Stimmt es, dass …?
„Am Ausgang Hachikō wartet wie immer jemand, bitte nicht stören, er wartet schon sehr lange.“
Stimmt es, dass ein Hund jahrelang am Bahnhof auf sein Herrchen wartete?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt. Der Akita-Hund Hachikō kam nach dem Tod seines Herrchens im Mai 1925 rund zehn Jahre lang täglich zum Bahnhof Shibuya in Tokio, wo er den Professor früher nach der Arbeit abgeholt hatte.
Die Geschichte klingt wie ausgedacht, um Taschentücher zu verkaufen.
Ein Hund soll Jahr für Jahr an einem Bahnhof gewartet haben, obwohl sein Herrchen längst nicht mehr zurückkommen konnte.
Ob es diesen Hund wirklich gab und was von der Legende belegt ist, klärt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
10 Jahre
Wartezeit
von 1925 bis zu seinem Tod 1935
1934
erste Statue
Hachikō war bei der Einweihung dabei
1,66 Mio.
Fahrgäste pro Tag
Bahnhof Shibuya im Fiskaljahr 2019
Der westliche Ausgang des Bahnhofs Shibuya heißt heute offiziell Hachikō Exit.
Ein Akita aus dem Norden Japans
Hachikō wurde am 10. November 1923 in Ōdate in der japanischen Präfektur Akita geboren.
Er war ein Akita-Hund und kam schon im Jahr nach seiner Geburt nach Tokio.
Hidesaburō Ueno, ein Professor an der Kaiserlichen Universität Tokio, nahm ihn 1924 als Haustier mit nach Shibuya.
Dort begann eine Gewohnheit, die den Hund später in ganz Japan berühmt machen sollte.

Jeden Abend zum Bahnhof
Hachikō holte sein Herrchen jeden Tag am Bahnhof Shibuya ab, wenn der Professor von der Universität zurückkam.
Der Bahnhof war damit der Ort, an dem Hund und Mensch sich täglich wiedersahen.
Am 21. Mai 1925 starb der Professor während einer Vorlesung an einer Hirnblutung.
An diesem Tag kam er nicht mehr mit dem Zug zurück.
Gut zu wissen
In Japan heißt er auch Chūken Hachikō, was so viel wie der treue Hund Hachikō bedeutet. Er gilt dort bis heute als Inbegriff der Treue.
Der Bahnhof Shibuya liegt im gleichnamigen Tokioter Bezirk. Der Fernverkehr spielt dort kaum eine Rolle, umso wichtiger ist er für Pendler aus den südwestlichen Vororten.
Zehn Jahre Warten am Bahnsteig
Hachikō setzte seine Gewohnheit trotzdem unbeirrt fort.
Er kam weiterhin täglich zu einer festen Zeit zum Bahnhof, um auf sein Herrchen zu warten.
Das tat er bis zu seinem eigenen Tod, also rund zehn Jahre lang.
Nach dem Tod des Professors war der Hund zunächst zu Verwandten in der Stadt gegeben worden, von dort aber ausgerissen.
Schließlich übernahm der frühere Gärtner des Professors, der in der Nähe des Bahnhofs wohnte, seine Pflege.
Vom Störenfried zum Liebling
Auf dem Bahnhofsgelände galt Hachikō in den ersten Jahren eher als Störenfried und wurde nur stillschweigend geduldet.
Im Jahr 1928 richtete ihm ein neuer Bahnhofsvorsteher sogar eine kleine Ruhemöglichkeit ein.
Im selben Jahr erkannte ihn ein früherer Student des Professors zufällig wieder, der über Akita-Hunde forschte.
Er fand heraus, dass Hachikō einer von nur noch etwa 30 reinrassigen Akita-Hunden war, und schrieb mehrere Artikel über ihn.
Als 1932 einer dieser Artikel in einer Tokioter Zeitung erschien, wurde der Hund in ganz Japan bekannt.
Ein Denkmal zu Lebzeiten
Hachikō wurde schon zu Lebzeiten zum Inbegriff des treuen Hundes.
Im Jahr 1934 wurde an der Westseite des Bahnhofs eine Bronzestatue errichtet, und Hachikō wohnte der Einweihung selbst bei.
Am 8. März 1935 wurde er tot in einer Straße in Shibuya gefunden, und die Medien meldeten seinen Tod landesweit.
Untersuchungen eines Forscherteams der Universität Tokio ergaben im Jahr 2011, dass er an einer starken Filariose sowie an Lungen- und Herzkrebs gelitten hatte.
Sein präparierter Körper befindet sich heute im Nationalmuseum der Naturwissenschaften im Tokioter Bezirk Ueno.
Eingeschmolzen und neu gegossen
Die erste Statue überstand den Zweiten Weltkrieg nicht, denn sie wurde wegen der Kupferknappheit eingeschmolzen.
Nach dem Krieg fertigte der Sohn des inzwischen verstorbenen Bildhauers eine neue Fassung an.
Sie wurde im August 1948 am früheren Platz aufgestellt.
Eine ähnliche Statue steht vor dem Bahnhof von Ōdate, dem Geburtsort des Hundes.
Zum 80. Todestag ließ die Universität Tokio zudem eine Bronzestatue errichten, die den aufgeregt hochspringenden Hund zusammen mit seinem heimkehrenden Herrchen zeigt.
Ein Treffpunkt an einem der größten Bahnhöfe
Der Bahnhof Shibuya wird gemeinsam von mehreren Bahngesellschaften betrieben, darunter JR East, Tōkyū, Keiō und Tōkyō Metro.
Er gehört zu den am meisten frequentierten Bahnhöfen Japans und dient vor allem dem Pendlerverkehr.
Im Fiskaljahr 2019 nutzten ihn durchschnittlich 1.660.067 Fahrgäste pro Tag.
Die Hachikō-Statue ist der beliebteste Treffpunkt für Verabredungen an diesem Bahnhof.
Der westliche Ausgang, an dem der Hund immer gewartet hatte, heißt offiziell Hachikō Exit und führt zur berühmten Kreuzung Shibuya Crossing.
Filme, Busse und ein Hund für Helen Keller
Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt, zum Beispiel 1987 in Japan und 2009 in den USA unter dem deutschen Titel Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft.
Seit 2003 gibt es außerdem eine Minibus-Linie namens Hachikō bus, deren Fahrzeuge mit Zeichnungen des Hundes geschmückt sind.
Die Geschichte bewegte sogar die Schriftstellerin Helen Keller dazu, einen Akita zu adoptieren.
Bei einer Japanreise im Jahr 1937 erhielt sie einen Welpen, der als erster Hund seiner Rasse in ein anderes Land kam.
Was an der Legende gesichert ist
Die Eckdaten der Geschichte sind gut dokumentiert, vom Geburtsdatum über den Tod des Professors bis zur Statue von 1934.
Belegt ist auch, dass Hachikō über viele Jahre täglich am Bahnhof erschien.
Was genau im Kopf des Hundes vorging, lässt sich dagegen nicht beweisen.
Sicher ist aber, dass Japan in ihm schon zu Lebzeiten ein Sinnbild der Treue sah und bis heute sieht.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn der Akita-Hund Hachikō kam nach dem Tod seines Herrchens rund zehn Jahre lang täglich zum Bahnhof Shibuya.
Er hatte den Professor dort früher jeden Tag nach der Arbeit abgeholt und setzte diese Gewohnheit bis zu seinem Tod im März 1935 fort.
Aus dem anfangs geduldeten Störenfried wurde ein Nationalheld, der schon zu Lebzeiten eine eigene Statue bekam.
Heute ist sein Denkmal einer der bekanntesten Treffpunkte an einem der meistgenutzten Bahnhöfe Japans.
Wer in Tokio am Hachikō Exit auf jemanden wartet, steht also an einem Ort, an dem schon ein Hund sehr lange gewartet hat.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
