Stimmt es, dass …?
„Auf den Gleisen Indiens sind heute wieder rund 12.000 Reisezüge unterwegs, Verwechslungen am Bahnsteig sind also nicht ausgeschlossen.“
Stimmt es, dass die indische Bahn mehr als eine Million Menschen beschäftigt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass …?
Kurz gesagt
Ja, das stimmt. Indian Railways beschäftigt rund 1,3 Millionen Menschen und gilt damit als einer der größten Arbeitgeber der Welt, Ende der 1980er-Jahre waren es sogar rund zwei Millionen.
Die Zahl klingt fast unglaublich, wenn man sie mit deutschen Verhältnissen vergleicht.
Eine einzige Bahngesellschaft soll mehr Menschen beschäftigen, als viele Großstädte Einwohner haben.
Ob die indische Bahn wirklich mehr als eine Million Beschäftigte hat und was sie damit bewegt, klärt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
1,3 Mio.
Beschäftigte
einer der größten Arbeitgeber der Welt
8 Mrd.
Fahrgäste pro Jahr
dazu mehr als eine Milliarde Tonnen Fracht
65.530 km
Streckennetz
mit 7112 Bahnhöfen, Stand 2023
Indiens erster Zug fuhr am 16. April 1853 zwischen Bombay und Thane.
Die Staatsbahn eines Subkontinents
Indian Railways, abgekürzt IR, ist die staatliche indische Eisenbahngesellschaft.
Als Staatsbahn betreibt sie den größten Teil des Schienenverkehrs im ganzen Land.
Auch die Metro in Kolkata gehört zu ihren Aufgaben.
Ihre heutige Struktur erhielt sie im Jahr 1951, als die bis dahin bestehenden Bahngesellschaften zusammengeführt wurden.

1,3 Millionen Beschäftigte
Mit rund 1,3 Millionen Angestellten gilt Indian Railways als einer der größten Arbeitgeber der Welt.
Die große Zahl erklärt sich aus der schieren Größe des Netzes und des Verkehrs, den die Bahn täglich bewältigt.
Von Lokführern über Stellwerkspersonal bis zu Werkstätten braucht ein solcher Betrieb Menschen in unzähligen Berufen.
Gut zu wissen
Als Britisch-Indien 1947 in Indien und Pakistan geteilt wurde, musste auch das Eisenbahnnetz aufgeteilt werden. Im Jahr 1951 entstand daraus die heutige Struktur von Indian Railways.
Im Jahr 2008 umfasste das indische Schienennetz 63.028 Kilometer. Damals beförderte es jährlich 510 Millionen Tonnen Fracht und 4,8 Milliarden Reisende.
Früher waren es sogar mehr
Ende der 1980er-Jahre beschäftigte die indische Eisenbahn sogar rund zwei Millionen Arbeiter.
Damals waren noch über 4000 Dampflokomotiven auf dem fast 62.000 Kilometer langen Netz im Einsatz.
Es war zu dieser Zeit das zweitgrößte Schienennetz der Welt, nur das Netz der Sowjetunion war größer.
Schätzungsweise 15 Millionen Menschen fuhren damals täglich mit der Bahn, die in Indien als wichtigstes Verkehrsmittel galt.
Nach den Plänen der damaligen Regierung sollte der Einsatz von Dampflokomotiven bis zum Jahr 2000 enden.
Acht Milliarden Fahrgäste im Jahr
Heute befördert Indian Railways jährlich mehr als acht Milliarden Fahrgäste.
Jeden Tag sind ungefähr 12.000 Reisezüge unterwegs, die von 23 Millionen Reisenden genutzt werden.
Dazu kommen rund 7000 Güterzüge, die täglich drei Millionen Tonnen Fracht befördern.
Im Jahr kommen so mehr als eine Milliarde Tonnen Fracht zusammen.
Nur wenige Bahnnetze schaffen das, neben Indien gehören China, Russland und die nordamerikanischen Bahnen dazu.
Die erste Eisenbahn Asiens
Indiens erster Zug fuhr am 16. April 1853 zwischen Bombay und Thane.
Er gehörte der privaten Great Indian Peninsular Railway, die von der East India Company die Konzession zum Bau der ersten Eisenbahn in Asien erhalten hatte.
Bis 1860 wuchs das Netz auf 1350 Kilometer, bis 1880 auf 14.977 Kilometer und bis 1900 auf 36.188 Kilometer.
Rund vier Jahrzehnte nach dem ersten Zug verband die Bahn bereits alle wichtigen Landesteile miteinander.
Die Breitspur-Stammstrecken entstanden in den Jahren 1853 bis 1874 und wurden anfangs von unterschiedlichen Gesellschaften betrieben.
Dampf bis ins Jahr 1995
In den Jahren 1960 und 1961 besaß Indian Railways eine Flotte von 10.312 Dampflokomotiven.
Die letzte Breitspur-Dampflok wurde am 30. Juni 1970 ausgeliefert, die letzte für Meterspur am 5. Februar 1972.
Die letzten Breitspur-Dampfloks baute das indische Werk Chittaranjan Locomotive Works.
Neben China galt Indien lange als das letzte Dampflokreservat der Welt.
Erst im Jahr 1995 endete der Einsatz von Breitspur-Dampflokomotiven.
Ein Netz mit mehreren Spurweiten
Im Jahr 2023 hatte das Netz eine Streckenlänge von 65.530 Kilometern und bediente 7112 Bahnhöfe.
Fast 90 Prozent davon sind in indischer Breitspur mit 1676 Millimetern angelegt, rund 8 Prozent in Meterspur.
Der Rest verteilt sich auf noch schmalere Spurweiten von 762 und 610 Millimetern.
Seit den 1960er-Jahren werden Meterspurstrecken im Rahmen eines Programms für eine einheitliche Spurweite nach und nach auf Breitspur umgebaut.
Das Rückgrat bilden die Strecken des sogenannten goldenen Vierecks zwischen Delhi, Mumbai, Chennai und Kolkata samt Diagonalen, die auf 15 Prozent des Netzes 55 Prozent des Güterverkehrs tragen.
Strom für die Breitspur
Ende der 1980er-Jahre standen noch weniger als 10.000 Kilometer Strecke unter Fahrdraht.
Ab 2014 wurde die Elektrifizierung in großem Stil vorangetrieben, jährlich kamen rund 6000 Kilometer hinzu.
Bis Ende 2023 waren 60.000 Kilometer elektrifiziert, fast 40.000 Kilometer mehr als 2014.
Auch für diesen Ausbau braucht es viele Hände, von der Planung bis zur Montage der Oberleitung.
Doppelstöckige Container unter dem Fahrdraht
Um die Hauptstrecken zu entlasten, baut Indien eigene Güterverkehrsstrecken, die Dedicated Freight Corridors.
Sie führen zwischen Howrah und Delhi sowie zwischen Mumbai und Delhi.
Die Oberleitung hängt dort besonders hoch, damit Züge mit zwei übereinander gestapelten Containern darunter fahren können.
Die Lokomotiven brauchen dafür besondere Stromabnehmer, die bis zur hohen Fahrleitung reichen.
Erste Abschnitte dieser Güterstrecken gingen 2018 in Betrieb.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn Indian Railways beschäftigt rund 1,3 Millionen Menschen und zählt damit zu den größten Arbeitgebern der Welt.
Ende der 1980er-Jahre waren es sogar rund zwei Millionen Beschäftigte.
Die Bahn befördert jedes Jahr mehr als acht Milliarden Fahrgäste und über eine Milliarde Tonnen Fracht.
Ihr Netz umfasst rund 65.530 Kilometer mit 7112 Bahnhöfen und wird seit 2014 in großem Tempo elektrifiziert.
Bei diesen Dimensionen wirkt die Zahl der Beschäftigten weniger unglaublich als zunächst gedacht.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Zwischen Technik und Menschen
Die Bahn ist ein Zusammenspiel aus ausgefeilter Technik und vielen Händen.
Hinter jedem pünktlichen Zug stehen Lokführer, Fahrdienstleiter und Werkstätten.
Sie sorgen dafür, dass Signale stehen, Weichen greifen und Türen schließen.
Die beste Technik nützt wenig ohne die Menschen, die sie bedienen und warten.
Umgekehrt entlastet moderne Technik die Beschäftigten bei ihrer schweren Arbeit.
Erst beide zusammen bringen den Verkehr Tag für Tag sicher ans Ziel.
