Stimmt es, dass …?
„Achtung am Telegrafenbüro, dieser Zug hält heute außerplanmäßig, bitte behalten Sie Ihre Wertsachen im Auge.“
Stimmt es, dass Der große Eisenbahnraub der erste Western war?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt teilweise. Der große Eisenbahnraub von 1903 gilt als einer der ersten und bekanntesten Western, doch es gab schon ältere Filme, die sich diesem Genre zuordnen lassen, etwa aus den Jahren 1899 und 1901.
Maskierte Banditen, ein angehaltener Zug und eine wilde Verfolgungsjagd zu Pferd.
Diese Zutaten kennt man aus unzähligen Western, und viele von ihnen tauchten schon 1903 in einem zwölfminütigen Film auf.
Ob Der große Eisenbahnraub wirklich der erste Western war, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
1.12.1903
Kinostart
in den Vereinigten Staaten
12 Minuten
Laufzeit
erzählt in 14 Szenen
150 $
Herstellungskosten
für einen der erfolgreichsten Filme des Edison-Studios
Seit 1990 gehört der Film zum National Film Registry der USA.
Ein Überfall auf einen Zug
Der große Eisenbahnraub, im Original The Great Train Robbery, ist ein amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1903.
Er dauert nur zwölf Minuten und erzählt seine Geschichte in 14 Szenen.
Im Mittelpunkt stehen der Überfall einer Bande auf einen Eisenbahnzug und die Verfolgung der Räuber durch einen Sheriff.
Regie führte Edwin S. Porter für das Filmstudio von Thomas Edison.
Der Film gilt als einer der ersten Western der Filmgeschichte.

Die Handlung in Kürze
Zwei Banditen überfallen einen Telegrafisten und zwingen ihn, den Zug mit einem Haltesignal anzuhalten.
Während des Halts steigen vier Räuber heimlich in den Zug und sprengen im Postwagen den Tresor auf.
Sie zwingen den Lokführer anzuhalten und die Personenwagen abzukoppeln, dann rauben sie die Reisenden aus.
Mit der Dampflok fliehen sie ein Stück und reiten danach weiter.
Der Sheriff nimmt mit seinen Leuten die Verfolgung auf und stellt die Bande schließlich.
Gut zu wissen
Das Kameranegativ wird in der Library of Congress aufbewahrt, der Film ist für sein Alter in gutem Zustand. Es gibt sogar handkolorierte Fassungen, in denen zum Beispiel die Explosionswolken eingefärbt sind.
Porters Techniken galten lange als Vorbild für andere Filmemacher. Erst D. W. Griffith entwickelte sie zu Beginn der 1910er Jahre deutlich weiter.
Es gab ältere Western
Der erste Western war Der große Eisenbahnraub allerdings nicht.
Schon 1899 entstand in Großbritannien der Film Kidnapping by Indians, der sich diesem Genre zuordnen lässt.
Im Jahr 1901 folgte der amerikanische Kurzfilm Stage Coach Hold-up, 1903 der britische Film Robbery of the Mail Coach.
Beide zeigten Überfälle von Banditen auf Reisende in einer Postkutsche.
Solche Überfälle wurden außerdem schon vorher in Theaterstücken und Bühnenshows gezeigt.
Der große Eisenbahnraub zählt aber zu den bekanntesten Werken aus den frühen Jahren des Kinos.
Vorbilder aus Buch und Wirklichkeit
Die Handlung beruht auf einer Geschichte von Scott Marble, die 1896 veröffentlicht wurde.
Als weiteres Vorbild gilt ein ähnlicher Überfall der Bande von Butch Cassidy aus dem Jahr 1900.
Der Film zeigt damit ein Verbrechen, das es zu dieser Zeit tatsächlich gab.
Im Film spielt deshalb der Postwagen mit seinem Tresor eine wichtige Rolle.
Auch ein Telegrafenbüro an der Strecke spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle.
Neue Tricks am Schneidetisch
Neu war vor allem, wie Porter den Filmschnitt einsetzte.
Mit Parallelmontagen springt der Film zwischen Ereignissen hin und her, die gleichzeitig stattfinden.
So steigt die Spannung, etwa wenn der gefesselte Telegrafist befreit wird, während die Räuber fliehen.
Mit einem Stopptrick ließ Porter eine lebensgroße Puppe als Heizer vom fahrenden Zug werfen.
Die Kamera selbst stand meist noch still, in einigen Szenen gibt es aber bereits Schwenks.
Der Schuss ins Publikum
Am berühmtesten ist das Schlussbild, in dem ein Bandit in Nahaufnahme seinen Revolver direkt auf die Kamera richtet und abdrückt.
Es wurde erzählt, das Publikum sei bei dieser Szene oft in Panik geraten.
Diese Schilderungen dürften aber übertrieben sein und vor allem der Werbung gedient haben.
Die Szene hängt mit der übrigen Handlung nicht zusammen, und die Filmvorführer durften sie wahlweise an den Anfang oder an das Ende setzen.
Im deutschsprachigen Raum wurde sie vor allem durch die Fernsehserie Western von gestern bekannt, die sie im Vor- und Nachspann zeigte.
Ein Erfolg für wenig Geld
Die Herstellung kostete nur 150 US-Dollar.
Trotzdem wurde der Film einer der erfolgreichsten des Edison-Studios.
Er zog zahlreiche Nachahmungen nach sich, darunter 1905 sogar eine Parodie mit dem Titel The Little Train Robbery.
Hergestellt wurde diese Parodie ebenfalls von der Firma Edison.
In den damals aufkommenden kleinen Kinos, den Nickelodeons, gehörte er jahrelang zum festen Programm.
Er gilt als das Werk, das die Zukunft des Mediums Film sicherte.
Der erste Westernstar
Einer der Darsteller war Max Aronson, der in dem Film gleich drei Rollen spielte.
Wenige Jahre später wurde er unter dem Namen Gilbert M. Anderson selbst Produzent und Regisseur.
Mit seiner Figur Broncho Billy schuf er den ersten Star des Westerngenres.
Die Figur Broncho Billy spielte Anderson selbst.
Viele typische Westernszenen haben ihren Ursprung in diesem Film.
Dazu gehört etwa der Neuling, der durch Schüsse auf den Boden zum Tanzen gebracht wird.
Das Fazit
Der Mythos stimmt teilweise.
Der große Eisenbahnraub von 1903 gilt als einer der ersten und wichtigsten Western der Filmgeschichte.
Der allererste Western war er aber nicht, denn schon 1899 und 1901 entstanden Filme mit ähnlichen Überfallgeschichten.
Berühmt wurde er durch seine neue Schnitttechnik, seinen großen Erfolg und das Schlussbild mit dem Schuss in die Kamera.
Ein Zugüberfall stand damit am Anfang einer ganzen Filmgattung.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Kleine Dinge, große Wirkung
Im Bahnbetrieb entscheiden oft die kleinen Dinge über den großen Ablauf.
Eine klare Ansage, ein sauberer Bahnsteig, ein pünktlicher Anschluss.
Für sich genommen wirken diese Dinge unscheinbar und beinahe nebensächlich.
In der Summe machen sie den Unterschied zwischen Ärger und Freude.
Wer sie beachtet, macht das Reisen für alle ein Stück angenehmer.
So zeigt sich Qualität bei der Bahn gerade im scheinbar Nebensächlichen.
