Stimmt es, dass …?
„Nächster Halt Basel Badischer Bahnhof, in den Ansagen auch Basel German Railway Station genannt.“
Stimmt es, dass ein Bahnhof der Deutschen Bahn in der Schweiz liegt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. Der Badische Bahnhof in Basel liegt auf Schweizer Staatsgebiet, gehört aber zum deutschen Bahnnetz und steht im Zugverkehr unter der Verwaltung der Deutschen Bahn, geregelt durch einen Staatsvertrag aus dem Jahr 1852.
Ein deutscher Bahnhof mitten in einer Schweizer Stadt klingt wie ein Scherz unter Grenzgängern.
Tatsächlich gibt es ihn, und seine Geschichte reicht mehr als 170 Jahre zurück.
Dieser Mythos-Check zeigt, warum der Badische Bahnhof in Basel zum deutschen Netz gehört und was das für Reisende bedeutet.

Die Fakten in Zahlen
1852
Staatsvertrag
zwischen Baden und der Schweiz, bis heute gültig
20.000
Reisende
nutzen den Bahnhof im Schnitt pro Werktag
1913
Eröffnung
des heutigen Gebäudes am 13. September
Der Badische Bahnhof ist nach dem Bahnhof Basel SBB mit 135.000 Reisenden pro Werktag der zweitgrößte Bahnhof der Stadt.
Ein deutscher Bahnhof in Basel
Basel Badischer Bahnhof, bahnamtlich Basel Bad Bf, ist einer von sechs Bahnhöfen in Basel.
Er liegt auf Schweizer Staatsgebiet an der Schwarzwaldallee zwischen den Stadtteilen Hirzbrunnen und Rosental.
Trotzdem gehört er zum deutschen Bahnnetz, und im Zugverkehr steht er unter der Verwaltung der Deutschen Bahn.
Er zählt zu den letzten Bahnhöfen, die sich nach der Bahnreform noch im Bundeseisenbahnvermögen und damit im unmittelbaren Besitz des Bundes befinden.
In den Ansagen der Fernzüge aus Deutschland heißt er auf Englisch Basel German Railway Station.

Der Vertrag von 1852
Die Wurzeln reichen ins 19. Jahrhundert zurück.
Ab März 1838 baute das Großherzogtum Baden eine Eisenbahn von Mannheim über Heidelberg, Karlsruhe, Offenburg und Freiburg nach Süden in Richtung Schweizer Grenze.
Im Januar 1851 erreichte diese Rheintalbahn den Ort Haltingen nahe der Grenze, und von dort fuhren Reisende zunächst mit Pferdeomnibussen weiter nach Basel.
Am 27. Juli 1852 schlossen Baden und die Schweiz einen Staatsvertrag über die Weiterführung der badischen Eisenbahnen über schweizerisches Gebiet.
Dieser Vertrag gilt bis heute.
Gut zu wissen
Auf den Bahnsteigen standen früher Briefkästen der Schweizer Post. Weil von dort Briefe ohne Kontrolle durch die Polizei ins Ausland verschickt werden konnten, wurden die Kästen 1940 abgebaut.
Ende der 1980er Jahre plante die Migros Basel, große Teile des Gebäudes für ein Einkaufszentrum umzubauen. Daraufhin wurde das Gebäude 1991 unter Denkmalschutz gestellt, allerdings beschränkt auf die Gebäudehülle und wenige Räume.
Streit um die Bauform
Einig waren sich die beiden Seiten damit noch lange nicht.
Die Basler Regierung drängte auf einen Kopfbahnhof, während Baden auf einem Durchgangsbahnhof beharrte.
Baden wollte damit die geplante Fortsetzung der Bahn in Richtung Waldshut nicht behindern.
Ab 1855 gab es zunächst ein Provisorium, und ab 1862 stand ein fester Bau auf dem Gelände der heutigen Mustermesse.
Mit den Jahren kamen die Gleise der badischen Bahn der wachsenden Stadt aber immer mehr in die Quere.
Der Neubau von 1913
Im März 1900 einigten sich die Beteiligten darauf, den Personenbahnhof an die Schwarzwaldallee zu verlegen.
Ab 1906 entstanden die neuen Bahnanlagen am damaligen Stadtrand, durchweg in Hochlage.
Den Entwurf für das Gebäude lieferte der Schweizer Architekt Karl Moser.
Am 13. September 1913 wurde der neue Badische Bahnhof eröffnet.
Er wurde der teuerste Bahnhof der Badischen Staatseisenbahnen, denn das gesamte Projekt kostete 65 Millionen Franken.
Schweizer Recht, deutsches Zollgebiet
Auf dem Gelände des Bahnhofs gilt weitgehend Schweizer Recht, soweit der Staatsvertrag keine Ausnahme vorsieht.
Gleichzeitig gilt der Bahnhof durch den Staatsvertrag teilweise als deutsches Zollgebiet.
Wer dort zwischen zwei deutschen Zielen umsteigt, hat das deutsche Zollgebiet also gar nicht verlassen.
Mehrere Staatsverträge regeln, welche Befugnisse deutsche und schweizerische Beamte im Bahnhof und in fahrenden Zügen haben.
Der Bahnhof ist damit vergleichbar mit einem Transitbahnhof zwischen zwei Ländern.
Pass zeigen ohne Grenzübertritt
Lange gab es im Bahnhof feste Ausweis- und Zollkontrollen an Schaltern zwischen der Bahnsteigunterführung und der Empfangshalle.
In den Jahren 2005 und 2006 wurde die Zollabfertigung noch einmal grundlegend umgebaut.
So konnte es vorkommen, dass Reisende von Basel SBB in den Vorort Riehen ihren Pass zeigen mussten, ohne die Schweiz zu verlassen.
Mit dem Beitritt der Schweiz zum Schengenraum am 12. Dezember 2008 fielen die regulären Ausweiskontrollen weg.
Seitdem sind Kontrollen nur noch als Stichproben durch die Schweizer Grenzwache, den deutschen Zoll oder die Bundespolizei möglich.
Weitere deutsche Stationen in der Schweiz
Der Badische Bahnhof ist nicht die einzige Station dieser Art.
Auch Riehen und Riehen Niederholz an der Wiesentalbahn im Kanton Basel-Stadt stehen im Eigentum der Bundesrepublik.
Dazu kommen mehrere Stationen der Hochrheinbahn im Kanton Schaffhausen, etwa Trasadingen, Neunkirch, Beringen und Thayngen.
Vom Gemeinschaftsbahnhof Schaffhausen entfallen 35 Prozent auf den deutschen Teil.
Sie alle gehören zu den letzten Bahnhöfen, die sich nach der Bahnreform noch im Bundeseisenbahnvermögen befinden.
Ein Bahnhof in bewegten Zeiten
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs blieb der Betrieb des Bahnhofs in der Hand der Deutschen Reichsbahn.
Von 1935 bis 1948 trug er sogar den Namen Basel Deutsche Reichsbahn.
Im März 1933 wurde am Bahnhofsturm eine Hakenkreuzfahne aufgehängt, was zu Protesten und gewalttätigen Auseinandersetzungen vor dem Gebäude führte.
Ab Mai 1940 wurden die Pass- und Zollkontrollen auf deutsches Gebiet nach Weil am Rhein, Lörrach-Stetten und Grenzach verlegt.
Der Personenverkehr im Badischen Bahnhof ging damals bis auf ein Minimum zurück.
Knoten für drei Länder
Heute halten Fern- und Regionalzüge der Deutschen Bahn und der Schweizerischen Bundesbahnen vor oder nach dem Bahnhof Basel SBB auch am Badischen Bahnhof.
Dort gibt es Anschluss an die Hochrheinbahn in Richtung Waldshut, Schaffhausen und Singen sowie an die Wiesentalbahn nach Zell im Wiesental.
Auch Züge nach Offenburg und Karlsruhe auf der Oberrheinbahn fahren hier ab.
Zudem ist der Badische Bahnhof Teil der trinationalen S-Bahn Basel.
Die imposante Bahnsteighalle gibt es allerdings nicht mehr, denn der Bundesbahn war ihre Renovierung Anfang der 1980er Jahre zu teuer, und sie ließ die Halle abreißen.
Das Fazit
Der Mythos stimmt.
Der Badische Bahnhof liegt mitten in Basel und damit in der Schweiz, gehört aber zum deutschen Bahnnetz.
Grundlage ist ein Staatsvertrag zwischen Baden und der Schweiz aus dem Jahr 1852, der bis heute gilt.
Auf dem Gelände gilt weitgehend Schweizer Recht, zugleich zählt der Bahnhof teilweise zum deutschen Zollgebiet.
Wer dort umsteigt, erlebt also einen der ungewöhnlichsten Bahnhöfe im Netz der Deutschen Bahn.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
