Stimmt es, dass …?
„Nächster Halt Haltern, hier steigen heute die Brieftauben aus und fliegen auf eigene Faust nach Hause.“
Stimmt es, dass Brieftauben mit dem Zug zum Start reisten?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Mit dem Aufstieg der Eisenbahn verbreitete sich im 19. Jahrhundert der Brieftaubensport, denn das Eisenbahnwesen galt als Basis für große Wettflüge, und die Startorte richteten sich nach der Bahnverbindung.
Eine Brieftaube findet aus großer Entfernung zu ihrem Schlag zurück.
Bevor sie das zeigen kann, muss sie allerdings erst einmal weit weggebracht werden.
Ob die gefiederten Sportler dafür früher mit dem Zug zum Start reisten, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
1834
Aachen
erster Brieftaubenverein in Deutschland
1884
Essen
Gründung des Dachverbands
650 km
bis zu
Entfernung zum Auflassort heute
Heute bringt ein Speziallastwagen namens Kabinenexpress die Tauben 100 bis 650 Kilometer weit zum Start.
Heimweh als Sport
Brieftauben fliegen nach dem Freilassen zu ihrem Heimatschlag zurück.
Vermutet wird, dass sie dabei wie Zugvögel den Stand der Sonne, die Sterne und das Magnetfeld der Erde als Kompass nutzen.
Zusätzlich orientieren sie sich an Anhaltspunkten, die sie sehen können.
Damit eine Taube diese Fähigkeit zeigen kann, muss sie zuerst von ihrem Schlag an einen entfernten Ort gebracht werden.
Die Züchter verstehen ihr Hobby als Sport, ähnlich dem Pferde- oder Hundesport.
Um eine Nachricht zu überbringen, wird die Taube bis zu ihrem Einsatz am Abflugort festgehalten und dann freigelassen.

Die Eisenbahn als Startrampe
Der erste Verein von Brieftaubenzüchtern in Deutschland wurde 1834 in Aachen gegründet.
Mit der Industrialisierung und besonders mit dem Ausbau der Eisenbahn verbreitete sich der Brieftaubensport dann in ganz Deutschland.
Das Eisenbahnwesen gilt dabei als Basis für große Wettflüge, weil sich die Tauben damit weit von zu Hause wegbringen ließen.
Um 1860 erschien mit der Columba die erste Fachzeitschrift für Brieftaubenkunde.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wuchs die Zahl der Vereine weiter.
Gut zu wissen
Seit 1905 hat die Brieftaubenreisevereinigung des Ruhrgebiets ihren Sitz in Hattingen. Ihr gehörten 1891 bereits 24 Vereine an, 1899 waren es 72.
Die Schweizer Armee schaffte ihren Brieftaubendienst im Zuge der Armeereform 1995 formell ab. Die Auflösung war erst 1996 abgeschlossen, damals ging es um 30.000 Tauben.
Rennpferde der Bergleute
Besonders beliebt war die Taubenzucht im Ruhrgebiet.
Dort wurde die Brieftaube als Rennpferd des Bergmanns bezeichnet.
Bereits 1869 gab es in Bochum ein Reisetauben-Sporthaus.
Im Jahr 1881 gründeten vier Bochumer Vereine die erste Brieftaubenreisevereinigung.
Solche Reisevereinigungen organisierten den Transport der Tauben zu den Auflassorten.
Startorte an der Bahnstrecke
Bei Weitstreckenflügen starteten die Tauben der Ruhrgebietsvereine zum Beispiel sogar in Königsberg in Preußen.
Im Jahr 1897 wurde im Recklinghäuser Ortsteil Süd der Brieftaubenverein Blitz gegründet.
Die Preisflüge dieser Zeit richteten sich nach der damaligen Bahnverbindung.
Sie starteten in Orten wie Haltern, Appelhülsen, Lengerich oder Lehmförde.
Wo die Bahn hielt, konnte also auch ein Rennen beginnen.
Ein Verband mit Sitz in Essen
Ende 1883 gab es in Deutschland schon über 70 Brieftaubenvereine und zwei Reisevereinigungen in Bochum und Solingen.
Im Jahr 1884 entstand in Essen der Dachverband, der heute Verband Deutscher Brieftaubenzüchter heißt.
Die Gründungsversammlung fand im Oktober 1884 statt, ihr war eine Ausstellung angegliedert.
Im Jahr 1932 zählte er rund 7800 Vereine mit 52.000 Mitgliedern.
Der Verband unterhält in Essen eine eigene Klinik für Brieftauben und gibt die wöchentliche Fachzeitschrift Die Brieftaube heraus.
Schneller als die Eisenbahn
Tauben und Eisenbahn waren nicht nur Partner, sondern manchmal auch Konkurrenten.
Im Jahr 1850 gründete Paul Julius Reuter in Aachen ein Institut zur Beförderung telegrafischer Depeschen.
Mit 40 Brieftauben schloss er die Lücke in der Telegrafenverbindung zwischen Brüssel und Aachen.
Mit den Börsenmeldungen im Gefieder flogen die Tauben schneller als die Eisenbahn nach Aachen zurück.
Reuters Mitarbeiter nahmen die Nachrichten auf dem Dach eines Hauses in der Pontstraße entgegen.
Boten in schwierigen Zeiten
Berühmt wurde auch die Taubenpost während der Belagerung von Paris im Deutsch-Französischen Krieg.
Zwischen September 1870 und Januar 1871 hielt ein Zusammenspiel aus Ballonpost und Brieftauben die Verbindung zum unbesetzten Frankreich aufrecht.
Von Paris aus stiegen 55 Ballone auf, die neben fast 2,5 Millionen Nachrichten auch 363 Brieftauben mitnahmen.
Brieftauben konnten Nachrichten zudem ohne Aufsehen über feindliche Stellungen hinweg tragen.
Heute fährt der Kabinenexpress
Heute reisen Brieftauben in der Regel mit einem Speziallastwagen zum Start.
Dieser Kabinenexpress, kurz Kabi, ist mit Tränken und einer Belüftung ausgestattet und kann mehrere tausend Tiere aufnehmen.
Bei Wettbewerben bringt er die Tauben zu einem Auflassplatz, der etwa 100 bis 650 Kilometer vom Heimatort entfernt ist.
Dort starten die Tiere, sobald das Wetter es erlaubt.
Die Aufgabe der Bahn hat damit die Straße übernommen.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Im 19. Jahrhundert war die Eisenbahn eine wichtige Grundlage für große Wettflüge der Brieftauben.
Die Startorte der Preisflüge richteten sich damals nach der Bahnverbindung.
Heute übernimmt der Kabinenexpress auf der Straße diese Aufgabe.
Für den Rückflug brauchen die Tauben aber bis heute weder Schienen noch Fahrplan.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
