Stimmt es, dass …?
„Willkommen in der Schweiz, hier ist der nächste Bahnhof selten weit entfernt.“
Stimmt es, dass die Schweiz das dichteste Bahnnetz der Welt hat?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Zum Teil. Die Schweiz gehört mit rechnerisch rund 129 Metern Schiene pro Quadratkilometer zu den Ländern mit dem dichtesten Bahnnetz der Welt, teilt sich den Spitzenplatz je nach Quelle aber mit Tschechien.
Pünktliche Züge, steile Bergbahnen und Bahnhöfe in fast jedem Tal gehören zu dem Bild, das viele Menschen von der Schweiz haben.
Oft heißt es sogar, das kleine Land habe das dichteste Bahnnetz der ganzen Welt.
Was an diesem Superlativ dran ist und wo die Schweiz tatsächlich an der Spitze liegt, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
5317 km
Länge des Bahnnetzes
Stand 2020, fast vollständig elektrifiziert
2446 km
pro Kopf und Jahr
fährt jeder Schweizer im Schnitt Bahn
57 km
Gotthard-Basistunnel
längster Eisenbahntunnel der Welt
Bei 41.285 Quadratkilometern Landesfläche ergibt das rechnerisch rund 129 Meter Schiene pro Quadratkilometer.
Was Netzdichte bedeutet
Eine einfache Art, die Dichte eines Bahnnetzes zu messen, ist die Streckenlänge im Verhältnis zur Landesfläche.
Das schweizerische Eisenbahnnetz hatte im Jahr 2020 eine Länge von 5317 Kilometern.
Bei einer Landesfläche von 41.285 Quadratkilometern kommen damit rechnerisch rund 129 Meter Schiene auf jeden Quadratkilometer.
Mit diesem Wert gehört die Schweiz zu den Ländern mit den dichtesten Bahnnetzen der Welt.

Platz eins, aber nicht allein
In mehreren Darstellungen heißt es, die Schweiz habe abgesehen von den Stadtstaaten Monaco und Vatikanstadt das dichteste Eisenbahnnetz der Welt.
Dieselbe Aussage findet sich allerdings auch für Tschechien, dessen Netz als gleichauf mit dem der Schweiz beschrieben wird.
Tschechien kam im Jahr 2010 auf 9620 Kilometer Strecke bei einer Fläche von 78.866 Quadratkilometern.
Rechnerisch sind das rund 122 Meter pro Quadratkilometer und damit nur wenig weniger als in der Schweiz.
Gut zu wissen
Genf besaß 1925 ein Straßenbahnnetz von über 130 Kilometern, das bis auf französisches Gebiet reichte. Später wurden dort 129 von 138 Tramkilometern stillgelegt.
Die 1882 eröffnete Gotthardbahn quert das Gotthardmassiv in einem Scheiteltunnel auf 1151 Metern über dem Meer. Der Basistunnel liegt dagegen höchstens 549 Meter hoch.
Warum Ranglisten wackeln
Solche Vergleiche hängen stark davon ab, welche Strecken mitgezählt werden und aus welchem Jahr die Zahlen stammen.
Auch Belgien zählt neben der Schweiz und Tschechien zu den Ländern mit den dichtesten Eisenbahnnetzen der Welt.
Stadtstaaten wie Monaco und die Vatikanstadt werden ausgeklammert, weil schon kurze Gleisstücke auf so kleiner Fläche die Rechnung verzerren würden.
Einen eindeutigen Weltmeister gibt es deshalb nicht, wohl aber eine kleine Spitzengruppe.
Wo die Schweiz klar vorne liegt
Eindeutiger ist die Lage bei der Frage, wie viel die Menschen tatsächlich Bahn fahren.
Jeder Schweizer legt im Schnitt pro Jahr 2446 Kilometer mit der Bahn zurück.
Das sind etwa 800 Kilometer mehr als bei den in Europa zweitplatzierten Österreichern.
Jeden Tag nutzen durchschnittlich 1,25 Millionen Menschen das Schweizer Bahnnetz, auf dem täglich mehr als 10.000 Züge unterwegs sind.
Normalspur und Schmalspur
Im Jahr 2010 waren 3846 Kilometer des Schweizer Netzes in Normalspur gebaut, das entsprach knapp 79 Prozent.
Dazu kommt ein 1030 Kilometer langes Schmalspurnetz, dessen größter zusammenhängender Teil von der Rhätischen Bahn und der Matterhorn-Gotthard-Bahn betrieben wird.
Das gesamte Netz ist bis auf wenige Kilometer elektrifiziert.
Die Albula- und die Berninabahn der Rhätischen Bahn zählen seit Juli 2008 sogar zum UNESCO-Welterbe.
Die Berge als Herausforderung
Dass ein so gebirgiges Land ein so dichtes Netz besitzt, ist eine beachtliche technische Leistung.
Der Gotthard-Basistunnel ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt.
Er wurde nach 17 Jahren Bauzeit im Juni 2016 feierlich eröffnet, der fahrplanmäßige Personenverkehr begann am 11. Dezember 2016.
Die alte Bergstrecke der Gotthardbahn von 1882 mit ihrem 15 Kilometer langen Scheiteltunnel bleibt daneben in Betrieb.
Ein Netz, das fast jeden Ort erreicht
Der öffentliche Verkehr genießt in der Schweiz einen hohen Stellenwert.
Orte ohne Bahnanschluss werden in der Regel durch Linienbusse oder Postautos angebunden.
Es gibt deshalb kaum einen Ort, der nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.
Das dichte Bahnnetz ist so nur ein Teil eines Systems, das Schiene und Straße eng verbindet.
Dicht statt superschnell
Auf Rekordtempo ist das Schweizer Netz dagegen nicht ausgelegt.
Die Neubaustrecke zwischen Bern und Olten aus dem Programm Bahn 2000 ist für 200 Kilometer pro Stunde gebaut.
In den Tunneln der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale könnte theoretisch mit 250 Kilometern pro Stunde gefahren werden.
Die Stärke des Netzes liegt eher in seiner Dichte und in den vielen Verbindungen als im Spitzentempo.
Das Fazit
Der Mythos stimmt teilweise, denn die Schweiz gehört ohne Zweifel zu den Ländern mit dem dichtesten Bahnnetz der Welt.
Den Titel teilt sie sich je nach Quelle allerdings mit Tschechien, und Stadtstaaten wie Monaco bleiben bei solchen Vergleichen außen vor.
Klar vorne liegt die Schweiz dagegen in Europa bei den Bahnkilometern pro Kopf.
Wer die Schweizer also Europas eifrigste Bahnfahrer nennt, liegt richtig.
Was die Fahrgäste davon haben
Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.
Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.
Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.
Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.
So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.
Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
