Weiterfahrt

→ Ortstermin: Osnabrück Hauptbahnhof – die Friedensstadt im Süden, Ziel der Südbahn

→ Ortstermin Osnabrück Hauptbahnhof: Turmbahnhof der Friedensstadt – die Kreisstadt im Oldenburger Münsterland

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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