Stimmt es, dass …?
„Nächster Halt Hauptbahnhof, für die Innenstadt bitte noch ein paar Minuten Fußweg oder die Straßenbahn einplanen.“
Stimmt es, dass der Hauptbahnhof immer im Stadtzentrum liegt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt nicht. Ein Hauptbahnhof heißt so, weil er für den Personenverkehr einer Stadt am wichtigsten ist, und liegt deshalb nicht zwangsläufig im Zentrum, wie Braunschweig, Heidelberg oder Ludwigshafen zeigen.
Wer mit dem Zug in eine fremde Stadt fährt, steigt meist ganz selbstverständlich am Hauptbahnhof aus.
Dahinter steckt die Erwartung, dass dieser Bahnhof mitten im Zentrum liegt und die Altstadt gleich um die Ecke beginnt.
Ob das immer so ist, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
134
Stand 2024
Stationen namens Hauptbahnhof in Deutschland
1,6 km
Braunschweig
vom Hauptbahnhof bis zur Innenstadt
1960
1. Oktober
Eröffnung des neuen Braunschweiger Hauptbahnhofs
Nach Angaben der Deutschen Bahn gibt es in Deutschland rund 5400 Stationen im Personenverkehr.
Was ein Hauptbahnhof ist
Hauptbahnhof heißt im deutschsprachigen Raum in vielen Orten der wichtigste von mehreren Personenbahnhöfen einer Stadt.
Abgekürzt wird er in Deutschland und Österreich mit Hbf, in der Schweiz mit HB.
Nach Angaben der Deutschen Bahn tragen von rund 5400 Stationen im Personenverkehr 134 den Namen Hauptbahnhof, Stand 2024.
Entscheidend für den Namen ist die Gesamtbedeutung für den Personenverkehr.
Wo der Bahnhof in der Stadt liegt, ist für den Namen dagegen nicht ausschlaggebend.

Vom Centralbahnhof zum Hauptbahnhof
In den ersten Jahren der Eisenbahn wurden große Städte oft von mehreren Bahngesellschaften erschlossen, die jeweils eigene Bahnhöfe besaßen.
Das hatte spürbare betriebliche Nachteile und war auch für Fahrgäste nicht ideal.
Für den wichtigsten Bahnhof einer Großstadt war im 19. Jahrhundert zunächst der Begriff Centralbahnhof geläufig.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert setzte sich dafür der Begriff Hauptbahnhof durch.
Schon 1905 trugen fast alle früheren Centralbahnhöfe in Deutschland diesen neuen Namen.
Gut zu wissen
Der Leipziger Hauptbahnhof ist mit einer überdachten Fläche von 83.640 Quadratmetern der flächenmäßig größte Hauptbahnhof Deutschlands, bezogen auf die Bahnsteighalle. Nürnberg Hauptbahnhof gilt mit 25 Gleisen als der nach Gleiszahl größte Durchgangsbahnhof Europas.
In Ländern wie Frankreich, Spanien oder Rumänien ist es nicht üblich, einen bestimmten Bahnhof als wichtigsten Bahnhof der Stadt zu bezeichnen. Italien, die Niederlande oder Tschechien verwenden dagegen Begriffe mit ähnlicher Bedeutung.
Gebaut am Rand der Stadt
Viele große Bahnhöfe entstanden im 19. Jahrhundert am damaligen Stadtrand.
Sowohl Kopf- als auch Durchgangsbahnhöfe wurden meist neben den damaligen Ortskern gebaut.
Im Lauf der Zeit wuchsen die Städte um sie herum, sodass viele dieser Bahnhöfe heute im Zentrum liegen.
Der Eindruck vom Bahnhof in der Stadtmitte ist deshalb oft eine Folge des Stadtwachstums.
Braunschweig zog nach Südosten
Einige Hauptbahnhöfe wurden aus städtebaulichen und betrieblichen Gründen an andere Orte verlegt.
Ein Beispiel ist Braunschweig, wo der alte Kopfbahnhof südlich der Altstadt lag.
Mit dem wachsenden Verkehr der Nachkriegszeit wurde ein neuer Hauptbahnhof immer dringender.
Er wurde am 1. Oktober 1960 als Durchgangsbahnhof mit acht Bahnsteiggleisen eröffnet.
Der neue Bahnhof liegt rund 1,6 Kilometer südöstlich der Braunschweiger Innenstadt.
Heidelberg und Darmstadt rückten nach Westen
Auch in Heidelberg lag der erste Bahnhof von 1840 als Kopfbahnhof nahe der Altstadt.
Später fiel die Entscheidung, ihn um gut einen Kilometer nach Westen zu verlegen und als Durchgangsbahnhof neu zu bauen.
Das heutige Empfangsgebäude wurde 1955 eingeweiht und steht seit 1972 unter Denkmalschutz.
In Darmstadt entstand der neue Hauptbahnhof bis 1912 rund 800 Meter westlich der alten Bahnhöfe.
Die größere Entfernung zur Innenstadt sollte dort eine Anbindung mit der Straßenbahn ausgleichen.
Ludwigshafen und Kempten
In Ludwigshafen ersetzte im Juni 1969 ein neuer Hauptbahnhof den Kopfbahnhof von 1847, der in der heutigen Innenstadt lag.
Der alte Kopfbahnhof hatte die schnell wachsende Stadt vor erhebliche städtebauliche Probleme gestellt.
Der neue Hauptbahnhof ist ein kombinierter Keil- und Turmbahnhof am westlichen Rand der Stadt.
Deshalb wurde 2003 mit dem Haltepunkt Ludwigshafen Mitte ein zusätzlicher Bahnhof in zentraler Lage gebaut.
In Kempten ersetzte 1969 ebenfalls ein Durchgangsbahnhof an anderer Stelle den innenstadtnahen Kopfbahnhof von 1852.
Mitte, Stadt oder Ort
Liegt der Hauptbahnhof nicht im Zentrum, kann ein anderer Bahnhof die zentrale Lage schon im Namen tragen.
Üblich sind dafür Zusätze wie Mitte, Ort, Stadt oder Stadtmitte.
Solche Namen helfen Reisenden, den passenden Halt für die Innenstadt zu finden.
Der Hauptbahnhof bleibt trotzdem der Bahnhof mit der größten Bedeutung für den Verkehr der Stadt.
Berlin baute mitten hinein
Dass es auch umgekehrt geht, zeigt Berlin.
Dort ging im Jahr 2006 der neue Berliner Hauptbahnhof in zentraler Lage in Betrieb.
Er liegt am Schnittpunkt der Fernstrecken in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung.
Hamburg Hauptbahnhof ist nach Angaben der Bahn mit täglich 550.000 Reisenden und Besuchern der meistfrequentierte Personenbahnhof Deutschlands.
München Hauptbahnhof ist mit 32 oberirdischen und 2 unterirdischen Gleisen der nach Gleiszahl größte Hauptbahnhof Deutschlands.
Das Fazit
Der Mythos stimmt nicht.
Ein Hauptbahnhof heißt so, weil er für den Personenverkehr einer Stadt am wichtigsten ist, nicht wegen seiner Lage.
Viele Hauptbahnhöfe liegen heute zentral, weil die Städte im Lauf der Zeit um sie herumgewachsen sind.
In Braunschweig, Heidelberg, Darmstadt, Ludwigshafen und Kempten wurde der Hauptbahnhof dagegen bewusst ein Stück aus der Mitte verlegt.
Wer schnell in die Innenstadt will, schaut deshalb am besten vorher, welcher Halt ihr am nächsten liegt.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
