Stimmt es, dass …?
„Achtung, die Weiche vor Gleis 2 wird umgestellt, ab jetzt geht es in eine ganz neue Richtung.“
Stimmt es, dass die Weichen stellen aus der Eisenbahnsprache kommt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt. Die Redewendung überträgt das Stellen einer Eisenbahnweiche auf Entscheidungen, die eine Entwicklung in eine bestimmte Richtung lenken, und das Wort Weiche selbst gehört zum Verb weichen.
In Nachrichten, Reden und Bewerbungsgesprächen ist ständig davon die Rede, dass jemand die Weichen stellt.
Gemeint ist eine Entscheidung, die eine Entwicklung in eine bestimmte Richtung lenkt.
Ob dieses Bild wirklich aus der Eisenbahnsprache stammt und was hinter einer echten Weiche steckt, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
70.000
Weichen im DB-Netz
rund, Stand Ende 2014
49.000
davon beheizt
etwa, Stand Ende 2014
1776
frühe Weichen
gusseiserne Winkelschienen von John Curr
Die Entwicklung der Weichen begann im Kohlebergbau.
Was eine Weiche leistet
Weichen gabeln ein Gleis in zwei oder mehr Gleise.
Erst sie machen Bahnhöfe und ganze Schienennetze möglich, denn ohne sie könnte ein Zug während der Fahrt nie das Gleis wechseln.
Je nachdem, wie eine Weiche gestellt ist, fährt der Zug geradeaus weiter oder biegt in ein anderes Gleis ab.
Die Stellung der Weiche entscheidet also darüber, wohin die Reise geht.

Zungen, Herzstück und Radlenker
Bei der Zungenweiche liegen an den durchgehenden Backenschienen zwei bewegliche Schienen, die Zungen.
Beide Zungen werden gemeinsam seitlich geschwenkt, sodass immer eine an ihrer Backenschiene anliegt.
Die Räder werden über ihre Spurkränze auf die anliegende Zunge geführt und so in die gewünschte Richtung gelenkt.
Wo sich die Schienen später kreuzen, liegt das Herzstück, und gegenüberliegende Radlenker verhindern, dass ein Spurkranz an die Herzstückspitze stößt.
Gut zu wissen
Ob eine Weiche einen Zug nach links oder nach rechts abzweigen lässt, spielt für ihre Funktion keine Rolle. Die Technik ist für beide Richtungen spiegelbildlich gleich.
Andere Bauwerke zum Gleiswechsel sind Schiebebühnen und Drehscheiben. Anders als bei einer Weiche muss das Fahrzeug dafür aber anhalten.
Vom Bergwerk zur Eisenbahn
Die Entwicklung der Weichen begann im Kohlebergbau.
Bei den ersten gusseisernen Winkelschienenweichen von John Curr aus dem Jahr 1776 mussten Menschen oder Tiere den Förderwagen in die gewünschte Richtung ziehen.
Im Jahr 1797 beschrieb Curr erstmals eine Konstruktion mit einer verstellbaren Zunge.
Ein Patent für eine Eisenbahnweiche wird erstmals 1832 für den Engländer Charles Fox erwähnt.
Woher das Wort Weiche kommt
Mit weich im Sinne von nachgiebig hat die Weiche im Gleis nichts zu tun.
Das Wort gehört zum Verb weichen, wie es auch in ausweichen und abweichen steckt.
Eine Weiche ist also eine Möglichkeit, von einem Weg abzuweichen oder auszuweichen.
Im Verkehr bezeichnet sie typischerweise die Gleiskonstruktion, mit der Schienenfahrzeuge ohne Fahrtunterbrechung von einem Gleis auf ein anderes gelangen.
Vom Gleis in die Sprache
Wörterbücher unterscheiden bei der Weichenstellung zwei Bedeutungen.
Im Schienenverkehr meint sie die Ausrichtung oder Bedienung einer Weiche.
Im übertragenen Sinn steht sie für eine Entscheidung, die eine Entwicklung in eine bestimmte Richtung bewirkt.
Die Redewendung die Weichen stellen nimmt also direkt Bezug auf die Arbeit am Gleis.
Von Hand oder aus der Ferne
Manche Weichen werden bis heute direkt vor Ort von Hand umgestellt.
Solche mechanisch ortsgestellten Weichen heißen auch Handweichen, der Bediener bewegt sie mit Muskelkraft über einen Umstellhebel.
Für diese Arbeit gab es früher eigene Weichenwärter.
In größeren Bahnhöfen werden Weichen dagegen aus Stellwerken ferngestellt, früher über Drahtzugleitungen und heute vielfach elektrisch.
Wenn eine Weiche falsch steht
Eine falsch gestellte Weiche könnte einen Zug auf ein falsches Gleis führen.
Deshalb sichern Stellwerke die Abhängigkeit zwischen Weichen und Signalen.
Ein Signal kann erst dann Fahrt zeigen, wenn alle Weichen im Fahrweg richtig liegen und gesichert sind.
Genau diese Tragweite macht die Weiche zu einem so starken Bild für wichtige Entscheidungen.
Weichen im Winter
Im Winter können Schnee und Eis die beweglichen Teile einer Weiche blockieren.
Eine Weichenheizung soll deshalb verhindern, dass Weichen festfrieren.
Ende 2014 waren im Netz der Deutschen Bahn etwa 49.000 von rund 70.000 Weichen damit ausgerüstet.
Nach Unternehmensangaben kostet ihr Betrieb 44 Millionen Euro in jedem Winter.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn die Redewendung die Weichen stellen stammt aus der Welt der Eisenbahn.
Wer eine Weiche stellt, entscheidet, in welche Richtung ein Zug fährt, und genau dieses Bild wird auf Lebens- und Zukunftsentscheidungen übertragen.
Das Wort Weiche selbst gehört zum Verb weichen, also zum Ausweichen und Abweichen.
Die Technik dahinter entstand im Bergbau des 18. Jahrhunderts und wurde mit der Eisenbahn zum Alltag.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
