Stimmt es, dass …?
„Achtung am Bahnsteig: Die Lok lässt gleich ordentlich Dampf ab, bitte halten Sie ausreichend Abstand.“
Stimmt es, dass Dampf ablassen aus der Zeit der Dampflok stammt?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Zum Teil. Die Redewendung stammt aus der Technik der Dampfkessel, bei denen abgelassener Dampf eine Explosion verhindert, und die Dampflok ist nur eine von vielen Maschinen, bei denen das nötig war.
Wer sich richtig geärgert hat, muss irgendwann Dampf ablassen, sonst platzt ihm der Kragen.
Viele denken bei dieser Wendung sofort an eine zischende Dampflok am Bahnsteig.
Ob die Redewendung wirklich aus der Zeit der Dampflokomotive stammt, zeigt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
12–16 bar
Kesselüberdruck
bei deutschen Dampflokomotiven
2
Sicherheitsventile
mindestens, in verschiedener Bauart je Lokkessel
1866
erster Revisionsverein
Keimzelle des heutigen TÜV
Mittel- und Hochdrucklokomotiven mit bis zu 400 bar blieben meist Einzelstücke.
Was die Redewendung meint
Wer Dampf ablässt, reagiert seinen Ärger oder seine Wut ab.
Das Bild dahinter ist ein innerer Druck, der sich nach und nach aufgestaut hat.
Wird dieser Druck nicht rechtzeitig abgebaut, droht im übertragenen Sinn eine Explosion.
Genau dieses Bild stammt aus der Technik.

Die Herkunft aus dem Kessel
Wörterbücher führen die Redewendung auf den Bereich der Technik zurück.
Wenn man aus einem Kessel Dampf ablässt, verhindert das, dass der Kessel explodiert.
Gemeint ist also allgemein der Dampfkessel und nicht speziell die Lokomotive.
Dampfkessel arbeiteten in Fabriken, auf Schiffen, in Kraftwerken und eben auch auf Lokomotiven.
Gut zu wissen
Mitteldrucklokomotiven mit 20 bis 25 bar und Hochdrucklokomotiven mit bis zu 400 bar Kesseldruck blieben meist auf wenige Exemplare beschränkt. Grund waren damals nicht beherrschbare Werkstoffeigenschaften.
Vor der Einführung des Hilfsbläsers wurden Dampflokomotiven bei längeren Stillstandszeiten abgekuppelt und hin- und herbewegt. So hielt man den gewünschten Kesseldruck aufrecht.
Das Sicherheitsventil
Damit ein Kessel nicht zu viel Druck aufbaut, besitzt er Sicherheitsventile.
Sie schützen Heiz- und Dampfkessel, Rohrleitungen oder Reaktoren vor einem unzulässigen Druckanstieg.
Übersteigt der Druck einen festgelegten Wert, öffnet das Ventil und bläst den Überdruck ab.
Ein bekanntes Beispiel ist das Kesselsicherheitsventil einer Dampflokomotive.
Dampf ablassen bei der Lok
Deutsche Dampflokomotiven arbeiten in der Regel mit einem Kesselüberdruck von 12 bis 16 bar.
Begrenzt wird dieser Druck durch mindestens zwei Kesselsicherheitsventile unterschiedlicher Bauart.
Wird der zulässige Höchstdruck überschritten, blasen sie Dampf kontrolliert in die Umgebung ab.
Wer eine Dampflok zischen hört, erlebt das Dampfablassen also oft ganz wörtlich.
Wenn ein Kessel zerknallt
Wie gefährlich zu viel Druck sein kann, zeigt die Kesselexplosion, auch Kesselzerknall genannt.
Dabei birst ein Dampfkessel, meist wegen Überhitzung durch Wassermangel, zu hohem Dampfdruck oder mangelhafter Wartung.
Mit der wachsenden Zahl und Leistung der Dampfmaschinen während der Industrialisierung kam es immer häufiger zu solchen Unfällen.
Das Bild vom Kessel, der ohne Ventil platzt, dürfte den Menschen deshalb sehr vertraut gewesen sein.
Wie der TÜV entstand
Nach der Explosion eines Kessels in der Mannheimer Aktienbrauerei im Januar 1865 entstand die Idee regelmäßiger freiwilliger Kontrollen.
Im Januar 1866 wurde in Mannheim die Gesellschaft zur Überwachung und Versicherung von Dampfkesseln gegründet.
Aus solchen Dampfkessel-Überwachungsvereinen ging später der TÜV hervor.
Später übernahmen diese Vereine auch Prüfungen von Kraftfahrzeugen und die Führerscheinprüfung.
Die Dampflok als Paradebeispiel
Dass viele bei der Redewendung an die Eisenbahn denken, hat gute Gründe.
Für viele Menschen dürfte die Dampflok die sichtbarste Dampfmaschine ihres Alltags gewesen sein.
Im Bahnhof konnte jeder hören und sehen, wie eine Lok Dampf abblies.
So wurde sie zum Sinnbild einer Technik, die weit über die Schiene hinausging.
Noch mehr Dampf in der Sprache
Auch andere Redewendungen erinnern an das Zeitalter der Dampfmaschine.
Eine Schippe drauflegen, also eine Leistung noch einmal steigern, stammt möglicherweise aus der Zeit der Dampflok, als der Heizer zusätzliche Kohlen nachlegte.
Die Wendung es ist höchste Eisenbahn für große Eile geht dagegen auf ein Theaterstück von Adolf Glassbrenner zurück.
Die Sprache hat die Dampfmaschinen damit lange überlebt.
Das Fazit
Der Mythos stimmt teilweise, denn Dampf ablassen stammt tatsächlich aus der Zeit der Dampfmaschinen.
Gemeint ist aber allgemein der Dampfkessel, dessen Überdruck abgelassen werden muss, damit er nicht explodiert.
Die Dampflok ist dafür nur das bekannteste Beispiel, denn auch Fabriken, Schiffe und Kraftwerke arbeiteten mit Dampfkesseln.
Wer heute Dampf ablässt, handelt also wie ein gutes Sicherheitsventil.
Was ein Bahnhof für eine Stadt bedeutet
Ein Bahnhof ist für viele Städte weit mehr als nur ein Verkehrsbauwerk.
Er ist oft das Erste, was Reisende von einem Ort zu sehen bekommen.
Rund um den Bahnhof entstehen Geschäfte, Cafés und ein reges Treiben.
Er verbindet die Stadt mit der weiten Welt und die Welt mit der Stadt.
Ein gepflegter Bahnhof ist deshalb auch eine Visitenkarte des Ortes.
So prägt er das Bild einer Stadt weit über die Gleise hinaus.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
