Stimmt es, dass …?
„Bitte Abstand halten: Auf Gleis 1 fährt ein Fuxing-Zug mit 350 Kilometern pro Stunde durch.“
Stimmt es, dass China mehr Schnellfahrstrecken hat als der Rest der Welt zusammen?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, nach den verfügbaren Zahlen stimmt das. China betreibt das weltweit längste Netz von Schnellfahrstrecken und stellt nach verbreiteten Angaben rund zwei Drittel der weltweiten Streckenlänge, wobei genaue Vergleiche von der jeweiligen Definition abhängen.
Noch 1996 fuhr in China kein Personenzug planmäßig schneller als 120 Kilometer pro Stunde.
Heute betreibt das Land das längste Netz von Schnellfahrstrecken der Welt.
Ob China damit tatsächlich mehr Hochgeschwindigkeitsstrecken besitzt als alle anderen Länder zusammen, klärt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
42.000 km
China im Jahr 2022
mehr als diese Länge an Hochgeschwindigkeitsstrecken
59.498 km
weltweit im Oktober 2023
Strecken für mindestens 250 km/h laut UIC
1318 km
Peking–Shanghai
in nur drei Jahren gebaut, eröffnet 2011
Nach verbreiteten Angaben entfallen rund zwei Drittel des weltweiten Hochgeschwindigkeitsnetzes auf China.
Ein Netz aus dem Nichts
Noch 1996 erreichte in China kein Personenzug im Plan mehr als 120 Kilometer pro Stunde.
Ab April 1997 hob die Bahn die Geschwindigkeiten in mehreren Stufen an, zunächst auf 140 und 1998 abschnittsweise auf 160 Kilometer pro Stunde.
Die erste Schnellfahrstrecke des Landes, die 404 Kilometer lange Verbindung von Qinhuangdao nach Shenyang, ging im Oktober 2003 in Betrieb.
Sie war für 200 Kilometer pro Stunde ausgelegt und bildete erst den Anfang.

Wachstum im Rekordtempo
Im Jahr 2014 waren in China 13.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke in Betrieb.
Ende 2018 waren es bereits mehr als 29.000 Kilometer.
Im Jahr 2022 wurde die Marke von 42.000 Kilometern überschritten.
Damit hat sich das Netz innerhalb von acht Jahren mehr als verdreifacht.
Gut zu wissen
In Shanghai fährt seit 2004 der in Deutschland entwickelte Transrapid auf einer rund 30 Kilometer langen Strecke zum Flughafen Pudong. Er gilt als erste kommerziell betriebene Hochgeschwindigkeits-Magnetschwebebahn der Welt.
In Tangshan entstand 1880 die erste Dampflokfabrik Chinas. Im Jahr 1999 war sie zugleich die letzte Dampflokfabrik der Welt.
Der Vergleich mit der Welt
Nach Angaben des Internationalen Eisenbahnverbands UIC waren am 1. Oktober 2023 weltweit 59.498 Kilometer Strecken für mindestens 250 Kilometer pro Stunde in Betrieb.
Legt man die chinesischen Zahlen daneben, entfällt der weitaus größte Teil davon auf China.
Nach verbreiteten Angaben stellt China rund zwei Drittel des weltweiten Hochgeschwindigkeitsnetzes.
Alle übrigen Länder zusammen kommen damit nur auf etwa ein Drittel.
Warum die Zahlen schwanken
Was als Schnellfahrstrecke zählt, ist nicht überall gleich geregelt.
Im Allgemeinen gilt eine Strecke ab 200 Kilometern pro Stunde als Schnellfahrstrecke, die genannte UIC-Zahl umfasst dagegen nur Strecken ab 250 Kilometern pro Stunde.
Nach der Definition des chinesischen Eisenbahnministeriums sind Schnellfahrstrecken für mindestens 250 Kilometer pro Stunde ausgelegt, der Betrieb beginnt mit mindestens 200 Kilometern pro Stunde.
Je nach Zählweise verschieben sich die Werte deshalb etwas, am klaren Vorsprung Chinas ändert das aber nichts.
Rekorde auf Stelzen
Die 1318 Kilometer lange Schnellfahrstrecke von Peking nach Shanghai ist seit dem 30. Juni 2011 in Betrieb und wurde in nur drei Jahren gebaut.
Der größte Teil liegt auf einer aufgeständerten Trasse, die von 29 Brücken getragen wird, darunter die vier längsten Brücken der Welt.
Die längste davon ist die Große Brücke Danyang–Kunshan.
Bei Nanjing quert die Strecke den Jangtse auf der mehr als neun Kilometer langen Dashengguan-Brücke.
Tempo mit Rückschlägen
Die Strecke zwischen Peking und Tianjin ging am 2. August 2008 in Betrieb und ist die älteste Chinas für mehr als 300 Kilometer pro Stunde.
Nach einem Zugunglück mit 40 Toten begrenzte die Regierung 2011 die Geschwindigkeit auf etwa 300 Kilometer pro Stunde.
Mit den neuen Fuxing-Zügen fuhren die Expresszüge zwischen Peking und Shanghai ab September 2017 wieder mit 350 Kilometern pro Stunde.
Die ersten Hochgeschwindigkeitszüge hatte China ab 2006 aus westlichen Industrienationen beschafft.
Fast jede Großstadt am Netz
Alle chinesischen Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern sind an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
Rund 80 Prozent von ihnen haben zusätzlich einen Anschluss an das Hochgeschwindigkeitsnetz.
Das gesamte Streckennetz Chinas hat Ende 2024 die Marke von 160.000 Kilometern überschritten.
Bei Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 gab es dagegen nur 22.000 Kilometer Strecke, von denen mehr als die Hälfte nicht befahrbar war.
Europas Spitzenreiter im Vergleich
Das größte Hochgeschwindigkeitsnetz Europas besitzt Spanien.
Es war im Jahr 2024 insgesamt 4168 Kilometer lang und lag damit weltweit auf Platz zwei hinter China.
Selbst das zweitgrößte Netz der Welt erreicht damit nur rund ein Zehntel der chinesischen Länge.
Die Weltspitze ist also klar verteilt, und der Abstand ist gewaltig.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn China betreibt mit großem Abstand das längste Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt.
Nach verbreiteten Angaben entfallen rund zwei Drittel aller Schnellfahrstrecken weltweit auf das Land.
Damit besitzt China tatsächlich mehr solcher Strecken als alle anderen Länder zusammen.
Genaue Anteile hängen von der Definition ab, doch am Ergebnis ändern die unterschiedlichen Zählweisen nichts.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
