Ortstermin
„Nächster Halt Bad Blankenburg, Ausstieg für die Altstadt, das Fröbel-Museum und den Weg hinauf zur Burg Greifenstein.“
Der Bahnhof Bad Blankenburg, der mit einer gebrauchten Baracke begann
→ Ein Ortstermin am Saalebogen in Thüringen.
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Kurz gesagt
Der Bahnhof Bad Blankenburg ging am 1. August 1884 als Endpunkt einer kurzen Nebenbahn aus Rudolstadt-Schwarza in Betrieb, und sein erstes Empfangsgebäude war eine ausrangierte Baracke. Heute halten hier stündlich Regionalzüge zwischen Saalfeld und Erfurt, und in der Stadt wartet der Ort, an dem Friedrich Fröbel den ersten Kindergarten gründete.
Bad Blankenburg liegt am Nordrand des Thüringer Schiefergebirges, dort, wo die Rinne in die Schwarza mündet, und gilt als Tor zum Schwarzatal.
Zusammen mit Saalfeld und Rudolstadt bildet die Kleinstadt das Städtedreieck am Saalebogen, in dem rund 60.000 Menschen leben.
Wer mit dem Zug ankommt, steigt an einem Bahnhof aus, dessen Geschichte mit einer gebrauchten Baracke begann und dessen Empfangsgebäude heute eine Gaststätte und ein Café beherbergt.

Das Tor zum Schwarzatal
Blankenburg wurde 1267 erstmals in einem Stiftungsbrief des Saalfelder Nonnenklosters erwähnt, und das Stadtrecht ist seit 1323 urkundlich verbürgt.
Die Siedlung entstand als Burgweiler unter der Burg Greifenstein, die früher ebenfalls Blankenburg hieß und bis heute auf ihrem Berg über der Stadt steht.
Im Jahr 1744 zerstörte ein schwerer Stadtbrand nahezu alle Gebäude der Stadt, die sich danach mühsam wieder aufbauen musste.
Seit 1840 gab es im Ort einen Kurbetrieb, für den das Fürstenhaus Schwarzburg-Rudolstadt der Stadt 1911 den Titel Bad verlieh, und heute nennt sie sich selbst Lavendelstadt.

Ein Bahnhof aus gebrauchten Teilen
Der Bahnhof Blankenburg ging am 1. August 1884 in Betrieb, zunächst nur als Endpunkt einer kurzen Nebenbahn aus Schwarza, das heute zu Rudolstadt gehört.
Gebaut hatte die Strecke die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft, die zuvor schon die Saalbahn errichtet hatte und nun ihr Einzugsgebiet erweitern wollte.
Als Empfangsgebäude diente eine ausrangierte Baracke aus Rothenstein, der Güterschuppen kam aus Saalfeld, und selbst die Abortanlage stammte aus Rothenstein.
Auf dem heutigen Bahnhofsvorplatz lagen damals die Gleise einer Kehranlage, und daneben stand ein Lokschuppen aus Holz.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Bad Blankenburg (Thüringerw) liegt an der Strecke Arnstadt–Saalfeld und wird stündlich von Regionalzügen zwischen Saalfeld und Erfurt bedient. Die beiden Seitenbahnsteige sind 140 Meter lang und 34 beziehungsweise 36 Zentimeter hoch.
Bis 1911 hieß die Stadt einfach Blankenburg, den Zusatz Bad erhielt sie wegen ihres seit 1840 bestehenden Kurbetriebs. Das Friedrich-Fröbel-Museum befindet sich in dem Haus, in dem Fröbel 1839 und 1840 den ersten Kindergarten der Welt stiftete.
Anschluss an die Strecke Arnstadt–Saalfeld
Am 2. Dezember 1895 kam die Bahnstrecke von Arnstadt nach Saalfeld hinzu, die seither durch Blankenburg führt und heute die einzige Strecke der Stadt ist.
Aus dieser Zeit stammt zumindest der mittlere Trakt des heutigen Empfangsgebäudes, dessen Seitenflügel zunächst nur ein Geschoss hatten und erst später aufgestockt wurden.
Weil die neue Strecke etwas höher lag, mussten die Gleise im Bahnhof neu geordnet werden, und das Gleis aus Schwarza fädelte fortan auf Höhe des Wirbacher Wegs in die neue Strecke ein.
Spätestens mit der Eröffnung der Schwarzatalbahn fuhren Züge von Rudolstadt über Blankenburg bis nach Katzhütte, und auf dem frei gewordenen Vorplatz entstand ein Pavillon mit Geschäften.

Fünf Gleise und drei Stellwerke
Im Jahr 1912 wurde das Empfangsgebäude erweitert und vergrößert, und eine neue Unterführung verband nun die Bahnsteige miteinander.
Viele Jahre lang hatte der Bahnhof drei Bahnsteige mit fünf Gleisen, doch nur der mittlere Bahnsteig war überdacht und besaß einen eigenen Warteraum.
Dazu kamen drei Stellwerke aus den 1930er Jahren, ein Wasserturm und zwei Lokschuppen mit Drehscheibe, außerdem Güteranlagen in Richtung Saalfeld und Anschlussgleise für örtliche Betriebe.
In den Jahren 1926 und 1927 erhielt die neu angesiedelte Kautschukfabrik ein Anschlussgleis, auf dem bis 1970 Loks der Reichsbahn und danach eine werkseigene Kleinlok fuhren.

Abschied von der Strecke nach Schwarza
Zwischen 1985 und 1990 ersetzten Lichtsignale die alten Formsignale, und 1986 entstand auf der anderen Seite des Bahnhofs sogar noch eine zweite Anschlussbahn.
Nach der Wende ging der Verkehr auf der nur 4,26 Kilometer langen Strecke nach Rudolstadt-Schwarza deutlich zurück, und im Jahr 2000 wurde sie stillgelegt und später abgebaut.
Schon 1994 waren Wasserturm und Kohlehochbunker abgerissen worden, und zwei Jahre später verschwand auch der Gleisanschluss zur Kautschukfabrik.
Heute gibt es nur noch ein Durchfahrgleis und ein Kreuzungsgleis an zwei Seitenbahnsteigen, die jeweils 140 Meter lang sind.

Der Bahnhof heute
Der Bahnhof liegt etwa 500 Meter vom Stadtkern entfernt, am Streckenkilometer 39,1 der Strecke zwischen Arnstadt und Saalfeld.
Nach Osten ist Saalfeld mit rund neun Kilometern die nächste Station, nach Westen folgt nach etwa acht Kilometern Rottenbach, wo die Schwarzatalbahn beginnt.
Jede Stunde halten hier Regionalzüge, die zwischen Saalfeld und Erfurt verkehren, sodass die Landeshauptstadt ohne Umsteigen erreichbar ist.
Das renovierte Empfangsgebäude ist heute in Privatbesitz und wird von einer Gaststätte und einem Café genutzt, die dem alten Bahnhof neues Leben geben.

Wo der erste Kindergarten entstand
Am 28. Juni 1840 stiftete Friedrich Fröbel in Blankenburg den Allgemeinen deutschen Kindergarten und setzte damit seine Ideen zur frühen Bildung erstmals in die Praxis um.
Fröbel war überzeugt, dass schon in der frühen Kindheit der Grundstein für die weitere Entwicklung gelegt wird, und schuf dafür ein System aus Liedern, Beschäftigungen und Spielgaben.
Das Wort Kindergarten wanderte als Lehnwort in mehrere Sprachen, unter anderem ins Englische, und Fröbels Geburtstag am 21. April wird heute als weltweiter Kindergarten-Tag begangen.
Seit 1910 erinnert das Friedrich-Fröbel-Museum im Gebäude des ersten Kindergartens an ihn, mit über 1000 Briefen aus seinem Nachlass und einer Bibliothek von über 3000 Bänden.

Die Burg Greifenstein
Über der Stadt erhebt sich auf 390 Metern Höhe die Burg Greifenstein, die mit rund 25.000 Quadratmetern Fläche zu den größten Burgruinen Deutschlands zählt.
Auf der Burg wurde 1304 Günther XXI. von Schwarzburg-Blankenburg geboren, der sich 1349 gegen König Karl IV. als Gegenkönig aufstellen ließ.
Von 1925 bis 1928 ließen die Burggemeinde und der Vertreterconvent der akademischen Turnerschaften den Palas und den Turm der Burg neu errichten.
Seit 2018 gehört eine Falknerei zu den Attraktionen auf dem Greifenstein, die zu den drei großen Falknereien in Thüringen gezählt wird.

Ankommen in Bad Blankenburg
Vom Bahnhof sind es nur etwa 500 Meter bis in den Stadtkern, wo die Stadtkirche steht, deren Bau schon 1385 begann und die erst 1794 eingeweiht wurde.
Südöstlich der Altstadt liegt am Eingang ins Schwarzatal das einstige Kurviertel mit Kurpark, dem Pavillon der Antonius-Quelle und einer Kneippanlage entlang der Schwarza.
Einmal im Jahr feiert die Lavendelstadt ihr Lavendelfest, und mitten durch den Ort führt der lange Bergwanderweg von Eisenach nach Budapest.
Wer danach noch Zeit hat, fährt mit dem Zug acht Kilometer weiter nach Rottenbach und von dort mit der Schwarzatalbahn hinauf zur Oberweißbacher Bergbahn.

Häufige Fragen
Seit wann hat Bad Blankenburg einen Bahnhof?
Fahren noch Züge nach Rudolstadt-Schwarza?
Welche Züge halten in Bad Blankenburg?
Was hat Bad Blankenburg mit dem Kindergarten zu tun?
Wie groß ist die Burg Greifenstein?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Der Bahnhof Saalfeld an der Saale – die Nachbarstadt an der Saale, nur rund neun Kilometer entfernt
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