Ortstermin
„Nächster Halt Quakenbrück, der Ausgang führt durch den Tunnel von 1909.“
Der Bahnhof Quakenbrück, auf den die Stadt 35 Jahre warten musste
→ Ein Ortstermin im Artland.
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Kurz gesagt
Die ersten Fahrkarten in Quakenbrück wurden 1875 in einem Gasthof verkauft, ein richtiges Empfangsgebäude gab es erst ab 1910. Heute halten hier stündlich die Züge der NordWestBahn zwischen Oldenburg und Osnabrück.
Quakenbrück liegt an der Hase im Norden des Landkreises Osnabrück und ist der geschichtliche Mittelpunkt des Artlands.
Die alte Burgmanns- und Hansestadt besitzt rund 100 restaurierte Fachwerkhäuser und wird in touristischen Schriften gern Rothenburg des Nordens genannt.
Ihr Bahnhof erzählt von großer Ungeduld, einem provisorischen Schuppen und einem Tunnel, der bei seinem Bau als Sensation galt.

Ein Eisenbahnkomitee von 1850
Schon am 12. April 1850 forderten Bürger bei einer öffentlichen Versammlung vor dem Quakenbrücker Rathaus den Bau einer Eisenbahn, und es gründete sich ein Eisenbahn-Komitee.
Die Stadt besitze als einziges Verkehrsmittel eine Chaussee in schlechtem Zustand, hieß es damals zur Begründung.
Doch viele Einwohner lehnten die Bahn ab, manche Bauern wollten kein Land abgeben, und andere fürchteten um Sitte und Moral.
Als König Georg V. von Hannover die Stadt am 10. September 1862 besuchte, hing an einem Haus der Langen Straße ein Schild mit einem Vers, der die Ungeduld der Bürger zeigte.

Der erste Zug hält am Gasthof
Weil die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft ihre Strecke von Paris nach Hamburg ab 1868 über Diepholz baute, beschloss der oldenburgische Landtag 1870 eine eigene Südbahn bis Quakenbrück.
Im Jahr 1871 folgte der Beschluss für die gesamte Strecke bis Osnabrück, und 1873 wurde der erste Spatenstich getan.
Am 17. April 1875 traf der erste Zug in der Hengelage bei Quakenbrück ein, wo am Gasthof Imbusch ein provisorischer Bahnhof eingerichtet wurde.
Die offizielle Eröffnung des Abschnitts von Oldenburg nach Quakenbrück folgte am 15. Oktober 1875, und 1876 waren auch die Arbeiten Richtung Osnabrück abgeschlossen.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Quakenbrück liegt an der Bahnstrecke Oldenburg–Osnabrück, deren Abschnitt bis Quakenbrück am 15. Oktober 1875 eröffnet wurde. Das heutige Empfangsgebäude wurde am 2. Juli 1910 eingeweiht.
Im Sommer 2014 wurde das Gebäude saniert und zu einem Bürohaus umgebaut, Wartesäle gibt es weiterhin. Die NordWestBahn hält hier im Stundentakt.
Ein Knoten mit vielen Strecken
Am 1. Juli 1879 ging die Strecke von Quakenbrück nach Rheine in Betrieb, ein Teil der 172,87 Kilometer langen Verbindung der Rheinischen Eisenbahn von Duisburg nach Quakenbrück.
In der Umgebung kamen 1888 die Strecke von Essen nach Löningen, 1904 die schmalspurige Kleinbahn Lingen–Berge–Quakenbrück und 1907 die durchgehende Strecke von Quakenbrück nach Meppen hinzu.
Ein Plan, auch Dinklage per Bahn mit Quakenbrück zu verbinden, wurde dagegen nie verwirklicht.
In den 1960er Jahren fuhren täglich 52 Reisezüge, darunter acht Eilzüge, sowie 38 Güterzüge, und im Bahnhof wurden jeden Tag 200 bis 250 Wagen rangiert.

35 Jahre ohne Empfangsgebäude
Ein richtiges Bahnhofsgebäude gab es zunächst nicht, die Fahrkarten wurden anfangs in der Gastwirtschaft Imbusch ausgegeben.
Ab November 1875 diente ein langgestreckter behelfsmäßiger Schuppen als Bahnhof, während sich die Planungen für einen Neubau immer weiter hinzogen.
Ende 1908 wurden die Arbeiten nach einem Entwurf des Oldenburger Architekten Köhler ausgeschrieben, und ein strenger Winter sowie das sehr sumpfige Gelände verzögerten den Bau erheblich.
Das Gebäude ruht auf einer Betonsohle, die zwischen alten Eisenbahnschienen hergestellt wurde.

Ein Tunnel als Sensation
Der 50 Meter lange Tunnel unter den Gleisen galt damals als Sensation und bereitete wegen des hohen Grundwassers erhebliche Schwierigkeiten.
Am 9. November 1909 waren Rohbau und Tunnel fertig, und zugleich entstanden ein Stellwerk, ein Wasserturm mit einem Hochbehälter für 200 Kubikmeter Wasser, eine Viehrampe und ein Übernachtungsgebäude.
Am 2. Juli 1910 wurde der neue Staatsbahnhof feierlich eingeweiht und zur Unterscheidung vom Bahnhof der Kleinbahn Hauptbahnhof genannt.
Das gesamte Bauvorhaben kostete 960.000 Mark, davon entfielen 95.000 Mark auf das Empfangsgebäude.

Krieg, Stilllegungen und ein Bürohaus
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gleisanlagen mehrfach getroffen, das Empfangsgebäude blieb aber unversehrt, während die drei Stellwerke gegen Kriegsende gesprengt wurden.
Schon am 18. Mai 1945 fuhr wieder der erste Zug in Richtung Osnabrück.
Die Kleinbahn nach Lingen stellte im Mai 1952 den Betrieb ein, und auf der Strecke nach Rheine endete der Personenverkehr am 31. Mai 1969.
Bis 2014 verfiel das Empfangsgebäude zusehends, dann wurde es im Sommer 2014 komplett saniert und zu einem Bürohaus umgebaut, in dem es weiterhin Wartesäle für Fahrgäste gibt.

Burgmannen und Hanse
Quakenbrück wurde 1235 erstmals urkundlich erwähnt, war bis etwa 1500 eine Burgmannsstadt und ab 1544 eine Hansestadt.
Die Burgmannen lebten auf ihren Höfen in der Stadt und verteidigten die bischöfliche Landesburg, die dem Hochstift Osnabrück als Sicherung gegen Norden diente.
Bis 1972 verlief die Grenze zum Oldenburger Land gerade einmal 500 Meter vom Marktplatz entfernt.
Die Kleine Hase, die in westlicher Richtung durch die Stadt fließt, bildete im Süden eine natürliche Grenze, die schon im frühen Mittelalter mit Brücken überwunden wurde.

Rothenburg des Nordens
Wegen ihrer mittelalterlichen Stadtanlage mit vielen Fachwerkhäusern wird Quakenbrück Rothenburg des Nordens genannt, ein Beiname, den allerdings auch andere Städte für sich beanspruchen.
Eine Aufnahme in das UNESCO-Welterbe lehnten die Bürger in den 1980er Jahren ab.
Wahrzeichen der Stadt sind die evangelische St.-Sylvester-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die katholische Marienkirche aus dem 17. Jahrhundert und die Hohe Pforte.
Die Hohe Pforte ist das einzige erhaltene von einst fünf Stadttoren und führt über die Lange Straße in die Altstadt mit ihren rund 100 restaurierten Fachwerkhäusern.

Ankommen in Quakenbrück
Heute hält die NordWestBahn im Stundentakt, und drei Regionalbuslinien verbinden den Bahnhof mit den umliegenden Dörfern.
Im Zentrum liegt der Marktplatz mit dem klassizistischen Rathaus, um den sich die Marienkirche, erbaut auf den Resten eines Burgmannshofes, und der Burgmannshof Vosshagen gruppieren.
Im ehemaligen Amtsgericht im Stil der Neorenaissance ist heute das Finanzamt untergebracht.
Rund um die Stadt breitet sich das flache Artland aus, dessen Mittelpunkt Quakenbrück bis heute ist.

Häufige Fragen
Seit wann fahren Züge nach Quakenbrück?
Warum gab es so lange kein Empfangsgebäude?
Was ist das Besondere am Tunnel?
Welche Strecken werden noch befahren?
Warum heißt Quakenbrück Rothenburg des Nordens?
Weiterfahrt
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