Stimmt es, dass Bahnunfälle von einer eigenen Bundesstelle untersucht werden?

Stimmt es, dass …?

„Hinweis für alle Reisenden: Nach jedem schweren Unfall auf der Schiene fragt eine eigene Bundesstelle ganz genau, warum es passiert ist.“

Stimmt es, dass Bahnunfälle von einer eigenen Bundesstelle untersucht werden?

→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. Seit 2017 untersucht die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung mit Sitz in Bonn gefährliche Ereignisse im Bahnbetrieb, um ihre Ursachen zu klären und künftige Unfälle zu verhindern.

Nach einem Flugunfall ist oft von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung die Rede, die den Hergang Schritt für Schritt rekonstruiert.

Weniger bekannt ist, dass es eine solche Stelle auch für die Eisenbahn gibt.

Dieser Mythos-Check zeigt, wer Bahnunfälle in Deutschland untersucht, welche Fälle geprüft werden müssen und wozu die Ergebnisse dienen.

Bahnhof Kolbermoor, Notfalltechnikzug der DB Netze, 1
Foto: Aisano, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Fakten in Zahlen

2017

Gründung

Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung

2688

2023

gemeldete gefährliche Ereignisse

6

2023

Ereignisse, die die Bundesstelle untersuchte

Zusätzlich führte die Bundesstelle im Jahr 2023 für 51 Ereignisse Voruntersuchungen durch.

Eine Behörde nur für Bahnunfälle

Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung, kurz BEU, ist eine unabhängige Untersuchungsstelle des Bundes.

Sie untersucht gefährliche Ereignisse im Eisenbahnbetrieb und ermittelt deren Ursachen.

Wenn nötig, gibt sie Empfehlungen ab, wie sich ähnliche Unfälle in Zukunft vermeiden lassen.

Die BEU ist eine selbstständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und hat ihren Sitz in Bonn.

Damit gibt es für die Schiene eine eigene Stelle, die sich ausschließlich mit der Aufklärung von Unfällen und gefährlichen Ereignissen beschäftigt.

Dresden, 10.Loktreffen 2018 363 737 mit DB Hilfszug
Foto: Bybbisch94, Christian Gebhardt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Weg zur eigenen Behörde

Bis 1994 untersuchten die Staatsbahnen ihre Unfälle selbst, also die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn.

Nach der Bahnreform übernahm zunächst das Eisenbahn-Bundesamt diese Aufgabe.

Im Jahr 2009 ging sie an die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes, die im damaligen Bundesverkehrsministerium angesiedelt war.

Als deren Nachfolgerin wurde 2017 die BEU eingerichtet, per Erlass des Bundesverkehrsministeriums vom 14. Juli 2017.

Gut zu wissen

Die Vorgängerbehörde EUB wurde per Erlass des Bundesverkehrsministeriums vom 20. August 2008 eingerichtet. Im Jahr 2015 hatte sie 21 Planstellen.

Die Untersuchungseinheit der BEU gliedert sich in die Bereiche Nordwest, Nordost, Südwest und Südost. Der Bereich Südwest ist unter anderem für Hessen und Baden-Württemberg zuständig.

Warum Unabhängigkeit zählt

Grundlage der Arbeit ist die europäische Richtlinie über die Eisenbahnsicherheit von 2004, die 2016 neu gefasst wurde.

Sie verlangt, dass nach einem schweren Unfall eine Sicherheitsuntersuchung stattfindet, unabhängig von einer gerichtlichen Untersuchung.

Die zuständige Stelle darf dabei nicht durch Beziehungen zu den Unternehmen des Eisenbahnsektors in einen Interessenkonflikt geraten.

Ausdrücklich gefordert ist auch ihre funktionelle Unabhängigkeit von der nationalen Sicherheitsbehörde, in Deutschland also vom Eisenbahn-Bundesamt.

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Untersuchungsstelle nach schweren Unfällen tätig wird.

Was ein schwerer Unfall ist

Die Richtlinie legt genau fest, wann ein Unfall als schwer gilt.

Dazu gehören Unfälle mit mindestens einem Todesopfer oder mit mindestens fünf Schwerverletzten.

Auch ein Sachschaden, den die Untersuchungsstelle auf mindestens zwei Millionen Euro schätzt, macht einen Unfall zu einem schweren Unfall.

In all diesen Fällen muss die BEU eine Untersuchung durchführen.

Diese Definition gilt einheitlich für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Jedes gefährliche Ereignis wird gemeldet

Eisenbahnunternehmen sind verpflichtet, gefährliche Ereignisse an die BEU zu melden.

Dazu gehören nicht nur Unfälle, sondern auch bestimmte Störungen, die nicht zu einem Unfall geführt haben.

Die BEU entscheidet anhand der Art des Ereignisses und seiner Folgen, ob sie eine Untersuchung aufnimmt.

Bei Zwischenfällen, die zu einem schweren Unfall hätten führen können, kann sie ebenfalls tätig werden, wenn es dafür ausreichende Anhaltspunkte gibt.

Die Zahlen aus dem Jahr 2023

Im Jahr 2023 wurden der BEU insgesamt 2688 gefährliche Ereignisse gemeldet.

Die Bundesstelle untersuchte sechs dieser Ereignisse, drei davon waren untersuchungspflichtig.

Für 51 weitere Ereignisse führte sie Voruntersuchungen durch, um zu entscheiden, ob sie eine Untersuchung aufnimmt.

Bei Unfällen und Störungen unterhalb der Schwelle eines schweren Unfalls entscheidet die Behörde nach pflichtgemäßem Ermessen.

Nur ein sehr kleiner Teil der gemeldeten Ereignisse führt also zu einer vollständigen Untersuchung.

Ermittler in ganz Deutschland

Die Untersuchungseinheit der BEU ist in vier Untersuchungsbereiche gegliedert, die jeweils für mehrere Bundesländer zuständig sind.

Der Bereich Südost ist zum Beispiel für Bayern zuständig, der Bereich Nordost unter anderem für Schleswig-Holstein, Berlin und Sachsen.

Regionalbüros gibt es in Berlin, Essen, Frankfurt am Main, Hannover, Nürnberg, Schwerin und Stuttgart.

Im Haushalt 2021 waren für die Bundesstelle 31 Planstellen für Beamte und zwei Stellen für Arbeitnehmer vorgesehen.

Ermittlungen mit eigenem Ziel

Die Untersuchung der BEU läuft unabhängig von einer gerichtlichen Untersuchung.

Ihr Ziel ist es, die Unfallursache zu bestimmen und daraus Empfehlungen für mehr Sicherheit abzuleiten.

Die rechtlichen Grundlagen dafür stehen im Allgemeinen Eisenbahngesetz und in der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsverordnung.

Umgesetzt wurde die europäische Richtlinie in Deutschland mit einer Änderung des Eisenbahnrechts vom 16. April 2007.

Nach dem Eisenbahnunfall von Burgrain am 3. Juni 2022, bei dem fünf Menschen starben, wertete die BEU unter anderem Aufzeichnungen über Kontrollen und Reparaturen am Unfallabschnitt aus.

Vorbilder für Luft und Wasser

Vergleichbare Untersuchungsstellen gibt es in Deutschland auch für andere Verkehrsträger.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung kümmert sich um Unfälle in der Luftfahrt.

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung untersucht Unfälle in der Schifffahrt.

Die Bahnbehörde selbst trägt den englischen Namen Federal Authority for Railway Accident Investigation.

Das Fazit

Der Mythos stimmt: Für Bahnunfälle gibt es in Deutschland eine eigene, unabhängige Untersuchungsstelle.

Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung in Bonn muss alle schweren Unfälle untersuchen und kann auch gefährliche Zwischenfälle prüfen.

Seit 2017 arbeitet sie als eigene Bundesoberbehörde, getrennt vom Eisenbahn-Bundesamt.

Ihre Empfehlungen sollen dafür sorgen, dass aus jedem Unfall für die Sicherheit auf der Schiene gelernt wird.

Die Bahn und der Klimaschutz

Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.

Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.

Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.

Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.

Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.

Warum sich der Blick aufs Detail lohnt

Der Bahnbetrieb steckt voller kleiner Dinge, die kaum jemand bewusst wahrnimmt.

Und doch hängt der reibungslose Ablauf oft genau an diesen Kleinigkeiten.

Ein einziges Bauteil kann darüber entscheiden, ob ein Zug rollt oder steht.

Wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem Alltag eine erstaunlich feine Technik.

Dieses Zusammenspiel unzähliger Teile ist die eigentliche Leistung der Bahn.

Es lohnt sich, dem scheinbar Selbstverständlichen einmal Beachtung zu schenken.

Häufige Fragen

Wer untersucht Bahnunfälle in Deutschland?
Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung, eine unabhängige Bundesoberbehörde mit Sitz in Bonn.
Seit wann gibt es die BEU?
Sie wurde 2017 als Nachfolgerin der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes eingerichtet.
Welche Unfälle muss sie untersuchen?
Alle Unfälle mit Toten, mit mindestens fünf Schwerverletzten oder mit einem Sachschaden von mindestens zwei Millionen Euro.
Müssen Bahnunternehmen Vorfälle melden?
Ja, sie müssen gefährliche Ereignisse melden, auch bestimmte Störungen, die glimpflich ausgegangen sind.
Gehört die BEU zum Eisenbahn-Bundesamt?
Nein, sie ist eine eigene Behörde und muss vom Eisenbahn-Bundesamt als Sicherheitsbehörde funktionell unabhängig sein.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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